Buchtipp

Nobelitis – eine ganz besondere Krankheit

Auch wenn die Prävalenz der Nobelitis bei rund 850 Nobelpreisträgern seit 1901 gering ist und die Beschreibung des Syndroms kaum wissenschaftlichen Standards genügt: Ein Buch geht dem Phänomen nach.

Veröffentlicht: 18.09.2019, 06:04 Uhr
Nobelitis – eine ganz besondere Krankheit

Eine Nobelpreismedaillie: Ein Gewinn kann die Nobelitis auslösen, so ein Buch.

© Berit Roald / dpa

„Am Ende des Wegs, unter einer Tanne, sah ich etwas leuchten“, erzählt Kary Mullis, Chemie-Nobelpreisträger von 1993, in seinem Buch „Dancing Naked in the Mind Field“ (1998). „Ich richtete meine Taschenlampe darauf (…), es schien ein Waschbär zu sein.“ Jener habe ihn gegrüßt: „Guten Abend, Doktor.“

Am nächsten Morgen, so Mullis, sei er im Freien aufgewacht und habe sich an nichts erinnert. Erst sehr viel später erinnert ihn das Cover eines Buchs an diese Begegnung, wodurch Mullis schlagartig klar wird: Der Waschbär war gar kein Waschbär, sondern ein Alien, der ihn, den Erfinder der Polymerase-Kettenreaktion (PCR), vorübergehend entführte…

Es ist die titelgebende Pathologie in Monika Niehaus‘ Fallbeschreibungen „Der Nobelpreisträger, der im Wald einen höflichen Waschbär traf“, ein Titel, der nicht zufällig an die Bücher des berühmten britischen Neurologen Oliver Sacks („Der Mann, der seine Frau mit einem Hut verwechselte“) erinnert.

Über das Buch


Niehaus vereint darin 30 seltene und ungewöhnliche psychische Syndrome wie eben jenes, das Kary Mullis befiel und das mitunter als Nobel Disease oder Nobelitis beschrieben wurde.

Auch Linus Pauling, Chemienobelpreisträger von 1954 und Friedensnobelpreisträger von 1962, der hoch dosiertes Vitamin C als Allheilmittel gegen Krebs empfahl, war davon laut Niehaus betroffen. Oder Brian D. Josephson, Physiknobelpreisträger von 1973, der an Parapsychologie, Telepathie und Wassergedächtnis glaubte, ebenso übrigens wie der berühmte HIV-Forscher Luc Montagnier, Medizinnobelpreisträger von 2008.

Geringe Prävalenz

Auch wenn die Prävalenz der Nobelitis bei rund 850 Nobelpreisträgern seit 1901 gering ist und die Beschreibung des Syndroms kaum wissenschaftlichen Standards genügt, sind die Fallbeschreibungen doch kurzweilig, was auch für andere der 30 von Monika Niehaus skizzierten Syndrome gilt– etwa dem Alien-Abduction-Syndrom, das den vor allem in den USA verbreiteten Glauben beschreibt, von Aliens entführt worden zu sein, oder das Berserker-Syndrom, das angeblich vor allem jüngere weiße Männer befällt, die plötzlich in Rage geraten.

Die Schwäche des Buchs: Es suggeriert Wissenschaftlichkeit, löst dieses Versprechen aber nicht durchgehend ein. Für Leser, die es damit nicht so genau nehmen, ist das Buch durchaus unterhaltsam. (Smi)

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