Schönheitsideale

Eine Puppe für fast alle: Barbie wird 60

Barbie mit Kopftuch. Barbie mit Afro. Barbie im Rollstuhl. Hersteller Mattel bemüht sich um moderne Puppen, gibt alte Schönheitsideale aber nicht ganz aus der Hand. Zum 60. Geburtstag scheint klar: Vollständig wird die Kollektion wohl nie sein.

Von Johannes Schmitt-Tegge Veröffentlicht:
Barbie kennt seit 60 Jahren viele Rollen und Berufe – hier als Zahnärztin.

Barbie kennt seit 60 Jahren viele Rollen und Berufe – hier als Zahnärztin.

© Klaus Rüschhoff, Springer Medizin

LOS ANGELES. Von ihrem Image als westliche Blondine mit ausschließlich langen Beinen, Wespentaille und prallem Busen hat sich die wohl berühmteste Puppe der Welt, die am 9. März ihren 60. Geburtstag feiert, verabschiedet. Beendet ist die Debatte darüber, wie Barbie auszusehen und welche Rollenmuster sie Mädchen und Jungs weltweit zu vermitteln hat, noch lange nicht.

Mit neuen Barbie-Designs bemüht sich Spielzeughersteller Mattel, die bisher zu wenig vertretenen Frauentypen, Körperformen und Kleidungsstile besser zu berücksichtigen. Nicht selten werden die gut gemeinten Ankündigungen von der Kritik begleitet, dass ein Modell zu spät auf den Markt komme oder sich noch zu sehr nach veralteten Schönheitsidealen richte.

Der unmögliche Versuch, alle Menschentypen dieser Welt als Spielzeuge nachzubauen, ist ein ständiges Ringen um die Frage, wie realistisch eine Puppe eigentlich auszusehen hat.

Barbie im Rollstuhl und als Ärztin

So war es zuletzt Anfang Februar, als Mattel eine Barbie im Rollstuhl sowie eine Puppe mit abnehmbarer Bein-Prothese ankündigte – 60 Jahre zu spät, wie das Magazin „Forbes“ urteilte. 1997 gab es vorübergehend zwar Barbies Freundin Becky mit rosafarbenem Rollstuhl, allein in den ersten zwei Wochen wurden in den USA Berichten zufolge 6000 Stück verkauft.

Aber der Rollstuhl passte nicht durch die Eingangstür im Barbie-Puppenhaus und auch nicht in den Aufzug. Irgendwann wurde die Becky-Produktion wieder gestoppt. Die Rollstuhl-Barbie war an den Hürden einer nicht-barrierefreien Barbie-Welt gescheitert.

Insgesamt hat die Puppe einen beeindruckenden Wandel hingelegt, seit die Mattel-Gründer Ruth und Elliot Handler sie 1959 auf der Spielwarenmesse in New York vorstellten. Vom Haarzopf á la Audrey Hepburn in den 1950er Jahren ging es über die sonnengebräunte „Malibu Barbie“ der 70er zur emanzipierten Barbie der 80er und 90er, die als Ärztin, Astronautin, Feuerwehrfrau oder Managerin arbeitete.

1992 kam die Barbie-Präsidentschaftskandidatin auf den Markt – es sollte noch 24 Jahre dauern, bis Hillary Clinton in den USA gegen Donald Trump antrat.

Welches Barbies noch fehlen

Mattel feilt mit den „Career Dolls“ (Karriere-Puppen) weiter am Image der Puppe, die mit vollem Namen übrigens Barbara Millicent Roberts heißt. Unter den Heldinnen ist eine Puppe der Säbelfechterin Ibtihaj Muhammad mit muslimischem Hidschab, von Filmemacherin Patty Jenkins und Flugpionierin Amelia Earhart. Auch eine Maori-Puppe mit Aussehen einer neuseeländischen Ureinwohnerin gibt es, Vorbild ist die Sport-Moderatorin und ehemalige Rugby-Spielerin Melodie Robinson.

Bei der feministischen Ikone Frida Kahlo ging der Schuss nach hinten los: Mattel hielt zu sehr an klassischen Schönheitsidealen fest. Die Kahlo-Puppe ähnelt dann auch der mexikanischen Malerin - Markenzeichen waren ihr Damenbart und ihre zusammengewachsenen Augenbrauen – nur entfernt.

Vollständig sein wird die „Barbie“-Kollektion wohl nie. Heute fehlen aus Sicht von Kritikern etwa eine Transgender-Barbie und ein schwules Paar. (dpa)

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