Studie

Tonkonserve manipuliert Gefühle

Studie der Uni Mainz: Lacher, aber auch hinzugefügte Angstschreie bei Filmen verändern unbewusst Wahrnehmung und Beurteilung der eigenen Gefühle.

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MAINZ. Nicht jeder Zuschauer kann dem Gelächter, das bei Kinofilmen oder TV-Serien zu vermeintlich oder auch wirklich witzigen Szenen eingespielt wird, etwas abgewinnen. Tatsächlich ist der Einsatz der Lachkonserven auch seit den 1990er-Jahren, als kaum eine Serie ohne auskam, etwas zurückgegangen. Dass die Lachspur wirkt und einen weit größeren Einfluss hat, als angenommen, zeigt eine Studie der Uni Mainz. Demnach führt Gelächter unabhängig davon, ob es von echtem Publikum kommt oder von der Tonspur, dazu, dass Filme als lustiger bewertet werden.

Lachen steckt an

Angstschreie lassen einen Film vor allem dann furchteinflößender wirken, wenn sie echt sind. "Sozialer Druck kann unsere Wahrnehmung massiv beeinflussen. Das gilt vor allem für Situationen, die nicht ganz eindeutig sind. Hier sind wir sehr sensibel bezüglich der emotionalen Reaktion anderer", sagt Dr. Andreas Baranowski vom Psychologischen Institut der Uni Mainz.

Lachen ist ansteckend, das war schon im alten Griechenland bekannt. Dort wie auch in Rom gab es die Praxis, bei der Aufführung von Komödien ein paar Zuhörer dafür zu bezahlen, dass sie an bestimmten Stellen lachen und damit das nichtsahnende Publikum ebenfalls zum Lachen bringen.

Baranowski hat in einer Studie untersucht, inwieweit sich das Publikum von künstlichem und echtem Gelächter beeinflussen lässt, aber auch von hinzugefügten Schreien bei eher angsteinflößenden Filmen. Von besonderem Interesse war außerdem, wie sehr die Meinung der anderen unsere Wahrnehmung eines Films verändert.

Für die Studie wurden Filme ausgewählt, die den Zeitgeist reflektieren, also etwa den Humor der Gegenwart treffen. Dazu zählten lustige Szenen aus "Die Wutprobe" von 2003 und "…und dann kam Polly" von 2004. Bei den eher furchterregenden Szenen fiel die Auswahl unter anderem auf "Der Ring" von 2002 und "Der Exorzismus von Emily Rose" von 2005. An der Untersuchung nahmen insgesamt 110 Probanden im Alter von durchschnittlich 23 bis 24 Jahren teil.

Vermeintlich echtes Gelächter

Filme, so ein Ergebnis der Studie, werden generell als lustiger bewertet, wenn sie mit Lachern versehen sind. Besonders Filmmaterial, das zunächst nicht als lustig eingestuft wurde, wird dann als komisch erachtet. Besonders deutlich ist dieser Effekt, wenn die vermeintlich echten Lacher aus dem Publikum kommen, aber auch Lacher von der Tonspur wirken in diesem Sinne.

Bei Schreien fiel das Ergebnis differenzierter aus: Künstliche Schreie von der Tonspur funktionieren offenbar nicht besonders gut, dagegen werden echte Schreie aus dem Publikum so erlebt, dass die Probanden die Filme als beängstigender empfanden. "Schreie funktionieren nur, wenn sie ein echter Ausdruck von Angst sind", erklärt Baranowski dazu. Humor ist beeinflussbar – dies zeigte auch ein weiterer Versuchsteil, bei dem Schauspieler eingesetzt wurden, um explizit ihre vermeintliche Meinung zu dem gesehenen Filmmaterial zu äußern. Die Probanden, in Unkenntnis der eigentlichen Funktion ihrer Vorredner, schlossen sich häufig deren Einschätzung an – waren aber völlig davon überzeugt, sie hätten sich nicht beeinflussen lassen. "Der soziale Druck produzierte absolut bemerkenswerte Veränderungen bei der emotionalen Bewertung des Films durch die Probanden – sowohl bei den Komödien als auch bei angsteinflößenden Filmen", kommentiert Baranowski den Ausgang des Tests.

In der Psychologie sei bekannt, dass wir uns von den Emotionen anderer anstecken lassen. "Unser Gehirn hat eine Art neuronalen Humorkreislauf, der aktiviert wird", so Baranowski mit dem Hinweis, dass Lachen ein Zeichen von Bindung zu anderen Menschen darstellt. Das gilt deutlich weniger für Angst, ein Zeichen von Warnung, weshalb die Angstreaktion auch spezifischer ausfällt und der Angstkreislauf durch andere Reize angestoßen wird. "Wir haben sehr große Effekte gefunden, das heißt, der soziale Druck vor allem durch explizite Meinungsäußerungen kann die Wahrnehmung und Beurteilung unserer Gefühle stark beeinflussen", so Baranowski" (eb)

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