Aus medizinischen Fehlern können alle Beteiligten lernen

Im Umgang mit Fehlern gibt es einen Wandel. Das belegen mehrere Fehler-Berichtssysteme, die im Internet zugänglich sind. Sie sind auch Thema beim Internistenkongress.

Veröffentlicht:

WIESBADEN (eb). Das bekannteste Fehler-Berichtssystem ist das Critical Incident Reporting System - kurz CIRS genannt. Dabei handelt es sich um ein freiwilliges Berichtssystem über kritische Ereignisse (critical incident) und Beinah-Schäden (near miss), das allen Ärzten und Pflegefachkräften zugänglich ist.

Berichtenswert sind sowohl positive, das heißt risikovermeidende Ereignisse, als auch Vorkommnisse, die beinahe zu einem Schaden geführt hätten und die der Berichtende daher in Zukunft unbedingt vermieden sehen möchte. Alle Berichte müssen anonym gehalten sein und dürfen keine Informationen enthalten, die Rückschlüsse auf die berichtende Person und andere Personen oder Institutionen erlauben.

Beispiel für ein Fehlerberichtssystem, das im Netz aufzurufen ist. © mei

Beispiel für ein Fehlerberichtssystem, das im Netz aufzurufen ist. © mei

© mei

Eine weitere Grundregel von CIRS lautet: Der Berichtende wird nicht sanktioniert. Denn, wer straft, verhindert die Risikoerkenntnis und damit die mögliche Fehlervermeidung. Entscheidend ist, das Wissen aus CIRS gezielt einzusetzen, um die Patientensicherheit weiter zu verbessern. Ein CIRS ohne Risikomanagement ist nutzlos.

Nur wer über Fehler berichtet, kann daraus lernen - dieses an sich simple Prinzip liegt auch dem System PaSOS zugrunde. Das PatientenSicherheits-Optimierungs-System wurde vom Bundesverband Deutscher Anästhesisten (BDA) und der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie (DGAI) entwickelt. Wie CIRS, dient auch PaSOS der anonymen Erfassung, Analyse und Verbreitung "sicherheitsrelevanter Ereignisse" in der Medizin.

Berichten können in diesem System Ärzte aus Kliniken und Praxen. Die Anonymität aller Beteiligten genießt bei dem Verfahren absolute Priorität. Die in das System PaSOS eingestellten Meldungen, bei denen die berichtenden Ärzte unter anderen Datum, Ort und Umstände des kritischen Ereignisses eintragen, sind "freitextbasiert". Auf diese Weise sollen die Fallgeschichten so realitätsnah wie möglich geschildert werden können.

Anschließend werden die Meldungen von "Zwischenfall-Experten ausgewertet" und in Form von konkreten Handlungsempfehlungen an die Nutzer zurückgemeldet.

Veranstaltungstipp

Zeit: Sonntag, 11. April 2010, von 10:15 bis 11:45 Uhr Ort: Saal 12 B/C Thema: "Macht CIRS Sinn?" ist einer von vier Vorträgen der Session "Vom Fehler zur Fehlerkultur" beim Kongress.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Glasglobus und Stethoskop, eingebettet in grünes Laub, als Symbol für Umweltgesundheit und ökologisch-medizinisches Bewusstsein

© AspctStyle / Generiert mit KI / stock.adobe.com

Klimawandel und Gesundheitswesen

Klimaschutz und Gesundheit: Herausforderungen und Lösungen

Kooperation | In Kooperation mit: Frankfurter Forum
Ein MRT verbraucht viel Energie, auch die Datenspeicherung ist energieintensiv.

© Marijan Murat / dpa / picture alliance

Klimawandel und Gesundheitswesen

Forderungen nach Verhaltensänderungen und Verhältnisprävention

Kooperation | In Kooperation mit: Frankfurter Forum
Ein Dialogforum von Fachleuten aus Gesellschaft, Gesundheitspolitik und Wissenschaft

© Frankfurter Forum für gesellschafts- und gesundheitspolitische Grundsatzfragen e. V.

Das Frankfurter Forum stellt sich vor

Ein Dialogforum von Fachleuten aus Gesellschaft, Gesundheitspolitik und Wissenschaft

Kooperation | In Kooperation mit: Frankfurter Forum
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Daten zur lipidologischen Versorgung von Patientinnen und Patienten mit hohem kardiovaskulärem Risiko aus der VESALIUS-REAL-Studie

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [7]

Kardiovaskuläre Prävention

Frühe Risikoidentifikation und konsequentes Lipidmanagement

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Amgen GmbH, München
Abb. 1: FIB-4 1,3: numerische 26%ige Risikoreduktion der 3-Punkt-MACE durch Semaglutid 2,4mg

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [17]

Kardiovaskuläre, renale und hepatische Komorbiditäten

Therapie der Adipositas – mehr als Gewichtsabnahme

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novo Nordisk Pharma GmbH, Mainz
SCD-PROTECT-Studie-- Frühe Phase nach Diagnose einer Herzinsuffizienz – deutlich höheres Risiko für den plötzlichen Herztod als in der chronischen Phase.

© Zoll CMS

SCD-Schutz in früher HF-Phase

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: ZOLL CMS GmbH, Köln
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Wundheilung

Ulcus cruris venosum: Was für die Kompressionstherapie wichtig ist

Lesetipps
Ein kleiner Piks muss sein - doch die Schmerzbelastung lässt sich reduzieren! Wichtig ist es die Familie mit einzubeziehen.

© APHP-COCHIN-VOISIN / PHANIE / Science Photo Library

Stressfreie Blutabnahme

So lassen sich Schmerzen durch Nadelstiche bei kleinen Kindern mindern

Ein Arzt klebt einem älteren Herrn ein Pflaster auf den Arm, wo der Mann geimpft wurde.

© anon / stock.adobe.com

Datenanalyse

Demenzschutz durch Zosterimpfung: Studie liefert erneut Hinweise