UNICEF warnt vor Anstieg der Cholera-Fälle in Simbabwe

HARARE/JOHANNESBURG (dpa/eis). Das UN-Kinderhilfswerk UNICEF stellt sich in den nächsten Wochen auf einen sprunghaften Anstieg der Cholera-Erkrankungen in dem afrikanischen Krisenstaat Simbabwe ein. Die Zahl der Cholera-Fälle könne möglicherweise auf 60 000 hochschnellen.

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Anstehen in der Hauptstadt Harare nach sauberem Wasser.

Anstehen in der Hauptstadt Harare nach sauberem Wasser.

© Foto: dpa

Das hat der UNICEF-Chef in der simbabwischen Hauptstadt Harare, Roeland Monasch, der BBC gesagt. Diese Prognose läge viermal höher als die Zahl, von der man bislang ausgehe, berichtete der britische Sender.

Sollte sich die Epidemie drastisch verschlimmern, müsse mit weiteren 2700 Todesopfern gerechnet werden, sagte Monasch. Bislang sind nach offiziellen Angaben knapp 600 Menschen in Simbabwe an der durch verschmutztes Wasser übertragenen Krankheit gestorben. Hilfsorganisationen gehen jedoch davon aus, dass die tatsächliche Todeszahl vermutlich höher liegt. Ärzte ohne Grenzen, die Welthungerhilfe oder Oxfam haben Spendenaufrufe veröffentlicht, um dem Land bei der Bekämpfung der verheerenden Cholera-Epidemie zu helfen. Die Hilfsorganisation Oxfam spricht von bis zu einer Million Menschen, die durch die Krankheit gefährdet seien.

In Simbabwe, das politisch wie wirtschaftlich in der schlimmsten Krise seiner Geschichte steckt, ist das öffentliche Gesundheitssystem so gut wie zusammengebrochen. "Unsere zentralen Krankenhäuser funktionieren buchstäblich nicht. Die Angestellten sind demotiviert und wir brauchen ihre Unterstützung, damit sie wieder zur Arbeit kommen", habe der Gesundheitsminister des Landes, Herr Parirenyatwa, zu ausländischen Hilfsdiensten gesagt, meldet die "New York Times". Erst in der vergangenen Woche sei eine Demonstration von etwa 100 Ärzten und Schwestern in der Hauptstadt Harare für bessere Entlohnung und Arbeitsbedingungen von der Polizei gewaltsam aufgelöst worden. "Wir sind gezwungen ohne die einfachsten Mittel zu arbeiten, wie Medikamente, sauberes Wasser und Hygiene, sichere Kleidung und medizinische Ausrüstung", zitierte das Blatt aus einem Protest-Brief der "Zimbabwes Doctors' Association".

Die Bedingungen in den Kliniken seien schon vor der Cholera-Epidemie katastrophal gewesen. Selbst einfachste Medikamente gebe es nicht mehr, und es fehle an so grundlegenden Dingen wie Faden zum Nähen in der Chirurgie und Nadeln für Injektionen.

Auch die Wasserversorgung funktioniert nicht. Die kommunalen Behörden sind damit überfordert, sauberes Wasser zur Verfügung zu stellen und die Müll-Entsorgung zu organisieren.

Im Zentrum der Krise steht der Kampf des seit 28 Jahren regierenden Präsidenten Robert Mugabe um den Erhalt seiner Macht. Chronischer Mangel in dem Land geht einher mit einem Zusammenbruch des öffentlichen Dienstes, Hyperinflation, Massenarmut, Hunger und einer zerfallenden Infrastruktur. Die Regierung hatte vergangene Woche nach einer monatelangen Verharmlosung der Cholera-Krise den nationalen Notstand ausgerufen.

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