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Aktion wirbt um Verständnis für Borderline-Patienten

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Von Angela Mißlbeck

Mit einer Filmreihe und einer Ausstellung in Berlin will der Behindertenbeauftragte der Bundesregierung Aufmerksamkeit und Verständnis für Borderline-Erkrankungen wecken. Bei der Aktion, die gestern eröffnet worden ist, wird auch der Dokumentarfilm "Janine F." gezeigt. Er zeichnet die Persönlichkeit einer 24jährigen Künstlerin nach, die sich 2002 vom Dach des Künstlerhauses "Tacheles" in Berlin gestürzt hat.

Nur sehr schwer auszuhalten sind die Spannungszustände im Leben von Borderline-Patienten. Manchmal gar nicht. Dann führt der meist gewählte Weg aus den unerträglichen inneren Spannungen über Selbstverletzungen oder Suizidversuche.

So beschreibt die Berliner Psychotherapeutin Verena Volp Gemütsverfassung und Hauptsymptomatik einer Persönlichkeitsstörung, die vor allem sehr junge Menschen zwischen 18 und 26 Jahren trifft. Volp schildert Borderline-Patienten als hochsensible Persönlichkeiten, die emotional sehr verwundbar sind.

Kunst kann als Überdruckventil fungieren

Viele Künstler, aber auch Menschen aus Helfer-Berufen und Wissenschaftler gehören zu Volps Borderline-Patienten. Kunst kann als Überdruckventil funktionieren, meint Volp. Doch wirklich helfen können nur Ärzte und Psychotherapeuten.

Die Psychotherapeutin betreut derzeit zwei Patientinnen aus dem Künstlerhaus Tacheles. "Eine wurde eingewiesen, weil sie dachte, sie könnte vom Dach des Tacheles aus fliegen", berichtet Volp.

Therapeutische Hilfe hätte den Tod von Janine F. vielleicht verhindern können. Doch die Tacheles-Künstlerin hat bis zu ihrem Freitod im November 2002 keine professionelle Hilfe in Anspruch genommen, glaubt man den Berichten ihrer Bekannten in dem Dokumentarfilm "Janine F.". Bevor die Zuschauer die Titelfigur schließlich selbst sehen, setzt Regisseurin Teresa Renn Aussagen von Janines Freundinnen, Exfreunden und Künstlerkollegen zu einem Bild ihrer Persönlichkeit zusammen.

Immer wieder geht es um Grenzen. "Grenzgängerin" soll sie sich selbst genannt haben. Von "Grenzüberschreitungen" ist wiederholt die Rede. Doch nicht ein einziges Mal fällt das Wort Borderline. So präsentiert sich Zuschauern ohne psychologische Fachkenntnisse zunächst eine drogensüchtige aber lebenslustige und arbeitswütige, junge Künstlerin. Erst nach und nach wird deutlich, daß bei Janine F. nicht nur die Drogensucht Krankheitswert hatte.

"Wie viele Opfer hat dieses Haus schon gefordert?", fragt Janine F. die anderen Tacheles-Künstler in einer undeutlichen, fast unwirklichen Videosequenz am Ende des Dokumentarfilms.

Die zerbrechliche Frau geht im künstlerischen Chaos der Tacheles-Ruine auf und ab. Unruhig und umgetrieben wirkt sie. Diese Videoaufzeichnung der Tacheles-Künstler hatte unmittelbar nach Janines Tod für Schlagzeilen gesorgt und für den Vorwurf, daß keiner aus ihrer Umgebung sie ernst genommen hätte.

Eindruck in die Gefühlswelt von Borderline-Patienten

Verständnis für die Borderline-Störung will nun der Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, Karl Hermann Haack, wecken. Dazu wird in Berlin eine Ausstellung und eine Filmreihe gezeigt. Die Ausstellung "tagebuch borderline-borderland" der Aachenerin Martina Schwarz soll Einblick in die Gefühlswelt von Menschen, die unter Borderline leiden, geben.

Auf unterhaltsame Weise soll die Filmreihe das Thema den Menschen näher bringen. Außer dem Dokumentarfilm "Janine F." werden zehn weitere Filme zu sehen sein, darunter die Hollywood-Produktion "A beautiful mind", David Cronenbergs "Spider" und der auf der Berlinale gezeigte deutsche Spielfilm "Allein", der im Sommer in die Kinos kommen wird.

Die Ausstellung "Martina Schwarz - tagebuch borderline-borderland" ist noch bis zum 15. Juli im Kleisthaus, Mauerstraße 53, Berlin-Mitte, zu sehen.

Weitere Infos im Internet unter der Adresse: www.behindertenbeauftragter.de

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