Berufspolitik

150 Ärzte zeigen Herz für Brummi-Fahrer

BRÜSSEL (spe). Von Sonntag spätabends bis zum nächsten Wochenende auf Tour - für viele Lkw-Fahrer ist dies keine Seltenheit. Die Gesundheit bleibt dabei oft auf der Strecke. Hier soll die europaweite Initiative "Gesund auf Achse" Abhilfe schaffen. Das vom Verein Doc Stop getragene Netz umfasst bundesweit bereits über 150 ärztliche Einrichtungen.

Veröffentlicht: 23.01.2009, 05:00 Uhr

"Fernfahrer sind gesundheitlich extrem belastet", so der Facharzt für Allgemein- und Sportmedizin, Karl Schuster, aus Montabaur. Viele seien übergewichtig und litten unter dem stundenlangen Sitzen, würden aber selbst bei akuten Erkrankungen lieber weiterfahren als zum Arzt zu gehen.

Grund dafür, Beschwerden einfach zu ignorieren, sei oftmals die Angst vor Repressalien durch den Arbeitgeber, sagt Doc-Stop-Initiator. Rainer Bernickel. Der ehemalige Polizeihauptkommissar sowie der Schirmherr der Initiative, der thüringische CDU-Europaabgeordnete und Verkehrsrechtsexperte Dieter Lebrecht Koch, wollen dem mit einem flächendeckenden Netz von Praxen und Kliniken in Autobahnnähe entgegensteuern.

Als Schuster im Sommer letzten Jahres per Zufall von der Idee erfuhr, war er sofort mit dabei. Zwei Fernfahrer hätten seither den Weg in das nur wenige Autominuten von der A3 entfernt liegende Praxishaus in Montabaur gefunden, berichtet Schuster - der eine wegen einer Gastritis und der andere mit einer Ischialgie.

Sorgen um Verständigungsprobleme mit ausländischen Brummifahrern macht sich Schuster keine. Denn sein Team kann sich auf Englisch, Französisch, Griechisch, Polnisch, Russisch und Türkisch verständigen.

Mitunter reicht aber auch Pidginenglisch, berichtet Dr. Holger Marguc. Der Frauenarzt aus Münster, dessen Praxis rund drei Kilometer von der A1 entfernt liegt, ist seit gut einem dreiviertel Jahr eingetragener Doc Stop-Arzt. Denn, so seine Begründung: "Immer mehr Frauen fahren Lkw."

In dieser Funktion ist auch er bereits zweimal zum Einsatz gekommen. Seine Patientinnen kamen aus Spanien und Portugal. Typische Berufskrankheit der weiblichen Brummifahrer seien zum Beispiel Schamlippenentzündungen, hervorgerufen durch das lange Sitzen, so Marguc. Dass die Brummifahrerinnen nicht lange im Wartezimmer sitzen können, ist aus Sicht von Marguc kein Problem. "Organisatorisch lässt sich so was immer regeln", so der Frauenarzt.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Schnelle Hilfe für LKW-Fahrer rollt an

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