Hintergrund

Ohne Narkose schnitt Mengele die Niere aus dem Leib

65 Jahre verweigert Jitzchak Ganon jeden Kontakt zu Ärzten. Der Grund: Schreckliche Erlebnisse im KZ Auschwitz.

Von Pete Smith Veröffentlicht: 12.01.2010, 05:00 Uhr

Ein alter Mann bricht zusammen. Seine Familie ruft den Arzt, aber er wehrt sich gegen jede medizinische Hilfe. Im Krankenhaus verliert er das Bewusstsein. Herzinfarkt, Notoperation. Er überlebt. Und offenbart zum ersten Mal, warum er sich seit 65 Jahren jedem Arzt verweigert.

Jitzchak Ganon ist heute 85 Jahre alt. Er lebt in Petach Tikwa, einer knapp 200 000 Einwohner zählenden Stadt östlich von Tel Aviv. Als er vor einem Monat ins Scharon-Krankenhaus eingeliefert wurde, hatten die Ärzte wenig Hoffnung. "Wir dachten, er würde die Op nicht überleben", erzählte Dr. Eli Lev, "vor allem weil er nur eine Niere hat."

Doch Ganon überlebt. Als er aufwacht, bricht er sein Schweigen. Er berichtet den Ärzten von seinem Schicksal, dann einem Reporter der israelischen Tageszeitung "Maariw" und schließlich dem "Spiegel"-Korrespondenten Christoph Schult, die seine Geschichte in die Welt tragen.

Transport nach Auschwitz dauerte zwei Wochen

Ganon stammt aus der nordgriechischen Kleinstadt Arta. Am 25. März 1944, seine Familie hatte gerade die Kerzen angezündet, um den Sabbat zu begehen, dringen ein SS-Mann und ein griechischer Polizist ins Haus ein und fordern sie auf, sich "für einen Ausflug fein zu machen", wie sich der 85-Jährige erinnert.

Zwei Wochen dauert der Transport nach Auschwitz. Ganons Vater stirbt noch während der Fahrt, seine Mutter und seine fünf Geschwister werden gleich nach der Ankunft vergast. Jitzchak Ganon bringt man ins Krankenhaus von Auschwitz-Birkenau, wo Dr. Dr. Josef Mengele, der "schöne Satan", der "Teufel von Auschwitz", regiert.

Der junge Jitzchak wird auf einen Tisch gebunden. Ohne Narkose schneidet ihm Mengele die Niere aus dem Leib. "Ich sah die Niere in seinen Händen pulsieren und weinte wie ein Verrückter. Ich schrie das ‚Höre Israel‘. Ich betete, dass ich sterben möge, um nicht länger zu leiden." Mengele näht ihn wieder zu und schickt ihn ohne Analgetikum zur Arbeit. Unter ungeheuren Schmerzen muss Ganon Dienst im Krankenhaus verrichten, unter anderem Mengeles blutige Operationsbestecke reinigen. Einmal muss er eine ganze Nacht in einem Becken mit eiskaltem Wasser verbringen, weil der KZ-Arzt seine Lungenfunktion prüfen will.

Ein Zufall rettete Ganon das Leben

Schließlich hat Mengele keine Verwendung mehr für den jungen Juden und schickt ihn ins Gas. Ein Zufall rettet Ganon das Leben: Die Gaskammer fasst nur 200 Menschen, er aber zieht die Nummer 201.

Nach der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau am 27. Januar 1945 kehrt Jitzchak Ganon nach Griechenland zurück. 1949 wandert er nach Israel aus. Dort heiratet er. Seiner Familie verschweigt er seinen heiligen Schwur. Wann immer er krank wird, sagte er, dass es nur die Müdigkeit sei.

Grausame Verbrechen in Auschwitz

Das von den Nationalsozialisten ab 1940 aufgebaute Konzentrationslager Auschwitz diente in erster Linie der Ermordung europäischer Juden.

Ältere, Kranke und Kinder wurden nach ihrer Ankunft meist sofort in die Vernichtungsanlagen von Auschwitz-Birkenau geführt. Einer der Hauptverantwortlichen war der für seine besondere Grausamkeit berüchtigte Lagerarzt Josef Mengele. Um etwa die inneren Organe von Zwillingen zu vergleichen, tötete Mengele die Kinder zur selben Zeit, indem er ihnen Chloroform ins Herz injizierte.

Mengele flüchtete nach dem Ende der NS-Zeit nach Südamerika. Er wurde nie gefasst. Vermutlich ist er im Jahre 1979 in Brasilien gestorben. Sein Grab wurde 1985 entdeckt, sein Tod ist nach einem DNS-Test zweifelsfrei erwiesen. (eb)

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Kommentare
Dr. Nabil Deeb

Traumatisierungen brechen selbst nach längerer Zeit noch auf !






