Gesellschaft

Geld aus der Klinik für klamme Arminia

KÖLN (iss). In Bielefeld sorgt eine ungewöhnliche Kooperation für Aufregung: Die Städtischen Kliniken geben dem Fußballverein Arminia Bielefeld einen Kredit über 250 000 Euro. Im Gegenzug schickt der Verein die Kicker zur Sporteingangsuntersuchung und nach einer Verletzung zur Befundung in das Krankenhaus.

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Jubel bei Arminia Bielefeld: Der Club will zurück in die Bundesliga, und die Vereinsführung startet eine ungewöhnliche Kooperation mit einer Klinik. ©dpa

Jubel bei Arminia Bielefeld: Der Club will zurück in die Bundesliga, und die Vereinsführung startet eine ungewöhnliche Kooperation mit einer Klinik. ©dpa

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Der werbewirksame Coup bringt der Klinik Zustimmung und heftige Kritik. Andere Kliniken fürchten einen Wettbewerbsvorteil des kommunalen Hauses. In Zeiten, in denen die Versicherten mit Zusatzbeiträgen konfrontiert werden, kommen solche Geschäfte bei Kommunalpolitikern und Bürgern nicht gut an.

Zudem ringt die Gewerkschaft Verdi gerade mit den kommunalen Arbeitgebern um mehr Geld für die Mitarbeiter im öffentlichen Dienst. Die Arbeitgeber verweisen auf ihre leeren Taschen. Vorgestern standen die Kliniken im Zentrum der Warnstreiks.

Dem Marburger Bund (MB) liefert der Vorstoß in der aktuellen Tarifauseinandersetzung Futter. "Wer Geld hat, um den Einkauf von Fußballprofis zu ermöglichen, soll uns bloß nicht mehr erzählen, eine gute Bezahlung ärztlicher Bereitschaftsdienste wäre zu teuer", sagt der MB-Vorsitzende Rudolf Henke. Die Vereinbarung sei ein Vertrag zu Lasten Dritter, kritisiert Henke. "Auch Fußballprofis haben das Recht der freien Arztwahl, und diese darf von einem Vereinsvorstand und einer Klinikdirektion nicht eingeschränkt werden."

Klinikgeschäftsführer Dr. Johannes Kramer weist die Kritik zurück. "Im Kooperationsvertrag ist klar geregelt, dass die freie Arztwahl nicht beeinträchtigt wird." Arbeitgeber könnten Dinge wie die Sporteingangsuntersuchung steuern. Die Fußballer könnten sich aber ohne Probleme auch woanders behandeln lassen.

Die Kooperation mit dem Fußballclub sei nichts anderes als eine - wenn auch ungewöhnliche - Marketingmaßnahme, betont Kramer. Ziel sei es, die Neuausrichtung der Unfallchirurgie und den neuen Schwerpunkt Sportmedizin bekannt zu machen. "Der Effekt wird wesentlich größer sein, als wenn ich mit demselben Aufwand zehn ganzsseitige Anzeigen schalte."

Das Haus habe in den vergangenen zwei Jahren 100 neue Stellen geschaffen, sagt Kramer. "Das geht nur, wenn wir wachsen."

Der Vertrag mit der Arminia habe das Ziel, neue Patienten für die Klinik zu gewinnen. "Das Darlehen ist eine Investition, die sich schnell amortisieren wird", ist er optimistisch.

Der Zweitligist Arminia hat ehrgeizige Ziele: Er will zurück in die Bundesliga, aus der der Verein in der vergangenen Saison abgestiegen ist.

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