UND SO SEH' ICH ES

Wie macht man, bitte, ein 60- oder 70-Prozent-Kind?

Veröffentlicht: 28.04.2006, 08:00 Uhr

Statistik kann alles. Es ist kaum zu glauben, aber sowohl Regierung als auch die Öffentlichkeit haben doch noch ein anderes Thema gefunden als die Fußball-Weltmeisterschaft! Das Thema, das uns jetzt am meisten zu interessieren scheint, ist die Sorge um den Zuwachs. Nicht die ums wirtschaftliche Wachstum, sondern die Sorge um den biologischen Zuwachs, sprich: Kindermangel.

Alle, Familienministerin von der Leyen an der Spitze, zerbrechen sich den Kopf darüber, wie man Deutsche animiert, daß sie mehr Kinder bekommen. Sonst, so fürchtet man, sterben wir aus, und die, die übrig bleiben, werden alt und älter, und keiner wird sich um sie kümmern, denn die jüngere Generation wird ausgesprochen schwach sein. Numerisch und wirtschaftlich.

    Die Revolution der Evolution wird von Statistikern eingeleitet.
   

Die Sache ist aber nicht so einfach, und hier kommt die Statistik ins Spiel. Schon den wissenschaftlichen Bericht zur Familien- und Kinderfreundlichkeit des Landes überhaupt zu verstehen, bereitet einem Schwierigkeiten. Unser Glaube an die Wissenschaft ist zwar unerschütterlich, aber wie soll man es sich vorstellen, daß sich in Westdeutschland sowohl Frauen als auch Männer 1,7 Kinder wünschen, in Ostdeutschland dagegen nur 1,6 Kinder? Das eine Zehntel Unterschied scheint verkraftbar, aber wie macht man, bitte, ein 60- oder 70-Prozent-Kind?

In welcher Klinik wurden solche Nachkommen schon geboren, sind sie überhaupt lebensfähig? Natürlich, hier ist die Rede vom Durchschnitt. Aber Kinder zeugt man nicht in Durchschnitt und Prozenten. Frau von der Leyen ist zwar sowohl Ärztin als auch Fachministerin mit Erfahrung in dieser Sache, denn sie hat selbst sieben Kinder zur Welt gebracht. Aber hat sie solche Sechstel- oder Siebtel-Geschöpfe schon einmal gesehen?

Wenn ja, kann man sich den technischen Ablauf einer solchen Zeugung patentieren lassen, und wo? Das wäre doch eine Revolution der Evolution! Der Nobelpreis für Medizin wäre uns gesichert, und unser Ruhm fände keine Grenzen!

Doch wenn man liest, daß die Verfasser des Berichts zur Familien- und Kinderfreundlichkeit des Landes davon überzeugt sind, daß "junge Männer 1,5 Kinder für ideal halten", dann beginnen gewisse Zweifel - nicht nur an den sprachlichen Fähigkeiten der Statistiker - zu keimen.

Daß Wissenschaftler es schaffen, Kinder in Zehntelprozent zu erfassen, das hätten wir ja noch geglaubt. Aber daß junge Männer Ideale haben sollen, die sie "mit anderthalb Kindern" formulieren, überschreitet unser Fassungsvermögen. Statistik kann zwar alles. Aber hier scheinen selbst die Statistiker ein bißchen zu übertreiben, meint

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