Direkt zum Inhaltsbereich

Philippinen

Aufklärung statt Abtreibung für Teenies

Auf den Philippinen werden immer mehr Mädchen schwanger. Viele entschließen sich, abzutreiben. Doch die Eingriffe sind in dem katholisch geprägten Land verboten - und gefährlich. Auch beim Besuch des Papstes spielt das Thema eine Rolle.

Von Girlie Linao Veröffentlicht:
Vor dem Besuch des Papstes auf den Philippinen.

Vor dem Besuch des Papstes auf den Philippinen.

© Dennis M. Sabangan

MANILA. Die Augen von Edna Rabanito füllen sich mit Tränen, als sie sich daran erinnert, welchen Namen sie ihrem ersten Kind geben wollte. Doch die damals 15-jährige Philippinerin brach die Schwangerschaft ab.

"Ich frage mich noch immer, ob es ein Junge oder ein Mädchen geworden wäre", sagt die zierliche 20-Jährige und blinzelt die Tränen weg. Wann immer sie könne, bete sie für ihr ungeborenes Kind und zünde eine Kerze an.

"Ich war noch nicht bereit dafür", erklärt Rabanito ihre Entscheidung. "Deswegen entschloss ich mich, abzutreiben." Mittlerweile sind Rabanito und ihr Freund Eltern zweier Kinder.

Die Familie teilt sich mit weiteren Verwandten ein kleines Zimmer in einem heruntergekommenen Haus in einem Slumviertel von Manila.

Rabanito arbeitet in einem katholischen Schulungszentrum und näht Stofftiere, ihr 26 Jahre alter Freund, von dem sie auch das erste Mal schwanger war, hilft gelegentlich auf dem Bau aus.

80 Prozent sind katholisch

Abtreibung ist auf den Philippinen verboten. Etwa 80 Prozent der Einwohner sind Katholiken, am Donnerstag erwarten Millionen den Besuch von Papst Franziskus. Die Kirche verurteilt Schwangerschaftsabbrüche sogar dann, wenn das Leben der Mutter gefährdet ist.

Trotz des Verbots würden in dem Land jährlich etwa eine halbe Million Abtreibungen vorgenommen, sagen Gesundheitsexperten. Die Eingriffe führt Studien zufolge oft ungeschultes Personal durch.

Viele der Schwangeren können sich keinen Arzt leisten. Einige treiben sogar öfter ab, auch nach dem ersten Schwangerschaftsdrittel. Unhygienische Bedingungen erhöhen das Risiko von Infektionen und anderen Komplikationen.

Percival Cendana, ein Sprecher der nationalen Jugendkommission, sagt, die Zahl ungewollter Teenager-Schwangerschaften sei in den vergangenen Jahren stark gestiegen - und das, obwohl die Kirche den jungen Philippinern predige, auf vorehelichen Sex zu verzichten.

So habe sich die Zahl der Mütter unter 19 Jahren seit dem Jahr 2010 fast verdoppelt.

Mangelhafte Aufklärung hat Schuld

"Beunruhigend ist vor allem, dass die Zahlen bei uns in die Höhe schießen, während sie in anderen Ländern der Region sinken", sagt er.

Schuld sind Cendana zufolge die mangelhafte Aufklärung und Unterstützung der Jugendlichen. Er hofft, ein 2012 verabschiedetes Gesetz zur Familienplanung werde helfen, die jungen Frauen zu schützen.

Die Verordnung, die bei der katholischen Kirche auf starken Widerstand gestoßen war, sieht kostenlose Verhütungsmittel für mittellose Frauen vor. Zudem soll Sexualkundeunterricht an den Schulen zur Pflicht werden.

Tausende Mädchen würden so lernen, wie sie eine Schwangerschaft vermeiden können, sagt Gesundheitsministerin Janette Garin. "Wir können nicht länger einfach nur sagen, dass sie keinen Sex haben sollen. Wir müssen ihnen die richtigen Mittel und Informationen geben."

Die Ministerin warnt, dass Teenager-Schwangerschaften ein erhöhtes Risiko gesundheitlicher Komplikationen bergen. Auch nach der Geburt werde die Situation für die jungen Mütter nicht einfacher.

