Studie der UKE

Reden über Sex – Sprachlosigkeiten in Sachen Geschlechtskrankheiten

Eine Minderheit der Deutschen hat mit einem Arzt schon einmal über sexuell übertragbare Krankheiten (STI) geredet, so eine große Sex-Studie. Und: die Forscher haben eine Erklärung, warum Männer mit mehr Frauen geschlafen haben wollen als umgekehrt.

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Let‘s Talk about Sex... auch mit dem Arzt? Sexuell übertragbare Krankheiten (STI) haben Salt ‘n‘ Pepa mit ihrem Lied aus dem Jar 1991 wohl nicht gemeint.

Let‘s Talk about Sex... auch mit dem Arzt? Sexuell übertragbare Krankheiten (STI) haben Salt ‘n‘ Pepa mit ihrem Lied aus dem Jar 1991 wohl nicht gemeint.

© Bits and Splits / stock.adobe.com

Hamburg. Nur eine Minderheit der Deutschen hat bisher schon einmal mit einem Arzt über sexuell übertragbare Krankheiten (sexually transmitted infections, STI) gesprochen. Das ist zumindest das Ergebnis einer groß angelegten Studie zur Gesundheit und Sexualität der Deutschen, die Forscher des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) am Mittwoch in Hamburg vorgestellt haben. Während es bei Frauen fast jede Dritte war, waren STI gerade einmal bei jedem fünfte Mann Thema eines ärztlichen Gesprächs. Allerdings: Weitere 17 Prozent (Frauen) beziehungsweise 15 Prozent (Männer) würden zumindest gerne mit einem Arzt über STI reden, haben es bisher aber nicht getan.

Weitere Erkenntnis: Singles haben weniger Sex als Menschen in fester Partnerschaft: Menschen, die nicht in einer festen Partnerschaft leben, gaben deutlich häufiger an, in den vergangenen vier Wochen keinen Sex gehabt zu haben (77 Prozent). Im Gegensatz dazu gaben nur 20 Prozent der fest Liierten an, in den vergangenen vier Wochen keinen Sex gehabt zu haben.

„Die meisten Deutschen sind in ihren partnerschaftlichen und sexuellen Beziehungen zufrieden“, sagte der Psychiater Professor Peer Briken, Direktor des Instituts für Sexualforschung des UKE. Frauen und Männer zwischen 18 und 35 Jahren haben laut der Studie etwa fünf Mal pro Monat Sex, die 36- bis 55-Jährigen etwa vier Mal im Monat. Die deutlich am häufigsten genannten heterosexuellen Praktiken sind der vaginale Geschlechtsverkehr und der Oralverkehr.

Warum geben Frauen und Männer unterschiedlich viele Sexpartner an?

Bei der Anzahl der bisherigen Sexualpartner gab es zwischen den Geschlechtern eine Differenz: Heterosexuelle Männer gaben über alle Altersgruppen hinweg durchschnittlich 9,8 Sexualpartnerinnen an; die Frauen dagegen nur 6,1 männliche Partner. Eigentlich müsste die Partneranzahl bei heterosexuellen Menschen ungefähr gleich sein, damit die Rechnung aufgeht. Die Forscher erklären den Unterschied damit, dass Männer aufgrund der sozialen Erwartungen ihre Zahl eher nach oben korrigierten, um sexuell erfahren zu wirken. Frauen würden aufgrund eines möglichen Stigmas die Zahl eher niedriger ansetzen.

Zusammen mit dem Meinungsforschungsinstitut Kantar und mit Unterstützung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) haben die Forscher zwischen Oktober 2018 und September 2019 knapp 5000 Menschen im Alter von 18 bis 75 Jahren zu sexualbezogenen Themen wie Liebe und Partnerschaft, sexuelle Lust und sexuell übertragbare Infektionen befragt. Die Studie ist nach eigenen Angaben repräsentativ. (ajo/dpa)

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