"Wer kommt schon über die Sandsackwälle geklettert?"

HITZACKER (cben). Das Elbe-Hochwasser in Niedersachsen hat gestern seinen Höhepunkt erreicht. In Hitzacker stand das Wasser 7,63 Meter hoch. Auch die drei Hausärzte in dem überschwemmten Städtchen an der Elbe schlagen sich mit den Folgen der Flut herum.

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Christoph Schmieta, seit 1978 in Hitzacker, hat seine Siebensachen gepackt und ist mit Liege, Behelfslabor, ein paar Computern und seiner Patientenkartei kurzerhand in die Volksbank des Ortes umgezogen - in seiner Praxis schwappen derweil 30 Zentimeter Elbwasser.

"Weil die Hochwasserwarnung zu spät kam, haben wir es nicht mehr geschafft, die Möbel hochzustellen", sagte Schmieta. Hausarzt Jörg Schwarzkopf hat noch trockene Füße, dank der Flutmauer, die er nach der Jahrhundertflut 2002 um die Praxis gezogen hat. Telefon, Fax und Strom funktionieren noch. Aber er hat kaum mehr Patienten, die zu ihm in die Praxis finden.

Obwohl das DRK manche Patienten schon per Schlauchboot zum Arzt bringt, fragt Schwarzkopf: "Wer kommt schon über die Sandsackwälle geklettert?" Also hat er fast komplett auf Hausbesuche umgestellt. "Ich behandle zur Zeit viele Patienten mit Augeninfektionen und vor allem verspannten und schmerzenden Rücken", so Schwarzkopf.

Nur Holger Zerbin hat Glück, denn seine Praxis liegt im ersten Stock. "Aber im Erdgeschoß ist eine Apotheke", sagt Zerbin, "und die wird heiß verteidigt." Besondere Diagnosen im Zusammenhang mit der Überschwemmung hat er bei seinen Patienten nicht festgestellt. "Allerdings sind die Leute mit ihren Nerven fertig", sagt Zerbin.

Zum zweiten Mal nach der Elbeflut von 2002 steht die Altstadt Hitzackers unter Wasser. Heizung, Strom und Wasser sind ausgefallen. Am Freitag wurde Katastrophenalarm ausgerufen. Schmieta: "Die meisten Alten wurden evakuiert, die jungen hocken auf ihren Bündeln, und alle warten, daß es trocken wird. Aber dann kommt erst der Jammer."

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