Günstig und gründlich

15 Jahre KV-Impfsurveillance

Seit 2004 nutzt das Robert Koch-Institut Abrechnungsdaten der KVen zusammen mit Arzneiverordnungsdaten und hat daraus eine Impfsurveillance aufgebaut. Damit werden Problemregionen erkennbar, aus denen KVen und Gesundheitsämter Handlungen ableiten können.

Von Helmut Laschet Veröffentlicht: 23.01.2019, 17:17 Uhr
15 Jahre KV-Impfsurveillance

Wer hat wo welche Impfungen? Die KV-Impfsurveillance gibt einen Überblick über das Impfgeschehen.

© pix4U / stock.adobe.com

BERLIN. Impfungen gehören zu den effektivsten Public-Health-Maßnahmen überhaupt, werden aber in Deutschland oft nur unzureichend und regional sehr unterschiedlich in Anspruch genommen.

Besonders problematisch sind die Impflücken bei Influenza in der Gruppe der über 60-Jährigen und die Immunisierung gegen Masern bei den nach 1970 geborenen Erwachsenen.

Die vom Robert Koch-Institut seit 2004 aufgebaute KV-Impfsurveillance ermöglicht inzwischen eine Analyse mit hoher Präzision. Bei einem gemeinsamen Symposion haben nun das RKI und das Zentralinstitut für die Kassenärztliche Versorgung (Zi) am Mittwoch in Berlin eine Bilanz gezogen.

Die KV-Impfsurveillance basiert auf den Abrechnungsdaten aller Vertragsärzte sowie den Arzneiverordnungsdaten der GKV.

Sie gibt insofern ein zutreffendes Bild vom Impfgeschehen der GKV-Versicherten wieder, sofern sie nicht in die hausarztzentrierte Versorgung eingeschrieben sind. Nicht erfasst sind privat Versicherte, deren Impfverhalten sich nach Daten der PKV jedoch nicht wesentlich von gesetzlich Versicherten unterscheiden.

Nach Angaben von RKI-Präsident Professor Lothar Wieler werden mit diesem Instrument folgende Informationen geliefert:

» Entwicklung und räumliche Verteilung von Impfquoten, auch nach Alter differenziert,

» Aussagen zur Wirksamkeit von Impfungen, die Dauer der Wirksamkeit und die Effekte auf den Herdenschutz,

» Erfassung von Nebenwirkungen, Komplikationen und somit zur Sicherheit von Impfungen,

» Aussagen über das Kosten-Nutzen-Verhältnis von Impfungen, für die jährlich in Deutschland rund 1,5 Milliarden Euro aufgewendet werden.

Regional austarierte Aufklärungsprogramme

Genutzt werden können diese differenzierten Informationen auch für regional austarierte Aufklärungsprogramme– auf wissenschaftlicher Basis mit hoher Evidenz.

Sie sind ferner eine Erkenntnisquelle für internationale Organisationen wie WHO und Unicef, für die Ständige Impfkommission zur Weiterentwicklung ihrer Empfehlungen sowie für die Gesundheitspolitik der Länder und die regionalen Gesundheitsämter.

Im Unterschied zu einem nationalen Impfregister mit einem Kostenaufwand in zweistelliger Millionenhöhe, so betonte Wieler, arbeitet die KV-Impfsurveillance mit geringem Aufwand in sechsstelliger Höhe und nach dem Prinzip der Datensparsamkeit, weil auf vorhandene Daten aus der Versorgung zurückgegriffen wird.

Möglich ist es, mit diesem Informationssystem auf das Impfgeschehen bis hinunter auf Stadt- und Landkreis-Ebene zu blicken. Und da offenbaren sich erhebliche Differenzen, die für die gesundheitspolitischen Akteu re, die direkt vor Ort die Versorgung und auch die Prävention gestalten, Handlungsanlässe sein können. Beispiel Masern-Impfung:

» Die fünf Landkreise mit der niedrigsten ersten Masernimpfung liegen mit ihren Quoten um 20 bis 25 Prozentpunkte unter den Quoten der fünf besten Landkreise und Städte.

» Bei der zweiten Masern-Impfung liegen die Quoten der fünf besten Städte und Landkreise um 47 Prozentpunkte über denen der schlechtesten Städte und Landkreise.

» Die Regionalauswertung zeigt ferner, dass die Impfquoten in den neuen Bundesländern zwar im Durchschnitt über denen des Westens liegen, aber auch im Osten stark variieren.

Die Impfsurveillance ermöglicht auch die Beurteilung der Effektivität neu eingeführter Impfungen und die Senkung der Krankheitslast, wie Dr. Anette Siedler sagte.

Das RKI will aus den Daten ein neues Kommunikationskonzept entwickeln, zweimal pro Jahr einen Bericht erstellen und zur Visualisierung interaktive Grafiken anbieten.

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