Gesellschaft

"Damit die Mama wieder lachen kann"

Das Deutsche Müttergenesungswerk wird in diesem Jahr 60 Jahre alt. 1950 von Elly Heuss-Knapp, der Frau des damaligen Bundespräsidenten Theodor Heuss, gegründet, hilft die Organisation erschöpften Müttern bis heute.

Von Pete Smith Veröffentlicht: 09.05.2010, 05:00 Uhr

FRANKFURT/MAIN. Die Gründung des Deutschen Müttergenesungswerks, so notierte Elly Heuss-Knapp in ihrem Vermächtnis, sei die "Krönung" ihres Lebens gewesen. 70-jährig und schwer herzkrank, beteiligte sich die Gattin des Bundespräsidenten Theodor Heuss vor 60 Jahren selbst an der ersten Sammelaktion ihrer Stiftung. Mit dem Geld, das dabei im Mai 1950 zusammen kam, konnte die Lehrerin und Werbetexterin umsetzen, was sie zu ihrem Lebensziel erkoren hatte: kranke und erschöpfte Mütter physisch und psychisch zu stärken.

Mit dem Namen Elly Heuss-Knapp verbindet sich eine einzigartige Erfolgsgeschichte. Schon als junge Frau engagierte sich die 1881 geborene Lehrerin in Vorträgen und Artikeln für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen von Frauen. Im November 1918 entwirft sie Plakate, die Frauen zur Wahlbeteiligung aufrufen, und kandidiert selbst für den Reichstag. Zwischen 1933 und 1945 erhält ihr Mann Berufsverbot, so dass sie allein die Familie mit Werbetexten und -filmen ernähren muss. 1946 wird Elly Heuss-Knapp Landtagsabgeordnete in Baden-Württemberg, legt ihr Mandat aber nieder, als Theodor Heuss 1949 zum ersten Präsidenten der Bundesrepublik Deutschland gewählt wird.

"Damit die Mama wieder lachen kann"

Sport für Mütter: Die Angebote des Müttergenesungswerks sollten erschöpften Frauen helfen, wieder zu Kräften zu kommen. © Deutsches Müttergenesungswerk

© Deutsches Müttergenesungswerk

Heuss-Knapp bringt die Verbände an einen Tisch

Im selben Jahr besucht die von einer schweren Krankheit gezeichnete First Lady ein Mütterkurhaus des Bayerischen Mütterdienstes in Stein bei Nürnberg. Von der Not der Frauen und der erfolgreichen Arbeit des Mütterdienstes ist sie so beeindruckt, dass sie sich entschließt, all ihre verbleibende Kraft darauf zu verwenden, die bayrische Initiative auf ganz Deutschland auszuweiten. Ihre herausragende Stellung hilft ihr dabei, die evangelischen und katholischen Frauenverbände sowie die Frauengruppen des Deutschen Roten Kreuzes, der Arbeiterwohlfahrt und des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes an einen Tisch zu bringen. Gemeinsam gründen alle Beteiligten eine Stiftung, das Deutsche Müttergenesungswerk (MGW), dessen erste Vorsitzende Elly Heuss-Knapp wird. Das Stiftungskapital beträgt gerade einmal 20 000 Mark. Die Bundespräsidentengattin bürgt mit ihrem Namen, um bei einer Bank 60 000 Mark für eine Werbekampagne zu leihen. Im Mai 1950 ist es dann soweit: Rund um den Muttertag sammeln etliche Helfer bundesweit Geld für die Stärkung erschöpfter oder kranker Mütter. Am Ende fließen 2,5 Millionen Mark in die neue Stiftung und bilden den Grundstock für die künftige Arbeit.

In 60 Jahren Müttergenesungswerk sind etwa vier Millionen Mütter und Kinder in den Genuss einer Kur und somit zu mehr Gesundheit und Lebensfreude gelangt. 1400 Beratungsstellen der Wohlfahrtsverbände informieren Mütter über die Möglichkeiten einer Kur, die in sieben vom MGW anerkannten Mütter- und 77 Mutter-Kind-Einrichtungen angeboten wird.

Aktuell, so das Ergebnis einer Studie des Bundesfamilienministeriums, sind gut zwei Millionen Mütter in Deutschland kurbedürftig, doch nur etwa fünf Prozent von ihnen nutzen die Vorsorge- oder Rehamaßnahmen für Mütter und Mutter-Kind. Zudem lehnen die gesetzlichen Krankenkassen entsprechende Anträge immer häufiger ab, kritisiert das Müttergenesungswerk. 2009 sei die Ablehnungsquote um vier Prozent auf 31 Prozent der Anträge gestiegen. Hierin sieht das Müttergenesungswerk eine wichtige Herausforderung für die Zukunft.

Pflege von Angehörigen macht Frauen oft krank

"Damit die Mama wieder lachen kann"

Gestern und Heute: Spendensammeln für Frauen. © Deutsches Müttergenesungswerk

© Deutsches Müttergenesungswerk

Eine andere ist die Erweiterung des Mutterbegriffs auf seine Fürsorgetätigkeit, "so dass auch die vielen Frauen, die pflegebedürftige Angehörige betreuen und dabei selbst krank werden, von unseren frauenspezifischen Maßnahmen profitieren können", wie Marlene Rupprecht, Kuratoriumsvorsitzende des MGW, betont. "Die Zukunft des Müttergenesungswerks fängt morgen an!"

In diesem Monat haben sich unter anderen die Bundespräsidentengattin Eva Luise Köhler, Schirmherrin des MGW, sowie ihre Vorgängerin Christina Rau an der großen Sammelaktion fürs Muttergenesungswerk beteiligt. "Damit Mama wieder lacht", lautet das Motto der diesjährigen Kampagne. "Die Welt eines Kindes ist fröhlicher, wenn die Mutter gesund ist", erklärt Eva Luise Köhler. "Mit der Gesundheit der Mütter wird die ganze Familie gestärkt."

www.muettergenesungswerk.de

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