CharityAward 2016: 2. Preis

Großes Herz für "vergessene Kinder"

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In Deutschland leben etwa 3,8 Millionen Kinder und Jugendliche, deren Vater oder Mutter an einer Depression, bipolaren Störung, an Schizophrenie, einer posttraumatischen Belastungsstörung oder der Borderline-Persönlichkeitsstörung leiden. Kinder psychisch kranker Eltern sind hohen Belastungen ausgesetzt, stellen ihre eigenen Bedürfnisse aber meist hintan. Früher nannte man sie die "vergessenen Kinder", inzwischen gibt es vielerorts Initiativen, die sich ihrer spezifischen Probleme annehmen. Eine davon ist die Ambulante Sozialpädagogik Charlottenburg e. V. (AMSOC), ein Berliner Verein, der betroffenen Kindern ehrenamtliche Paten vermittelt. Für sein soziales Engagement erhielt AMSOC den 2. Preis des von Springer Medizin verliehenen CharityAwards 2016.

Der Berliner Verein nahm seine Arbeit 2005 auf. Von Anfang an ging es darum, Kindern mit mindestens einem psychisch erkrankten Elternteil ehrenamtlich tätige Paten an die Seite zu stellen, die für sie über Jahre stabile und verlässliche Bezugspersonen sind. Grundsätzlich kann jeder Berliner Pate werden. Voraussetzungen sind seine Teilnahme an einem Informationsabend, eine schriftliche Bewerbung, ein persönlicher Termin zum Kennenlernen und eine mehrteilige Schulung. Jede Patenschaft wird von AMSOC-Mitarbeitern bis zur Volljährigkeit des Kindes fachlich begleitet.

Verläuft eine psychische Erkrankung chronisch, geht sie oft mit sozialer Isolation, Verwahrlosung, Klinikeinweisungen und Arbeitsplatzverlust einher. Psychisch kranke Eltern plagt zudem ein schlechtes Gewissen. In Krisenzeiten fällt es ihnen schwer, auf die Bedürfnisse ihrer Kinder einzugehen oder diese überhaupt zu erkennen. Selbst in halbwegs stabilen Phasen sind sie mit der Betreuung und Erziehung ihrer Kinder oft überfordert. Ihre Angst, dass man sie ihnen wegnehmen könnte, verschärft die Situation: Indem sie ihre Krankheit verschweigen, rauben sie sich selbst jede Chance auf eine Therapie. Ihre Kinder kümmern sich derweil um die kranken Eltern – mit der Folge, dass sie auf Dauer selbst krank werden.

Diesen Teufelskreis will AMSOC durchbrechen. Die ehrenamtlichen Helfer betreuen ihr Patenkind mindestens einmal pro Woche. An einem Wochenende pro Monat bleiben die Kinder auch über Nacht bei ihnen. Jeder Pate erklärt sich zudem bereit, die Kinder jener Eltern, die gerade eine Krise durchleben, bis zu acht Wochen bei sich aufzunehmen, um eine Fremdunterbringung der Kinder zu vermeiden.

Von der Patenschaft profitieren am Ende aber nicht nur die Schützlinge: Da deren Eltern durch die Ehrenamtlichen entlastet werden und ihre Söhne und Töchter in guter Obhut wissen, können sie selbst schneller genesen – und die Helfer können sich sicher sein, etwas Gutes zu tun. (smi)

AMSOC e. V.

Patenschaften für Kinder psychisch erkrankter Eltern – Ambulante Sozialpädagogik Charlottenburg e. V. (AMSOC)

- 2. Preis CharityAward 2016

- Kaiserdamm 21, 14057 Berlin, Telefon: 030-33772682, E-Mail: kontakt@amsoc-patenschaften.de, Weitere Informationen: www.amsoc-patenschaften.de

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