Internisten erinnern an die friedliche Revolution

Die Kulturoase ist seit langem ein fester Bestandteil des Internistenkongresses. Doch dieses Jahr gibt's dort keine Kunst. Alles ist ganz anders - und richtig spannend.

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Rückblick auf die Zeit der Wende in der DDR: Eine historische Ausstellung, die beim Internistenkongress gut ankommt.

Rückblick auf die Zeit der Wende in der DDR: Eine historische Ausstellung, die beim Internistenkongress gut ankommt.

© sbra

WIESBADEN (eb/fuh). Erstmals seit der Wiedervereinigung kümmert sich eine ostdeutsche Fakultät um die Gestaltung des Internistenkongresses.

Und genau deshalb hat sich Kongresspräsident Professor Joachim Mössner von der Universitätsklinik Leipzig ein innovatives Konzept für die Kulturoase 2012 ausgedacht.

So etwas gab es noch nie: Wo sonst künstlerische Werke zu sehen sind, erwartet die Besucher diesmal eine zeitgeschichtliche Ausstellung über die Zeit der Wende in der DDR.

Denn ohne die friedliche Revolution in Leipzig im Herbst 1989 wäre es nicht zur Wiedervereinigung gekommen.

"Mit dem Novum einer zeitgeschichtlichen Kulturausstellung auf dem Internistenkongress möchte ich meinem Respekt vor dem Mut der aufbegehrenden Leipziger Bürger im Herbst 1989 Ausdruck verleihen", begründet Mössner die Ausrichtung der Ausstellung: "Ohne diese Revolution wären wir nicht hier".

9. Oktober - Tag der Entscheidung

Die für den Internistenkongress aufbereitete Schau ist Teil einer Sonderausstellung, die im Museum in der "Runden Ecke" in Leipzig noch bis August 2012 zu sehen ist. Der Titel: "Leipzig auf dem Weg zur friedlichen Revolution."

In Kooperation mit dem Bürgerkomitee Leipzig werden in Wiesbaden Flugblätter, Plakate, Fotos und andere Originaldokumente der Oppositionsbewegung gezeigt. Die Ausstellung dokumentiert die Aktionen der Leipziger Bürgerrechtler, die in den Jahren 1989/90 offenen Widerstand gegen das SED-Regime leisteten.

"Wir konzentrieren uns bei der Präsentation in Wiesbaden vor allem auf die Ereignisse im Vorfeld und nach dem 9. Oktober in Leipzig", erläuterte Ausstellungsorganisator Sven Sachenbacher bei der Eröffnung der Schau am Samstag.

Die Montagsdemonstrationen in Leipzig markierten einen wesentlichen Schritt zum Beginn der Friedlichen Revolution in der DDR.

Der 9. Oktober 1989 ging als Tag der Entscheidung in die Geschichte ein: Damals entschied sich in Leipzig, ob die Revolution eine blutige oder eine friedliche werden würde.

Mehr als 70.000 friedliche Demonstranten zwangen die bereitstehenden bewaffneten Sicherheitskräfte zum Rückzug. Die Botschaft dieses Tages, die danach um die ganze Welt ging: "Wir sind das Volk!"

Verpflichtung zur Gewaltlosigkeit

Anhand von Flugblättern, Plakaten, Fotos und einer Vielzahl weiterer Originaldokumente zeichnen die Macher der Schau die vielfältigen Aktivitäten der Regimegegner nach.

Der Fokus der ausgestellten Exponate thematisiert die unmittelbare Vorgeschichte der Wende, die Phase des Aufbaus demokratischer, föderaler und rechtsstaatlicher Strukturen und den Weg hin zur Deutschen Einheit.

Wie die Kunstoase der vergangenen Jahre stellt die Ausstellung "Die Friedliche Revolution in Leipzig" einen Kontrast zum rein wissenschaftlichen Kongressprogramm dar.

Die Ausstellung in Halle 8 der Rhein-Main Hallen in Wiesbaden lädt Teilnehmern während der Gesamtdauer des Internistenkongresses zum Besuch ein.

Sie bietet die Chance zur Rückbesinnung jenseits vom Messetrubel. Die allermeisten Kongressbesucher können sich erinnern, wie und wo sie selbst die Zeit der Wende erlebt haben.

Das ist lange her. Der DGIM-Kongress in Wiesbaden ist längst eine wissenschaftliche Veranstaltung für Ärzte aus Ost und West- und das ist gut so, auch dank der Ereignisse im Oktober 1989 in Leipzig.

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