Springer Medizin Charity Award

Hilfe für Kriegs- und Terroropfer

Den ersten Preis beim Charity Award von Springer Medizin erzielte das Projekt placet. Plastische Chirurgen verschenken entstellten Opfern von Krieg und Folter Operationen und betreuen sie.

Veröffentlicht: 20.10.2019, 09:52 Uhr
Hilfe für Kriegs- und Terroropfer

Zwei glückliche Preisträger: Dr. Brigitte Fischer-Peter und Professor Frank-Werner Peter von „placet“ in Berlin mit Fabian Kaufmann, Geschäftsführer Springer Medizin, und Dr. Thomas Steffen, Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium.

© David Vogt

Ein Stück Lebensqualität zurückgeben – das ist das Motto hinter dem Verein „placet – Plastisch-chirurgisches Centrum für Terroropfer“. Vor rund 19 Jahren tat sich eine Gruppe plastischer Chirurgen, weiterer Ärzte, Juristen, Kaufleuten, Journalisten und engagierten Bürgern zusammen, um Opfern von Terror, Krieg, Landminen und Folter, die schwer entstellt und behindert sind, zu helfen.

Die Idee: Die Betroffenen sollten in Berlin mithilfe der plastisch-rekonstruktiven Chirurgie so weit wiederhergestellt werden, dass sie in der Lage sind, ein eigenständiges Leben in Würde führen zu können, sofern eine Versorgung im Heimatland nicht möglich ist.

Hilfe für Kriegs- und Terroropfer

© Marc-Steffen Unger Marc-Steffen

Seit der Gründung im Dezember 2001 konnten bislang 47 Patienten in der Hauptstadt versorgt werden, 500 Operationen hat der Verein bis dato ermöglicht. Die Patienten, meist Kinder und Heranwachsende, bekommen in Deutschland einen Paten zur Seite gestellt, der sich um die kleinen und großen Sorgen in der neuen Umgebung kümmert. Professor Frank-Werner Peter von „placet“ sagte in Berlin zu Tränen gerührt: „Uns geht es gut hier, wir haben fast alles, eine weitgehend funktionierende Gesellschaft und Demokratie, wir sind ein reiches Land. Und das haben wir alles bekommen ohne unser Zutun. Ich denke, dass wir da etwas zurückgegeben können.“ Er und seine Kollegen bekämen von den Betroffenen oft ein Danke zurück. „Das reicht uns.“


Auch ohne Versicherung zahnärztlich versorgt

Manche Menschen wollen nach dem Ruhestand noch etwas Bewegen: Zwei Zahnärzte in München gründeten das Hilfswerk Zahnmedizin Bayern. Nun haben sie den zweiten Platz beim Charity Award gewonnen.

Hilfe für Kriegs- und Terroropfer

Haben nach dem Gang in den Ruhestand im Hilfswerk Zahnmedizin weiter gemacht: die Zahnärzte Dr. Maria und Dr. Tilman Haass, Hilfswerk Zahnmedizin, auf der Bühne zusammen mit Moderatorin Yve Fehring (links) und Guido Mecklenbeck vom Sponsor Vendus.

© David Vogt

Es gibt sie: Menschen, die durch das Netz der Krankenversicherung rutschen. Allein in München wird die Zahl der Nichtversicherten auf rund 80 000 geschätzt, so das Hilfswerk Zahnmedizin Bayern e.V. (HZB). In 30 Prozent der Fälle seien Selbstständige betroffen, die ihre Versicherungsbeiträge nicht mehr finanzieren können. Das Hilfswerk bietet ihnen eine kostenfreie Notfallbehandlung, aber auch zahnmedizinische Grundversorgung.

Derzeit erstreckt sich das Netzwerk über München hinaus über 50 bayerische Orte. Schirmherrin des Projekts ist die Bayerische Landeszahnärztekammer. Neben der eigens dafür eingerichteten Praxis im Malteser-Haus im Münchener Stadtteil Berg am Laim, versorgen die ehrenamtlich für den Verein tätigen Zahnärzte Nichtversicherte auch in ihren eigenen Zahnarztpraxen.

Allein in der Praxis in München wurden seit Eröffnung im Jahr 2011 über 1500 Patienten kostenfrei behandelt. Seit 2015 leistet das HZB auch Flüchtlingen Hilfe. „Patienten, die zu uns kommen, schämen sich, weil sie darauf angewiesen sind, dass wir ihnen in der Schmerzsituation helfen. Es geht auch um ein Stück Menschenwürde“, sagte Dr. Maria Haass bei der Preisverleihung in Berlin.


Mobile Brückenpflege für kranke Kinder

Die Erika Müller Stiftung trägt in Bremen eine Initiative, die es schwerstkranken Kindern ermöglicht, früher aus der Klinik nach Hause zurückzukehren. Dafür gab‘s den 3. Preis des Charity Awards.

Hilfe für Kriegs- und Terroropfer

Svenja und Dr. Konrad Hösel von der Erika Müller Stiftung (2. und 3. v.l.), die die „Bremer Engel“ trägt, zusammen mit Yve Fehring (l.), Fabian Kaufmann (Springer Medizin) und den Sponsoren Professor Alexander Ehlers und Dr. Christian Rybak von Ehlers, Ehlers und Partner.

© David Vogt

Die Initiative „Bremer Engel“ ist eine mobile Familienhilfe für schwerkranke Kinder und ihre Angehörigen. Hinter der Initiative stehen acht speziell ausgebildete Krankenschwestern, eine Kunsttherapeutin und eine Psychologin. Ziel ist es, dass junge Patienten mit Krebserkrankung oder chronischen Leiden schneller aus der Klinik in ihr häusliches Umfeld entlassen werden können. Dazu lernen die Betroffenen die „Bremer Engel“ bereits in der Klinik kennen. Anschließend begleiten diese die Kinder und ihre Familie im häuslichen Umfeld weiter.

Dabei geht es nicht nur um medizinische Unterstützung, sondern auch die seelische Stärkung der betroffenen Kinder, ihrer Eltern und Geschwister. Zusätzlich führen sie etwa auch Gespräche mit der Kita oder Schule.

Die „Engel“ seien für die kranken Kinder wie „eine Nabelschnur nach Hause, die bei allen Problemen helfen, emotional, psychologisch und sozial“, erläuterte Svenja Hösel von der Erika Müller Stiftung, die das Projekt trägt.

Die Initiative gibt es seit 2015, derzeit sind sie an vier Kliniken tätig: dem Klinikum Bremen-Mitte, dem Klinikum Links der Weser, dem Klinikum Bremen-Nord und dem Josef-Hospital Delmenhorst. Allein in 2018 versorgten sie 127 junge Patienten. (eb)

Springer Medizin Gala 2019
Die Verleihung des Galenus-von-Pergamon-Preises und des CharityAwards 2019 im Video.
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