Gesellschaft

"Ich will an meinem Lebensende ein anderes Leben retten"

FRANKFURT/MAIN (Smi). Franz Beckenbauer, Birgit Fischer, Michael Schumacher, Rosi Mittermaier, Boris Becker, Henry Maske, Reinhold Messner, Heike Henkel - die größten deutschen Sportler aller Zeiten engagieren sich für Organspenden. Ihr Sprachrohr, der Verein "Sportler für Organspende" (VSO), wird dieser Tage zehn Jahre alt.

Veröffentlicht: 30.10.2008, 12:06 Uhr

Der 1998 in Neu-Isenburg bei Frankfurt am Main gegründete Verein setzt sich dafür ein, das Thema Organspenden in der Öffentlichkeit positiv zu besetzen. "Als Organspender bin ich selbst am Ende meines Lebens noch reich", erklärt etwa der ehemalige Ausnahmefußballer und Teamchef Franz Beckenbauer. "Ich kann einem anderen das Leben schenken." Und der ehemalige Tennisprofi Boris Becker sagt: "Ich möchte natürlich 100 Jahre alt werden. Aber wenn ich gehen muss, will ich an meinem Lebensende ein anderes Leben retten."

Generalsekretär des ehrenamtlich geführten Vereins ist Hartwig Gauder, Olympiasieger von 1980 im Gehen. Gauder selbst weiß, was es bedeutet, das eigene Leben einem fremden Organ zu verdanken. Der Erfurter Architekt lebt seit Januar 1997 mit einem Spenderherzen. Zuvor hatte er zehn Monate lang ein Kunstherz. Schon weniger als zwei Jahre nach seiner Transplantation absolvierte Gauder den New York Marathon, nicht zuletzt um Schicksalsgefährten zu beweisen, dass man auch mit einem fremden Organ Höchstleistungen vollbringen kann. Gauders Lebensmotto: "Fürchte dich nicht, langsam zu gehen. Fürchte dich nur, stehen zu bleiben."

Allein in Deutschland müssten jährlich etwa 5500 Nieren, 1000 Lebern und 1000 Herzen übertragen werden, um allen Betroffenen zu helfen. Doch obwohl vier von fünf Deutschen grundsätzlich eine positive Einstellung zur Organspende haben, zwei von drei Bürgern damit einverstanden wären, dass man ihnen nach ihrem Tod Organe entnimmt, besitzen nur zwölf Prozent einen Organspendeausweis. 11 500 Bundesbürger warten derzeit auf ein neues Organ. Aus Mangel an Spenderorganen müssen täglich drei von ihnen sterben.

Auf der Jahrestagung des VSO an diesem Wochenende in Frankfurt am Main soll der Transplantations-Mediziner Professor Heinrich Netz mit dem Helmut-Werner-Preis 2008 ausgezeichnet werden. Netz gelang 1988 in Gießen die erste Herztransplantation bei einem Kleinkind.

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