"Sicherheitshirn" wacht über die Fußball-WM

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Der elektronische Countdown bis zum Fußball-WM-Finale in Berlin leuchtet in roten Ziffern in dem schlichten, schmalen Raum im Bundesinnenministerium. "Bis auf die Sekunde genau läuft die Zeit bis zum Anpfiff des Endspiels", sagt der Chef des Nationalen Informations- und Kooperationszentrums, Reiner Piper.

Wie die Räder eines Uhrwerks greift auch die Arbeit seiner rund 120 Mitarbeiter präzise ineinander. In dem "Sicherheitshirn" zur Fußball-Weltmeisterschaft laufen Informationen über anreisende Hooligans, Gefahren, politisch motivierte Kriminalität, die Situation im Luftraum oder die Lage an den Grenzen zusammen und werden rund um die Uhr bewertet. So einen Sicherheits-Informationsverbund gab es noch nie.

Daraus wird jeden Tag - um sieben und um 16 Uhr - ein "Nationales Lagebild FIFA WM 2006" erstellt, berichtet der 52jährige Piper, für den die WM die größte und spannendste Herausforderung ist. Nicht nur Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) und andere Minister könnten sich über die Lage informieren und für eigene Entscheidungen nutzen, auch Kanzlerin Angela Merkel (CDU) lese darin. Vor dem Schreibtisch des Polizeidirektors von der Bundespolizei hat es sich WM-Maskottchen Goleo in Lebensgröße in einem Fußballsessel bequem gemacht.

Die Bundesregierung hat gegenüber dem Weltfußball-Verband FIFA Sicherheitsgarantien für die WM abgegeben, und die müssen eingehalten werden, sagt Piper, der das Projekt noch unter der Ägide von Innenminister Otto Schily (SPD) mit aus der Taufe gehoben hat. Daß bislang alles so überraschend entspannt und friedlich gelaufen ist und kritische Situationen ausblieben, freut die Mitstreiter.

In dem zentralen Büro mit langen Computertischen sowie riesigen Videowänden und TV- Schirmen an der Wand sitzen einträchtig Vertreter von Ministerien, Behörden, Institutionen und Organisationen - wie die Bundesministerien für Gesundheit und Verteidigung, Bundeskriminalamt, Europol, Interpol, Eurojust, Technisches Hilfswerk, die Zentrale Informationsstelle Sporteinsätze, welche die bundesweite Datei von Fußball-Gewalttätern führt, Bundesnachrichtendienst und Innenministerium zusammen - insgesamt sind es 22 Partner.

Anne Becker, die für das Robert-Koch-Institut im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums während der WM hier arbeitet, kommt geradezu ins Schwärmen: "Der Informationsfluß ist so beschleunigt, daß es keine Lücken gibt, alle sind auf dem gleichen Stand." Sonst bräuchten Behörden ja länger, sich auszutauschen, dadurch könnte sich Hilfe verzögern. "Für den Krisenfall ist das hier sehr, sehr gut organisiert."

Bislang habe es "ein halbes Dutzend" Verletzungen des Luftraumes während der WM gegeben, ist zu hören. Gemeinsam habe man die Lage zügig beurteilt. Die Fälle seien aber harmlos gewesen. (dpa)

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