Leben in der Pandemie

Benediktiner beenden zweijährige Corona-Isolation

Nach zwei Jahren Isolation wollen die Mönche eines katholischen Klosters in der Wüste von New Mexico nun zur Normalität zurückkehren. Den vergangenen Monaten können sie aber auch Positives abgewinnen.

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Washington. Mit Beginn der Corona-Pandemie verschanzten sich knapp zwei Dutzend Benediktiner des „Monastery of Christ“, einem der abgelegensten katholischen Klöster der Welt, in ihrer Abtei in der Wüste von New Mexico.

„Bitte betreten Sie unser Gelände nicht“, schrieben sie auf ein Schild. Sie empfingen keine Besucher und wer Vorräte in der Stadt besorgte, musste anschließend in Quarantäne. Das zahlte sich aus: Die Ordensgemeinschaft blieb ohne Infektionsfall – anders als die Brüder auf dem griechischen Klosterberg Athos, von denen neun erkrankten.

Vor Corona 30.000 Gäste jährlich

Trotzdem „können wir auf Dauer nicht ohne Gäste existieren“, so Bruder Chrysostomus; das wäre aus seiner Sicht ein Verstoß gegen das vom heiligen Benedikt von Nursia vor 1.500 Jahren festgelegte Selbstverständnis der Gemeinschaft.

Das Kloster in New Mexico selbst gibt es erst seit 50 Jahren. Es ist von dem 150-Seelen-Dorf Abiquiu nur über eine 13 Meilen lange Schotterpiste zu erreichen. Das abgelegene Fleckchen bietet Natur pur; Weißkopfadler, Schwarzbären, Kojoten und Pumas sind hier im „Santa Fe National Forest“ zuhause. Zum Kloster pilgerten vor Corona jährlich rund 30.000 Gäste und blieben als Tagesbesucher oder über Nacht. 85 US-Dollar erbitten die Mönche von ihren Gästen; Paare zahlen das Doppelte. Nach den Terroranschlägen des 11. September 2001 erlebten die Benediktiner geradezu einen Ansturm.

In der Pandemie widmeten sich die Mönche neuen Projekten: Sie erwarben Schafe, Ziegen und Hühner und einen Esel, der Raubtiere vertreiben soll. Sie kauften ein Gewächshaus und Bienenstöcke. Damit sind die Benediktiner weniger auf Einkaufsfahrten in die Stadt angewiesen.

Offen für Neues

Schon immer hatten sie als Wüstenbewohner Fantasie für Neues. Ob mit ihrem selbst gebrauten „Monks Ale“, einem Bier, das sie bis vor kurzem verkauften, oder ihrer Hauptrolle in der Reality-Show „The Monastery“ - immer schon zeigten sie sich flexibel, offen und interessiert an neuen Wegen. Auch in einem Metier, das sich nur wenige hinter Klostermauern vorstellen können.

In der Pandemie entdeckten die Benediktinerbrüder außerdem ihr Händchen fürs Digitale. Vor allem „The Desert Monk“ alias Bruder David entwickelte sich zum Spezialisten für Soziale Medien. Sogar der Vatikan ließ sich bei der Gestaltung einer Website von den IT-Mönchen beraten. Der digitale Erfolg drohte allerdings die geistlichen Pflichten zu verdrängen.

Entschleunigung bewahren

Trotzdem kann Bruder Chrysostomus der Pandemie heute etwas Positives abgewinnen. „Ich glaube, dass es eine ausgezeichnete Zeit für uns war“, fasst er die zwei einsamen Corona-Jahre zusammen. „Wir haben uns entschleunigt.“ Dieser Geist soll bewahrt werden, auch wenn die Normalität zurückkehrt. Ende Februar wollen die Mönche ihre Türen wieder für Übernachtungsgäste öffnen. (KNA)

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