Nabil DEEB
Arzt – Physician – Doctor
PMI-Registered Doctors''Association
53140 Bonn / GERMANY



Wie es häufig vorkommt bei Traumatisierungen, brechen diese unter Umständen selbst nach längerer Zeit noch auf, ausgelöst etwa durch das älter Werden oder durch Situationen, die an damals erinnern.

Migration weltweit und die seelischen Auswirkungen von Flucht und Vertreibung !


Migration weltweit :-

Migration ist ein globales Phänomen. Es gibt kein Land, das nicht grenzüberschreitende Zu- und Abwanderungen (internationale Migration) oder Wanderungsbewegungen im Landesinneren (Binnenmigration) verzeichnen würde.

Eine wichtige Triebkraft der Wanderungsbewegungen ist die Globalisierung mit ihrer weltweiten Integration der Märkte. Allerdings wirkt die Globalisierung nicht unbeschränkt.
• Zum einen bemühen sich alle Staaten um eine Steuerung der Zuwanderung, manche auch um eine Begrenzung der Abwanderung. Die Intensität der Steuerung ist zwar unterschiedlich, und manche Staaten sind für Zuwanderung offener als andere. Grundsätzlich aber gilt: Jeder Staat steuert, und kein Land verfolgt eine Politik der offenen Grenzen.

• Zum anderen wandern Menschen nicht nur aus wirtschaftlichen Gründen: Flüchtlinge machen einen erheblichen Teil der weltweiten Wanderungen aus. Sie verlassen ihre Heimat nicht in erster Linie, um bessere wirtschaftliche Lebensbedingungen für sich und die Familie zu finden, sondern weil sie Schutz vor Unterdrückung und Verfolgung suchen.

Insgesamt steigt die Zahl der internationalen Migranten und Flüchtlinge weitaus langsamer an, als angesichts der fortschreitenden Integration der Märkte, der Zunahme der weltweiten Ungleichheit und der unzureichenden Sicherheit in vielen Staaten zu erwarten wäre. Gleichwohl nehmen die Wanderungsbewegungen insgesamt zu, und in vielen Staaten wächst die Einsicht, dass die damit verbundenen Chancen und Herausforderungen nur durch eine intensivere internationale Zusammenarbeit bewältigt werden können.



Deutsche Flüchtlinge in Dänemark :-

Mitte Mai 1945 ergab eine Zählung der dänischen Behörden: Etwa 238.000 deutsche Flüchtlinge lebten zu diesem Zeitpunkt in rund 1.1000 Lagern und Einquartierungen auf dänischem Boden, der seit April 1940 von den deutschen Truppen besetzt gewesen war. Etwa die Hälfte der Flüchtlinge waren Frauen, ein Drittel Kinder und Jugendlich und der Rest meist Männer über 70 Jahre.

Ende als Anfang: Flucht und Vertreibung :-

Der Zweite Weltkrieg löst eine beispiellose Völkerwanderung in Europa aus. Millionen von Menschen sind auf der Flucht oder suchen eine neue Heimat.

Vor der heranrückenden Roten Armee flüchten in den letzten Kriegswochen hunderttausende Deutsche nach Westen. Die rücksichtslose nationalsozialistische Durchhaltepolitik führt dazu, dass die Flucht hinausgeschoben wird und nun häufig inmitten von Kampfhandlungen des letzten Kriegswinters erfolgt.


Nach Kriegsende beginnt die brutale Vertreibung der Deutschen aus Ost-, Mittel- und Südosteuropa. Ab 1946 folgen in Ausführung der Potsdamer Beschlüsse die großen "regulären" Vertriebenentransporte.


Ein kleiner Handwagen, ein Rucksack, ein Holzkoffer mit wenigen Habseligkeiten sind häufig der ganze Besitz der Flüchtlinge und Vertriebenen. Hunger, Kälte und Krankheiten begleiten ihre wochen- und monatelange Flucht.

Hunderttausende verlieren dabei ihr Leben. Viele Familien werden auseinandergerissen und sind auf der Suche nach ihren Angehörigen.
Immer mehr Menschen strömen in das Gebiet der vier Besatzungszonen. Bei der ersten auf Anordnung des Alliierten Kontrollrats durchgeführten Volkszählung im Oktober 1946 werden 9,6 Millionen Flüchtlinge gezählt.

Allein in Schleswig Holstein steigt die Bevölkerung mit 860.000 Vertriebenen um 33 %. Die Flüchtlinge werden in Lager und Notquartiere eingewiesen oder bei Privatfamilien untergebracht. Nicht selten gibt es Schwierigkeiten im Zusammen


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