Steigende Infektionszahlen

Spahn will Corona-Einschränkungen priorisieren

Schule und Kita ja, Party und Schützenfest nein: Angesichts steigender Corona-Infektionszahlen regt Gesundheitsminister Spahn an, Einschränkungen anzustufen. Sein Ziel: Schulen und Wirtschaft nicht erneut in den Lockdown zu schicken.

Veröffentlicht: 18.08.2020, 14:07 Uhr
COVID-19 im Keim ersticken: Bevor die Zahlen wieder durch die Decke gehen, spricht sich der Bundesgesundheitsminister dafür aus, Lockerungen unterschiedlich schnell anzugehen.

COVID-19 im Keim ersticken: Bevor die Zahlen wieder durch die Decke gehen, spricht sich der Bundesgesundheitsminister dafür aus, Lockerungen unterschiedlich schnell anzugehen.

© Gajus/stock.adobe.com

Berlin. Wegen der steigenden Zahl an Corona-Neuinfektionen schließt die Bundesregierung weitere Lockerungen vorerst aus. Mit rund 1000 Neuinfektionen am Tag könne das Gesundheitssystem umgehen, sagte Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU). „Besorgniserregend wäre, wenn es weiter steigt.“

Das Robert Koch-Institut (RKI) hatte zuletzt nahezu täglich mehr als 1000 Neuinfektionen binnen 24 Stunden gemeldet. Um die Infektionszahlen zu stabilisieren, sei „abzustufen nach dem, was zuerst wichtig ist“, sagte Spahn. „Sehr, sehr wichtig“ sei es, dass Kitas und Schulen in den Regelbetrieb zurückkehrten und diesen aufrechterhielten. Priorität habe zudem, Wirtschaft und Handel am Laufen zu halten, sagte Spahn. Nur so lasse sich die wirtschaftliche Erholung nach dem Corona-Lockdown absichern. Auch das Gesundheitswesen funktioniere nur, wenn die wirtschaftlichen Grundlagen stimmten.

Auf Feierlichkeiten verzichten

Daneben gebe es aber auch Dinge, auf die könne verzichtet werden, so der Minister. Dazu zählten Feierlichkeiten wie Hochzeiten oder Schützenfest. „Deshalb müssen wir miteinander abschichten, was hat jetzt Priorität und wo können wir uns mit weiteren Lockerungen Zeit lassen.“ Spahn wies daraufhin, dass sich zuletzt immer mehr jüngere Menschen mit dem Virus infiziert hätten. Das habe auch etwas „mit Veranstaltungs-, Party- und Miteinanderverhalten zu tun“.

Spahn kündigte an, der Bund wolle noch einmal mit den Ländern reden, welche Form von Veranstaltung stattfinden könne. Er verstehe jeden, der seine Hochzeit mit 150 Gästen feiern wolle. „Ich will nicht der Spielverderber sein.“ Er habe aber von vielen Wirten gehört, dass sich bei Feiern, wo Alkohol im Spiel sei, selbst kleinere Gruppen nicht mehr an Abstands- und Hygieneregeln hielten. In solchen Situationen habe es das Virus leicht, sich zu verbreiten. „Wenn wir gesellig werden, was wir als normal empfinden.“ Unter Pandemiebedingungen gehe das aber nur im engeren Familien- und Freundeskreis.

In den Bundesländern gelten unterschiedliche Veranstaltungsregeln. Teilweise sind wieder Innenevents mit weit über 100 Gästen gestattet.

Bund und Länder im Austausch

Regierungssprecher Steffen Seibert wollte Berichte, wonach die Ministerpräsidenten der Länder und Kanzlerin Angela Merkel (CDU) schon nächste Woche zu Gesprächen zusammenkommen wollen, nicht bestätigen. Bund und Länder stünden ständig im Austausch über Verfahren und Maßnahmen in der Pandemie. Es gebe weitere Runden. Einen konkreten Termin nannte Seibert aber nicht.

Unterdessen rief der Marburger Bund (MB) die Länder auf, einheitliche Regeln für Feste und Partys festzulegen. Wichtig seien etwa Obergrenzen für Gäste und Konzepte zum Lüften, sagte MB-Chefin Dr. Susanne Johna den Zeitungen der „Funke Mediengruppe“. Je größer die Zahl der Feiernden in geschlossenen Räumen sei, desto wahrscheinlicher sei ein Mensch dabei, der andere anstecke.

Auch Städte und Gemeinden warnten vor Nachlässigkeit. Steigende Infektionszahlen seien eine „Warnung, dass die Pandemie noch lange nicht vorbei ist“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes, Dr. Gerd Landsberg. Mit Sorge blickten viele Kommunen auf den Herbst und Winter, wenn das Virus bessere Bedingungen zur Verbreitung habe. Vieles was jetzt im Freien stattfinden könne, werde dann nach innen verlagert. Daher brauche es zusätzliche, an die Situation vor Ort angepasste Strategien. (hom)

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