COVID-19

2340 US-Dollar für Remdesivir

Gilead hat angekündigt, Remdesivir gegen COVID-19 „weit unter seinem medizinischen Wert“ bepreisen zu wollen.

Veröffentlicht: 29.06.2020, 15:32 Uhr
2340 US-Dollar für Remdesivir

Hoffnung für schwere COVID-19-Fälle: Ein Behandlungszyklus mit Remdesivir soll 2340 Dollar kosten.

© felipecaparros / stock.adobe.com

Foster Citiy. In einem „offenen Brief“ hat zu Wochenbeginn der Vorstandsvorsitzende des kalifornischen Biotechunternehmens Gilead, Daniel O’Day, Überlegungen zur Preisbildung für seinen Virushemmer Remdesivir (Veklury®) mitgeteilt.

Das Mittel ist in den USA seit Anfang Mai zur Notfallbehandlung ausschließlich schwerer COVID-19-Fälle zugelassen („Emerging Use Authorization“). Erst vor wenigen Tagen hatte auch ein Fachausschuss der europäischen Arzneimittelagentur EMA eine Empfehlung zur bedingten Zulassung abgegeben.

Es gebe kein Drehbuch für die Preisfindung einer Innovation gegen eine pandemische Erkrankung, so O’Day. „Unter normalen Umständen“ bemesse sich der Preis am medizinischen Wert. In den USA lasse sich die Minderung des Klinikaufenthalts infolge einer Remdesivir-Therapie auf durchschnittlich 12.000 Dollar je Patient taxieren.

Man habe sich allerdings entschieden, „deutlich unter diesem Wert“ zu bleiben. In Industrieländern werde ein Durchstechfläschchen 390 Dollar (rund 345 Euro) kosten. Bei einem üblicherweise fünftägigen Behandlungszyklus ergäben sich demnach pro Patient Kosten von 2340 Dollar (rund 2075 Euro).

Ein Preis für – fast – alle

Mit dieser Kalkulation beabsichtige Gilead, einen möglichst zügigen Produktzugang zu gewährleisten und langwierige, zumal jeweils von Land zu Land unterschiedlich aufzusetzende Erstattungspreisverhandlungen zu vermeiden. Der Preis von 390 Dollar je Durchstechflasche werde unterschiedslos in sämtlichen entwickelten Ländern aufgerufen, heißt es.

Auch im Heimatmarkt USA sollen pro Remdesivir-Dosis 390 Dollar zu zahlen sein. Angesichts der Abschläge, die öffentliche Gesundheitsprogramme jedoch forderten, würden privaten Krankenversicherungen 520 Dollar je Einzeldosis in Rechnung gestellt. O‘Day lässt allerdings durchblicken, dass das Unternehmen in Härtefällen auch zu individuellen Hilfeleistungen bereit sei.

Zur Bedarfsdeckung in Ländern der sogenannten Dritten Welt hat Gilead nach Angaben seines CEO Vereinbarungen mit Generikaherstellern geschlossen, die Remdesivir zu „substanziell niedrigeren Kosten“ vertreiben werden.

Wie O’Day weiter ausführt, wird Gilead bis Ende dieses Jahres rund eine Milliarde Dollar in die klinische Entwicklung Remdesivirs sowie den Aufbau einer industriellen Fertigung investiert haben. (cw)

Mehr zum Thema

Ratspräsidentschaft

Spahn will weiter über europäische Nutzenbewertung verhandeln

Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Newsletter bestellen »

Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte, Medizinstudenten, MFA und weitere Personengruppen viele Vorteile.

Die Anmeldung ist mit wenigen Klicks erledigt.

Jetzt anmelden / registrieren »

Top-Meldungen
Was Homeoffice-Unfälle für die Abrechnung bedeuten

Verschenkter Praxisumsatz

Was Homeoffice-Unfälle für die Abrechnung bedeuten

Diese Website verwendet Cookies. Weitere Informationen zu Cookies und und insbesondere dazu, wie Sie deren Verwendung widersprechen können, finden Sie in unseren Datenschutzhinweisen.  Verstanden