2. Preis Charity Award 2021

AGPD: Kampagne gegen Ketoazidose bei Kindern

Seit 2014 klärt die Arbeitsgemeinschaft Pädiatrische Diabetologie (AGPD) Eltern über Typ-1-Diabetes bei Kindern auf. Für ihr Engagement erhalten die Initiatoren jetzt den zweiten Preis des Springer Medizin Charity Awards.

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„Unsere Freude über den Preis ist sehr groß“, sagte Dr. Martin Holder, Mitbegründer der Arbeitsgemeinschaft Pädiatrische Diabetologie (AGPD) bei der Verleihung des Charity Awards in Berlin.

„Unsere Freude über den Preis ist sehr groß“, sagte Dr. Martin Holder, Mitbegründer der Arbeitsgemeinschaft Pädiatrische Diabetologie (AGPD) bei der Verleihung des Charity Awards in Berlin.

© Marc-Steffen Unger

Berlin. Sie leiden unter ständigem Durst, Harndrang, Gewichtsverlust und Müdigkeit: In Deutschland erkranken Jahr für Jahr rund 3.000 Kinder neu an Diabetes mellitus Typ 1. Unentdeckt kann die Erkrankung vor allem bei Vorschulkindern zu einer schweren Stoffwechselentgleisung mit Blutübersäuerung (Ketoazidose) und im schlimmsten Fall zum Tod führen.

Mit dem Ziel, die Ketoazidose-Rate unter Vorschulkindern zu senken, riefen Dr. Martin Holder, Leitender Oberarzt der Pädiatrie 2 am Klinikum Stuttgart, und Professor Stefan Ehehalt, Leiter des Gesundheitsamts Stuttgart, 2014 im Großraum Stuttgart eine ambitionierte Präventionskampagne ins Leben.

Für ihr Engagement ist ihnen der 2. Preis der Charity Awards 2021 zuerkannt worden.

Springer Medizin Gala 2021: die Preisverleihung
Die Gala im Video: Die Verleihung des Galenus-von-Pergamon-Preises und des Charity Awards am 21. Oktober in Berlin.

Im Rahmen der Schuleingangsuntersuchungen verteilten sie an alle Eltern Flyer, um sie über die klassischen Symptome eines Insulinmangels aufzuklären. Überdies wurden Pädiater und Kindertagesstätten mit Informationsmaterialien ausgestattet sowie Lehrer und Vereine über die Kampagne informiert. In drei Jahren erreichte man auf diesem Weg insgesamt 17.000 Kinder und deren Familien.

Flyer an Eltern verteilt

Sind normalerweise rund 28 Prozent der jungen Typ-1-Diabetiker von einer diabetischen Ketoazidose (DKA) betroffen, konnte diese Rate im Rahmen der Präventionskampagne schon nach einem Jahr auf 16 Prozent gesenkt werden. Während der SARS-CoV-2-Pandemie hat sich die DKA-Rate im Vergleich zu den Vorjahren bundesweit fast verdoppelt. Nicht zuletzt diese Entwicklung hat die Initiatoren der Stuttgarter Ketoazidose-Prävention bewogen, ihre erfolgreiche Kampagne bundesweit anzubieten.

Mit dieser Entscheidung will die Arbeitsgemeinschaft für Pädiatrische Diabetologie (AGPD) die Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit Diabetes deutschlandweit verbessern.

Über 6000 Kinderärzte beteiligen sich

„Unsere Freude über den Preis ist sehr groß“, sagte Dr. Martin Holder bei der Preisübergabe in Berlin. Das Preisgeld in Höhe von 20.000 Euro helfe dabei, das Projekt in den nächsten drei Jahren bundesweit auszurollen. Es sollen Aufklärungsflyer gedruckt und bundesweit an Kinderarztpraxen verschickt werden. Über eine Million Info-Flyer habe die Arbeitsgemeinschaft bereits gedruckt und diese an Kinder- und Jugendärzte bundesweit verschickt. Dies solle jedes Jahr wiederholt werden, solange die Präventions-Kampagne läuft.

„Je früher wir die betroffenen Kinder erreichen, desto positiver wirkt sich das auf den Langzeitverlauf der Erkrankung aus“, warb Holder für sein Projekt. Über 6000 Pädiater beteiligten sich bereits an der Aktion.

Galenus-Gala 2021

Die Preisverleihung in Bildern: Impressionen der Springer Medizin Gala 2021.

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© David Vogt

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© David Vogt

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© Marc-Steffen Unger

„Mit der Kampagne konnte man schon vor der Pandemie zeigen, dass man schwere Erstmanifestationen reduzieren konnte. Diese sind in der Pandemie dann wieder deutlich gestiegen. Deshalb ist es umso wichtiger, dass dieses Projekt jetzt bundesweit fortgesetzt wird“, lobte die Jury-Präsidentin des CharityAwards, Professor Monika Kellerer.

„Jeder, der weiß, wie schwer es ist aus einem regionalen oder lokalen Projekt etwas zu machen, das bundesweit in die Umsetzung kommt, kann ermessen, was es bedeutet, was sie geleistet haben. Das spricht für ihr Projekt oder im Zweifel für ihre schwäbische Hartnäckigkeit“, zollte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn den Initiatoren Respekt. (smi/chb)

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© AGPD

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