Vereinsleben
Zwischen Klinik und Schachbrett: Peter Krauseneck und seine Liebe zum Spiel der Könige
Seit 1993 findet alljährlich die Schachmeisterschaft der Ärzte statt. Ausrichter ist der Verein „MedChess“, dessen langjähriger 1. Vorsitzender, der Facharzt für Neurologie und Psychiatrie Peter Krauseneck, wiederholt selbst als Sieger vom Platz ging.
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Richtig was los: Bei der Schachmeisterschaft der Ärzte im Bad Homburger Kursaal.
© Dr. Jan Wähner / www.pikkuplane
„Schach ist die beste Medizin“, lautet das Motto des Vereins MedChess. Ob die schachbegeisterten Mitglieder des Vereins, allesamt Ärzte, ihren Patientinnen und Patienten schon einmal das königliche Spiel als Therapie ans Herz gelegt haben, ist zwar nicht bekannt. Aber ihr Motto ist keineswegs nur ein prägnanter Slogan – immerhin gilt der Denksport als Fitnessstudio fürs Gehirn: Jede Partie verlangt Fokus, Geduld und strategisches Vorausdenken.
„Es ist ein Kampf mit Ernst und großer Leidenschaft“, sagt Prof. Peter Krauseneck. Der 81 Jahre alte Facharzt für Neurologie und Psychiatrie, als niedergelassener Psychiater im MVZ Neuronetz in Bamberg tätig, zählt zu den Urgesteinen der schachspielenden Ärzte in Deutschland. Er nimmt seit der ersten Stunde an den Deutschen Schachmeisterschaften der Ärzte teil, die als Pflichttermin für schachbegeisterte Medizinerinnen und Mediziner gelten.
Krauseneck ging als Deutscher Meister im Schnellschach 1984 und 2018 aus dem Turnier, als Meister im Blitzschach 2022. Er ist Gründungsmitglied von MedChess und war bis April 2026 dessen Erster Vorsitzender. Nach wie vor ist er als Psychiater tätig. Seit dem Ende seiner Zeit als Chefarzt der Neurologie am Klinikum Bamberg 2009 ist er halbtags angestellt im MVZ Neuronetz. „Und das mache ich, solange es mir Spaß macht“, sagt er.
Meisterschaft geht ins 35. Jahr

© Privat
Krauseneck, 1944 in Dresden geboren, hat das Schachspielen bereits als Kind von seinem Vater gelernt. Die Familie verließ nach Ende des Zweiten Weltkriegs die russische Besatzungszone, Krauseneck wuchs in Baden-Württemberg auf. Mit 15 trat er in einen Schachclub ein und war 1962 und 1963 badischer Jugendmeister. Viele Jahre spielte er in der Bundesliga. „Irgendwann fehlte aber als Chefarzt und während der Habilitation die Zeit, mich so intensiv dem Schach zu widmen“, sagt der siebenfache Vater.
Schon seit vielen Jahren gehört Krauseneck zum Organisationsteam der Schachmeisterschaft für Ärzte, die 1993 erstmals stattfand. Als sich der ursprüngliche Träger des traditionsreichen Turniers nach mehr als 25 Jahren überraschend zurückzog, gründete Krauseneck mit weiteren Mitstreitern 2019 den Verein MedChess. Seitdem fungiert dieser als Träger des Wettbewerbs. In diesem Jahr fand die Meisterschaft zum 34. Mal statt, seit einigen Jahren hat sie ihre Heimat im Kursaal von Bad Homburg vor der Höhe.
„Erfreulicherweise hat sich in all den Jahren, von der Trägerschaft abgesehen, recht wenig verändert“, erzählt der Neurologe. Zwei Tage lang sitzen sich die Teilnehmer und Teilnehmerinnen in neun Schnellschachpartien konzentriert gegenüber. Ein Blitzschachturnier findet ebenfalls statt. Außerdem wird am ersten Abend simultan gegen einen Großmeister oder eine Großmeisterin gespielt. In diesem Jahr traten die Teilnehmer gegen den Großmeister Dr. Helmut Pfleger an.
