Pädiatrie

Schleswig-Holstein: Weiterbildung der Pädiater im Verbund wird verstetigt

Rund 458.000 Euro erhält der Weiterbildungsverbund Pädiatrie Schleswig-Holstein von der Landesregierung im Norden. Damit kann die Rotation zwischen Kliniken und Praxen ausgebaut werden.

Dirk SchnackVon Dirk Schnack Veröffentlicht:
Landesgesundheitsministerin Professor Kerstin von der Decken überreicht den Förderbescheid an Dr. Christoph Weiss-Becker (Mitte) und Professor Egbert Herting vom Weiterbildungsverbund Pädiatrie.

Landesgesundheitsministerin Professor Kerstin von der Decken überreicht den Förderbescheid an Dr. Christoph Weiss-Becker (Mitte) und Professor Egbert Herting vom Weiterbildungsverbund Pädiatrie.

© Dirk Schnack

Lübeck. Ein Weiterbildungsverbund ermöglicht angehenden Pädiatern in Schleswig-Holstein seit einigen Jahren eine strukturierte Weiterbildung, die sie ohne zeitliche Brüche in Kliniken und Praxen absolvieren können. Um die Arbeit des Verbunds zu optimieren, erhielt dieser am Montag von Landesgesundheitsministerin Professor Kerstin von der Decken (CDU) einen Förderbescheid über rund 458.000 Euro aus dem Versorgungssicherungsfonds des Landes.

Die einen haben tradierte Vorstellungen von der Arbeit in Kinderarztpraxen und beklagen missverständliche Informationen bei den Einweisungen, die anderen fühlen sich von Informationen über die Weiterbehandlung abgeschnitten und erleben zum Teil arrogante Haltungen: Zwischen den Pädiatern in Kinderkliniken und Kinderarztpraxen gib es oft Missverständnisse und Vorurteile. Gut sind beide Seiten auch darin, sich wechselseitig Inkompetenz zuzuschreiben.

Alle Seiten profitieren vom Verbund

„Solche Haltungen bekommen Ärztinnen und Ärzte in der Weiterbildung hautnah mit", gibt Dr. Irene Somm zu bedenken. Die Sozialwissenschaftlerin hat den Weiterbildungsverbund Pädiatrie schon in einer ersten Förderphase von 2019 bis 2022 begleitet. Damals ging es vor allem um die Etablierung dieses Verbundes. Den angehenden Pädiatern wurde ermöglicht, ohne Zeitverzug zwischen den Sektoren zu wechseln und in Klinik und Praxis zu lernen. Davon profitierten nach Überzeugung der Beteiligten alle Seiten.

Praxisinhaber Dehtleff Banthien aus Bad Oldesloe und Dr. Anne Hellfritsch, Ärztin in Weiterbildung, bestätigten dies beim Termin mit der Ministerin. Banthien sprach von einem „qualitätsbildenden Faktor", wenn Praxisinhaber sich mit kritischen Fragen junger Kollegen auseinandersetzen müssen. Hinzu kommt aus seiner Sicht, dass diese die wechselseitigen Haltungen aus beiden Sektoren transportieren und damit zu einem besseren Verständnis beitragen.

Die Erfahrungen aus der ersten Förderperiode haben dazu geführt, dass das Interesse sowohl bei den Praxisinhabern als auch bei den Ärztinnen und Ärzten in Weiterbildung zugenommen hat. Aus den einst 19 am Verbund teilnehmenden Praxen sind inzwischen 35 geworden.

Mehr Planungssicherheit für die Weiterzubildenden

Der in Husum niedergelassene Pädiater Dr. Christoph Weiß-Becker, der den Verbund initiiert hat, will mit der zweiten Förderung erreichen, dass nun ein festes Rotationssystem zwischen Kliniken und Praxen und damit mehr Planungssicherheit eingeführt wird. Allen Ärztinnen und Ärzten im Norden soll ein entsprechendes Angebot gemacht werden.

Weitere Fortschritte: Das elektronische Logbuch soll künftig auch im stationären Bereich eingesetzt und die Schnittstellen zwischen den Weiterbildungskonzepten in den beiden Sektoren besser verbunden werden. Außerdem soll mit der psychosomatischen Grundversorgung ein weiterer verpflichtender Inhalt der Weiterbildungsordnung als Angebot im Verbund etabliert werden.

Ministerin lobt Bottom-Up-Ansatz

Ministerin von der Decken bewertete das bislang Erreichte positiv. „Das alles gefällt uns ausgesprochen gut", sagte sie bei der Übergabe des Förderbescheids in der Lübecker UKSH-Kinderklinik. Zugleich betonte sie, dass solche Ansätze „von unten", von den an der Versorgung Beteiligten, kommen müssten.

Für Lübecks Klinikdirektor Professor Egbert Herting steht außer Frage, dass die Klinik sich an dem Verbundprojekt beteiligt. „Mindestens die Hälfte der Kolleginnen und Kollegen in der Weiterbildung bilden wir für die Praxis aus", betonte er. Neben der Lübecker Klinik ist auch die Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Klinikum Itzehoe federführend am Projekt beteiligt.

Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Hybrid-DRG Plus: Ambulante Operationen per Mausklick abrechnen

© KVNO

Schnell und sicher

Hybrid-DRG Plus: Ambulante Operationen per Mausklick abrechnen

Anzeige | Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein
Kommentare
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Rückgang der generalisierten tonisch-klonischen Anfälle unter Cannabidiol + Clobazam

© Springer Medizin Verlag , modifiziert nach [1]

Real-World-Daten aus Deutschland zum Lennox-Gastaut- und Dravet-Syndrom

Cannabidiol in der klinischen Praxis: vergleichbare Wirksamkeit bei Kindern und Erwachsenen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Jazz Pharmaceuticals Germany GmbH, München

Chronisch kranke Kinder

Mangelernährung frühzeitig erkennen und konsequent angehen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Danone Deutschland GmbH, Frankfurt/Main
Rett-Syndrom: früh diagnostizieren, Betroffene bestmöglich fördern und Familien entlasten

© Olia / Generated with AI / stock.adobe.com

Neurologische Entwicklungsstörung

Rett-Syndrom: früh diagnostizieren, Betroffene bestmöglich fördern und Familien entlasten

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Acadia Pharmaceuticals (Germany) GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Studie aus Schweden

Dermatozoenwahn – frühes Anzeichen von Demenz?

Palliativregisteranalyse

Menschen mit Krebs: Viel Schmerz am Lebensende

Humane Papillomviren

Lässt sich Menstruationsblut für die Krebsfrüherkennung nutzen?

Lesetipps