Viele müssten die Schule abbrechen, um für ihre Kinder zu sorgen. Deshalb hätten sie oft nur begrenzte Zukunftsaussichten, sagt Garin.

"Ich musste die Schule abbrechen und jetzt weiß ich nicht, ob ich je wieder lernen kann", sagt Rica Butlig. Auch sie dachte über eine Abtreibung nach, als sie mit 16 schwanger wurde.

Doch sie entschied sich, ihre inzwischen drei Monate alte Tochter zur Welt zu bringen, nachdem ihre Eltern ihr versprochen hatten, sie zu unterstützen. "Sonst hätte ich eine noch größere Sünde begangen", sagt Butlig.

Auch Rabanito fällt es noch immer schwer, die Abtreibung mit ihrem Gewissen zu vereinbaren. Wenn Papst Franziskus in ihrer Heimat zu Gast sein wird, will sie die öffentliche Messe des Pontifex am 18. Januar im Rizal Park in Manila besuchen.

"Ich werde meine Kinder mitnehmen", sagt sie. "Ich werde mich dafür entschuldigen, was ich getan habe und hoffentlich Frieden finden." (dpa)

Schlagworte:
Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Glasglobus und Stethoskop, eingebettet in grünes Laub, als Symbol für Umweltgesundheit und ökologisch-medizinisches Bewusstsein

© AspctStyle / Generiert mit KI / stock.adobe.com

Klimawandel und Gesundheitswesen

Klimaschutz und Gesundheit: Herausforderungen und Lösungen

Kooperation | In Kooperation mit: Frankfurter Forum
Ein MRT verbraucht viel Energie, auch die Datenspeicherung ist energieintensiv.

© Marijan Murat / dpa / picture alliance

Klimawandel und Gesundheitswesen

Forderungen nach Verhaltensänderungen und Verhältnisprävention

Kooperation | In Kooperation mit: Frankfurter Forum
Ein Dialogforum von Fachleuten aus Gesellschaft, Gesundheitspolitik und Wissenschaft

© Frankfurter Forum für gesellschafts- und gesundheitspolitische Grundsatzfragen e. V.

Das Frankfurter Forum stellt sich vor

Ein Dialogforum von Fachleuten aus Gesellschaft, Gesundheitspolitik und Wissenschaft

Kooperation | In Kooperation mit: Frankfurter Forum
DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

© Matt LaVigne | iStock

Neue in-vitro-Daten

DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

© Irina Esau | Getty Images/iStockphoto

Fokus: Integrität der Haut

Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

© Prof. Dr. med. Hans-Jürgen Tietz

Pilzinfektion Kopfhaut

Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Podcast Dr. Nele Frerksen-Kirschner

© Porträt: Dr. Nele Freerksen-Kirschner, Universitätsklinik Aachen | Hirn: grandeduc / stock.adobe.com

„ÄrzteTag extra“-Podcast

Wechseljahresbeschwerden individuell behandeln

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Gedeon Richter Pharma GmbH, Köln
Abb. 1: OS von Patientinnen mit Endometriumkarzinom und Mismatch-Reparatur-Profizienz bzw. Mikrosatellitenstabilität

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Primär fortgeschrittenes/rezidivierendes Endometriumkarzinom

Nachhaltiger Überlebensvorteil durch Immuntherapie plus Carboplatin-Paclitaxel

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: GlaxoSmithKline GmbH & Co. KG, München

ADHS im Erwachsenenalter

Wechseljahre und ADHS: Einfluss hormoneller Veränderungen auf Symptomatik und Diagnose

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: MEDICE Arzneimittel Pütter GmbH & Co. KG, Iserlohn
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Gestationshypertonie und Co.

Bluthochdruck in der Schwangerschaft: So gehen Sie therapeutisch vor

Lesetipps
Download-Informationen für das soziale Netzwerk Tik Tok, eine globalen Video-Community in der kurze Videoclips hochgeladen und geteilt werden.

© Chinnapong / stock.adobe.com

Medikalisierung und Desinformation

Wie Social Media elterliche Entscheidungen prägt