Der Internist und Psychotherapeut ist vielen Schachspielern durch seine anspruchsvollen Schachrätsel in der Wochenzeitung „Die Zeit“ bekannt. „Er ist Schirmherr und Seele unseres Turniers und war einer der Initiatoren der Ärztemeisterschaft, die damals ihre Premiere in Baden-Baden hatte“, berichtet Professor Krauseneck. Großmeister Pfleger, 82 Jahre alt, ist noch immer in Topform: In diesem Jahr spielte er bis in die Nacht simultan gegen 19 Gegner, 16 Partien hat er gewonnen, 3 unentschieden ohne Verlust gespielt.
Eine Konstante sei auch das Team rund um Turnierleitung und Organisation, auf das sich Krauseneck seit Jahren verlassen könne: Schiedsrichter Jürgen Dammann vom Badischen Schachverband, Dr. Alexander Krauth von Springer Medizin und Reinhold Faißt als Turnierleitung, sowie Monika und Manfred Mädler vom gleichnamigen Schachhaus.
Frauen deutlich unterrepräsentiert
Was sich verändert hat, ist die Zahl der Teilnehmer. „Nach Corona und einem Jahr Pause kam der Einbruch. Zuvor hatten wir 130 bis 140 Spieler, aktuell sind es rund hundert. Da ist noch Luft nach oben“, sagt Krauseneck. Damit es mehr werden, wurde der Kreis der Teilnahmeberechtigten vor zwei Jahren erweitert. Nun können sich auch Medizinstudierende und Zahnärzte zum Turnier anmelden. Ganz besonders freuen würde sich Krauseneck über mehr Frauen im Feld. „Leider haben wir nur etwa fünf Prozent Teilnehmerinnen“, bedauert er.
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Bei der Meisterschaft spielen laut Krauseneck „exzellente Schachspieler auf gutem Amateur-Niveau“. Willkommen seien alle Spieler, gleich welcher Spielstärke. Man kennt sich seit Jahren, Freundschaften sind entstanden. „Das Schöne am Turnier ist das kollegiale und freundschaftliche Miteinander, es ist in all den Jahren eine unverändert besondere Atmosphäre geblieben“, sagt Krauseneck.
In besonderer Erinnerung bleibt ihm die Geschichte eines Kollegen, einst einer der besten Spieler des Turniers. „Nach einem schweren Unfall mit erheblichen Kopfverletzungen hat er sich wieder zurückgekämpft und nimmt nun wieder an der Meisterschaft teil“, freut sich Krauseneck.
Generationswechsel im Vereinsvorsitz
Der Sieger des Turniers erhält neben einem Preisgeld einen Pokal – passend in Form der Spielfigur König, die von einer Äskulapnatter umschlungen wird. Entworfen hat sie der passionierte Schachspieler, Künstler und Berliner Gastroenterologe Dr. Jan Wähner. Er ist Peter Krauseneck als Vorsitzender von MedChess gefolgt.
Die Planungen für das 35. Turnier im kommenden Jahr laufen bereits. Es wird voraussichtlich vom 9. bis 4. April erneut in der Kurstadt Bad Homburg stattfinden. Auch wenn Peter Krauseneck nun den Vereinsvorsitz von MedChess an jüngere Hände abgegeben hat, will er doch weiterhin der Organisation der Meisterschaft treu bleiben.
2019 wurde der gemeinnützige Verein MedChess e.V. gegründet.
- Der Bamberger Neurologieprofessor Dr. Peter Krauseneck und der Bad Kissinger Augenarzt Dr. Hans-Joachim Hofstetter fungierten bis 2026 als 1. und 2. Vorsitzendender.
- Seit 2026 hat der Berliner Gastroenterologe Dr. Jan Wähner den Vorsitz inne.
- Erklärtes Ziel des Vereins ist, die Tradition der Verbindung von Schach und Medizin zu erhalten und auszubauen, um so Kultur und Gesundheit zu fördern.
- 2026 wurde Dr. Hans-Joachim Hofstetter Deutscher Ärzteschachmeister im Schnellschach, den zweiten Platz errang Dr. Enrico Marchio, Dr. Thomas Wessendorf kam auf Platz drei.
Mehr Informationen über MedChess auf der Vereinswebsite www.aerzteschach.de







