Arzneimittelpolitik

AMNOG: Viele Fragen bleiben

100 Tage ist das AMNOG in Kraft - Lösungen für die Probleme sind noch nicht absehbar, kritisieren Pharmafirmen.

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Dr. Norbert Gerbsch, stellv. Hauptgeschäftsführer des BPI.

Dr. Norbert Gerbsch, stellv. Hauptgeschäftsführer des BPI.

© Horst Galuschka / imago

BERLIN (sun). Seit 100 Tagen ist das Arzneimittelmarkt-Neuordnungsgesetz (AMNOG) in Kraft - aus Sicht des Bundesverbandes der Pharmazeutischen Industrie (BPI) sind aber noch lange nicht alle Probleme in dem Gesetz gelöst.

Erfahrungen gebe es "naturgemäß" zu diesem Zeitpunkt noch nicht sehr viele, räumte Dr. Norbert Gerbsch vom BPI zwar ein. Das AMNOG sei zurzeit noch "work in progress". Jedoch zeige sich bereits jetzt, dass sich Investitionen der Pharmaunternehmen in Wissen nicht mehr unbedingt auszahlten.

"Pharma geht mit seinen Investitionen ein hohes unternehmerisches Risiko ein", betonte Gerbsch. Der Aufwand bis zur Zulassung habe sich durch das AMNOG noch einmal gesteigert. Seit dem 1. Januar 2011 gibt es erstmals in Deutschland eine Arzneimittelfrühbewertung.

Der Gemeinsame Bundesausschuss soll das Präparat anhand eines Hersteller-Dossiers im Laufe von drei Monaten nach seiner Markteinführung prüfen, ob das neue Präparat einen Zusatznutzen gegenüber einer "zweckmäßigen Vergleichstherapie" hat.

Aus Sicht des BPI müsste dafür aber der Begriff von Innovationen weiter gefasst werden. Schließlich helfe auch anderer medizinischer Fortschritt - wie zum Beispiel Darreichungsformen und Dosierungen -, den Pharmafirmen erforscht hätten, den Patienten.

Die Anzahl der einzunehmenden Tabletten bei der HIV-Therapie habe sich zum Beispiel von bis zu 40 auf zwei pro Tag reduziert. Aus Sicht des BPI wird dieses "zusätzliche Wissen" bisher in der Nutzenbewertung des GBA "unzureichend berücksichtigt".

Zudem seien die Sparmaßnahmen bei den Arzeimitteln nicht gerechtfertigt. Nach Ansicht des Heidelberger Gesundheitsökonomen Professor Michael Schlander ist die "Kostenexplosion im Gesundheitswesen ein Mythos".

Seit zwei Jahrzehnten bleibe der Anteil aller Gesundheitsausgaben am Bruttoinlandsprodukt weitgehend konstant. "Nicht die Ausgabenentwicklung ist das Problem", so Schlander. Sondern vielmehr die gering steigenden Einnahmen der gesetzlichen Krankenkassen.

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