UND SO SEH' ICH ES

Wie macht man, bitte, ein 60- oder 70-Prozent-Kind?

Veröffentlicht:

Statistik kann alles. Es ist kaum zu glauben, aber sowohl Regierung als auch die Öffentlichkeit haben doch noch ein anderes Thema gefunden als die Fußball-Weltmeisterschaft! Das Thema, das uns jetzt am meisten zu interessieren scheint, ist die Sorge um den Zuwachs. Nicht die ums wirtschaftliche Wachstum, sondern die Sorge um den biologischen Zuwachs, sprich: Kindermangel.

Alle, Familienministerin von der Leyen an der Spitze, zerbrechen sich den Kopf darüber, wie man Deutsche animiert, daß sie mehr Kinder bekommen. Sonst, so fürchtet man, sterben wir aus, und die, die übrig bleiben, werden alt und älter, und keiner wird sich um sie kümmern, denn die jüngere Generation wird ausgesprochen schwach sein. Numerisch und wirtschaftlich.

    Die Revolution der Evolution wird von Statistikern eingeleitet.
   

Die Sache ist aber nicht so einfach, und hier kommt die Statistik ins Spiel. Schon den wissenschaftlichen Bericht zur Familien- und Kinderfreundlichkeit des Landes überhaupt zu verstehen, bereitet einem Schwierigkeiten. Unser Glaube an die Wissenschaft ist zwar unerschütterlich, aber wie soll man es sich vorstellen, daß sich in Westdeutschland sowohl Frauen als auch Männer 1,7 Kinder wünschen, in Ostdeutschland dagegen nur 1,6 Kinder? Das eine Zehntel Unterschied scheint verkraftbar, aber wie macht man, bitte, ein 60- oder 70-Prozent-Kind?

In welcher Klinik wurden solche Nachkommen schon geboren, sind sie überhaupt lebensfähig? Natürlich, hier ist die Rede vom Durchschnitt. Aber Kinder zeugt man nicht in Durchschnitt und Prozenten. Frau von der Leyen ist zwar sowohl Ärztin als auch Fachministerin mit Erfahrung in dieser Sache, denn sie hat selbst sieben Kinder zur Welt gebracht. Aber hat sie solche Sechstel- oder Siebtel-Geschöpfe schon einmal gesehen?

Wenn ja, kann man sich den technischen Ablauf einer solchen Zeugung patentieren lassen, und wo? Das wäre doch eine Revolution der Evolution! Der Nobelpreis für Medizin wäre uns gesichert, und unser Ruhm fände keine Grenzen!

Doch wenn man liest, daß die Verfasser des Berichts zur Familien- und Kinderfreundlichkeit des Landes davon überzeugt sind, daß "junge Männer 1,5 Kinder für ideal halten", dann beginnen gewisse Zweifel - nicht nur an den sprachlichen Fähigkeiten der Statistiker - zu keimen.

Daß Wissenschaftler es schaffen, Kinder in Zehntelprozent zu erfassen, das hätten wir ja noch geglaubt. Aber daß junge Männer Ideale haben sollen, die sie "mit anderthalb Kindern" formulieren, überschreitet unser Fassungsvermögen. Statistik kann zwar alles. Aber hier scheinen selbst die Statistiker ein bißchen zu übertreiben, meint

Schlagworte:
Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Glasglobus und Stethoskop, eingebettet in grünes Laub, als Symbol für Umweltgesundheit und ökologisch-medizinisches Bewusstsein

© AspctStyle / Generiert mit KI / stock.adobe.com

Klimawandel und Gesundheitswesen

Klimaschutz und Gesundheit: Herausforderungen und Lösungen

Kooperation | In Kooperation mit: Frankfurter Forum
Ein MRT verbraucht viel Energie, auch die Datenspeicherung ist energieintensiv.

© Marijan Murat / dpa / picture alliance

Klimawandel und Gesundheitswesen

Forderungen nach Verhaltensänderungen und Verhältnisprävention

Kooperation | In Kooperation mit: Frankfurter Forum
Ein Dialogforum von Fachleuten aus Gesellschaft, Gesundheitspolitik und Wissenschaft

© Frankfurter Forum für gesellschafts- und gesundheitspolitische Grundsatzfragen e. V.

Das Frankfurter Forum stellt sich vor

Ein Dialogforum von Fachleuten aus Gesellschaft, Gesundheitspolitik und Wissenschaft

Kooperation | In Kooperation mit: Frankfurter Forum
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Detailansicht eines Windrades: Bringt eine ökologisch nachhaltige Geldanlage auch gute Rendite? Anleger sollten auf jeden Fall genau hinschauen.

© Himmelssturm / stock.adobe.com

Verantwortungsbewusstes Investment

„Nachhaltig – das heißt nicht, weniger Rendite bei der Geldanlage!“

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: der Deutschen Apotheker- und Ärztebank (apoBank)
Protest vor dem Bundestag: Die Aktionsgruppe „NichtGenesen“ positionierte im Juli auf dem Gelände vor dem Reichstagsgebäude Rollstühle und machte darauf aufmerksam, dass es in Deutschland über drei Millionen Menschen gebe, dievon einem Post-COVID-Syndrom oder Post-Vac betroffen sind.

© picture alliance / Panama Pictures | Christoph Hardt

Symposium in Berlin

Post-COVID: Das Rätsel für Ärzte und Forscher

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: vfa und Paul-Martini-Stiftung
Krisenkommunikation war Schwachpunkt in der Pandemie

© HL

Herbstsymposium der Paul-Martini-Stiftung

Krisenkommunikation war Schwachpunkt in der Pandemie

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: vfa und Paul-Martini-Stiftung
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Lesetipps
Ein Arzt in einem weißen Arztkittel spricht mit einem männlichen Patienten über die Ergebnisse der medizinischen Untersuchung und gibt anhand dieser eine Behandlungsempfehlung ab.

© Pcess609 / stock.adobe.com

Kommunikationsfehler vermeiden

Tipps: So sollten Sie mit Patienten über Risiken und Zahlen sprechen

Weltkugel mit Viren

© ImageFlow / stock.adobe.com

Review und Leitlinie

Ambulante antivirale COVID-19-Therapie: Was US-Wissenschaftler empfehlen

Das hochintensive Intervalltraining (HIIT) enthält kurze, aber maximale Belastungsphasen mit anschließender kurzer Erholungspause.

© shevtsovy / stock.adobe.com

Prävention kardiometabolischer Risiken

Wie hochintensives Intervalltraining Herz und Lungen stärkt