Gesellschaft

"Ich gehe natürlich wieder hin"

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NESSELWANG (ddp). Ein Anruf in seiner Arztpraxis sollte alles verändern. Die Sprechstundenhilfe rief ihren Chef Michael Ulrich und sagte, eine Frau sei in der Leitung, die Englisch spreche. "Das war Mutter Teresa, die mich fragte, ob ich nach Indien kommen möchte, um dort Kranke zu versorgen", berichtet der heute 57-Jährige. Das war der Anfang eines inzwischen 20-jährigen Engagements der besonderen Art.

Eigentlich habe er damals mit einem befreundeten Theologen aus Rom, dem einstigen Beichtvater von Mutter Teresa, ein paar Tage zusammen zum Wandern gehen wollen, erzählt Ulrich. Doch dann rief ihn sein Freund an und sagte die Tour ab, da Mutter Teresa ihn zu Exerzitien nach Indien gerufen hatte. Er habe ihm gesagt, er solle sich doch freuen. Wenn er von Mutter Teresa angerufen würde, dann würde er gern auf eine Bergtour verzichten, erinnert sich Ulrich.

14 Tage später erhielt er dann den entscheidenden Anruf von Mutter Teresa. Fünfzehn Mal war der Allgemeinarzt aus dem bayerischen Nesselwang seither in Indien - in Bhopal, Kalkutta und in abgelegenen Regionen im Himalaya. Er half in Leprakliniken, mobilen Operationscamps und in Slums. Seine Ehefrau Margarete war oft dabei, inzwischen auch seine Tochter Beate, die ebenfalls Ärztin ist.

Der erste Aufenthalt in Indien war zunächst schockierend. Soviel Elend hatte Ulrich zuvor nicht gesehen: "Menschen, die im wahrsten Sinne des Wortes auf den Müll geworfen werden, die ausgestoßen sind wegen ihrer Behinderung, das können wir uns hier gar nicht vorstellen." Viele bewegende Momente hat der Arzt in Indien erlebt - mit Kindern, die in seinen Armen gestorben sind, ebenso wie mit Patienten, deren Heilung er miterleben konnte. Wenn er von seinen Erfahrungen erzählt, steht Ulrich eine tiefe Zufriedenheit ins Gesicht geschrieben. "Diese Menschen strahlen eine so tiefe Dankbarkeit aus, eine Zufriedenheit, die gibt mir so viel." In seinem Arbeitszimmer zu Hause im Allgäu zeigt er dabei gerne die Bilder aus Indien und von Mutter Teresa, die er so oft getroffen hat.

Im November 2006 war Ulrich das bislang letzte Mal in Indien, in einem großen Medizincamp in Bhopal. Zusammen mit 20 Kollegen von "Karuna Prem" (sinngemäß "Mitgefühl und Liebe") und vielen Helfern wurden dabei in nur einer Woche 16 000 Patienten behandelt. Alle Mitglieder dieser Organisation sind Mediziner, die nach dem Vorbild von Mutter Teresa helfen wollen.

Nach der Rückkehr von einem solchen Einsatz ist für Ulrich die Hilfsaktion auch nicht einfach abgehakt. Im Allgäu wirbt er für die Hilfe in Indien, beschafft Spendengelder und kauft davon medizinisches Gerät. Die Ärztegruppe, mit der er in Indien zusammenarbeitet, ist zudem über die Jahre hinweg menschlich zusammengewachsen. Vor zwei Monaten wurde Ulrich etwa eingeladen, als die Tochter eines befreundeten Arztes in Indien heiratete. Daher steht für ihn fest: "Ich gehe natürlich wieder hin."

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