Neue Vox-Serie

Junge Krebspatienten als Hauptdarsteller

Der TV-Sender Vox hat erstmals eine eigene Fiction-Serie produziert. Sie spielt im Krankenhaus - soweit nichts Neues. Doch die Helden sind diesmal keine Ärzte, sondern schwer kranke Jugendliche. Kann das gutgehen?

Von Christoph Driessen Veröffentlicht:
Setting der Vox Fernsehserie „Club der roten Bänder“ ist eine Krebsstation.

Setting der Vox Fernsehserie „Club der roten Bänder“ ist eine Krebsstation.

© Henning Kaiser / dpa

MONHEIM. Tim Oliver Schultz (27) zieht seit einiger Zeit mitleidige Blicke auf sich, denn sein Kopf ist komplett kahl rasiert. "Ich hab da wirklich merkwürdige Erfahrungen gemacht", erzählt der Berliner Schauspieler ("Vampirschwestern 2", "Cobra 11").

Deshalb hat er mittlerweile auf seiner Facebook-Seite gepostet, dass er für eine neue Serie als krebskranker Jugendlicher vor der Kamera steht.

"Und dann hat jemand drunter geschrieben: "Achso, und ich dachte schon, du bist krank. Ich hab dich am Kölner Hauptbahnhof gesehen." Und ich hab mich auch erinnert, dass ich da ein Mädchen gesehen hab, das mich voll mitleidig angeguckt hat."

Kraft geben und witzig sein

Die neue Fernsehserie "Club der roten Bänder" will andere Empfindungen als Mitleid vermitteln: "Es ist eine Kraft gebende, mitreißende Serie, die Spaß macht, die witzig ist und ein positives Gefühl hinterlässt", beteuert Schultz, der die Hauptrolle des beinamputierten, 17 Jahre alten Leo spielt.

Der Langzeit-Patient schließt sich im Krankenhaus mit fünf anderen schwer kranken Jugendlichen zu einer Bande zusammen, dem "Club der roten Bänder" — so benannt nach den Krankenhaus-Bändchen.

Die zehnteilige Serie startet am kommenden Montag um 20.15 bei Vox. Es ist die erste eigenfinanzierte Fiction-Serie des Senders, der zur Mediengruppe RTL gehört.

Über das Budget wird nicht gesprochen, doch man hat schon so einiges investiert: In einem Bürohaus in einer stillen Wohnstraße in Monheim bei Köln wurde eine komplette Krankenhausetage nachgebaut.

Die Geschichte geht auf einen Bestseller des spanischen Autors Albert Espinosa zurück, der selbst vom 14. bis zum 24. Lebensjahr ständig wegen einer Krebserkrankung im Krankenhaus war.

Mittlerweile haben 18 Länder den Stoff zu einer TV-Serie verarbeitet. In Spanien sollen danach die Besucherzahlen auf den Krebsstationen der Krankenhäuser um 40 Prozent nach oben geschnellt sein.

"Es ist keine Serie, die einen runterzieht", versichert Vox-Geschäftsführer Bernd Reichart, der selbst in Spanien als Geschäftsführer in der RTL-Gruppe tätig war.

"Das Setting mag unbehaglich sein, aber man muss nur ein paar Ausschnitte gesehen haben, um zu verstehen: Dahinter steht eine wunderbare Geschichte über Hoffnung, Optimismus und Freundschaft." Anders als bei "Dr. House" oder "Grey's Anatomy" erzählen hier nicht diejenigen, die im Krankenhaus arbeiten, sondern die, die dort leben.

Beste und schlimmste Zeit

Tim Oliver Schultz hat vor Beginn der Dreharbeiten einen ehemaligen jugendlichen Krebspatienten getroffen. "Er hat mir alle möglichen Horror-Geschichten erzählt, von Gleichaltrigen, die gestorben sind und so. Er hat aber auch gesagt, dass es mit die schönste Zeit in seinem ganzen Leben war."

Was er damit gemeint hat, ist dem Schauspieler erst völlig klar geworden, als er mit ihm zusammen noch einmal die Station besucht hat.

"Wir haben Ärzte, Schwestern, Pfleger getroffen, und die Begegnungen waren unglaublich herzlich. Mich hat das tief beeindruckt."

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