WIdO-Auswertung

Gesundheitsberufe am stärksten von Long- oder Post-COVID betroffen

Wer an Long- oder Post-COVID erkrankt, fehlt im Schnitt sieben Wochen im Job. Die Erkrankungsraten variieren stark nach Altersgruppe und Beruf. Zudem verweist das WIdO auf statistische Unschärfen.

Florian StaeckVon Florian Staeck Veröffentlicht:
Eine Long-COVID-Patientin im Juli 2022 beim Riechtraining mit einem Arzt im Unfallkrankenhaus Berlin (ukb). Wer an Long- oder Post-COVID erkrankt, fehlt durchschnittlich rund 47 Tage im Beruf, hat eine Auswertung der AOK ergeben.

Eine Long-COVID-Patientin im Juli 2022 beim Riechtraining mit einem Arzt im Unfallkrankenhaus Berlin (ukb). Wer an Long- oder Post-COVID erkrankt, fehlt durchschnittlich rund 47 Tage im Beruf, hat eine Auswertung der AOK ergeben.

© Joerg Carstensen/dpa

Berlin. Nach einer akuten COVID-19-Erkrankung haben 3,8 Prozent der erwerbstätigen AOK-Versicherten seit Pandemiebeginn eine Long- oder Post-COVID-Symptomatik entwickelt und waren arbeitsunfähig (0,9 Prozent aller beschäftigten AOK-Versicherten).

Eine akute Erkrankung am Coronavirus geht mit durchschnittlich 9,5 AU-Tagen einher. Bei Beschäftigten mit Long- oder Post-COVID-Symptomen sind es dagegen im Schnitt sieben Wochen, hat das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) nach einer Auswertung am Mittwoch mitgeteilt.

Seit Beginn der Pandemie im März 2020 sei mehr als jeder fünfte erwerbstätige AOK-Versicherte (22,5 Prozent) von einer akuten COVID-19-Infektion betroffen gewesen und habe im Job gefehlt (siehe nachfolgende Grafik). Bei den 68.000 Beschäftigten mit langfristigen Komplikationen nach einer Infektion habe die AU-Zeit hingegen im Schnitt 47,4 Tage betragen, berichtete das WIdO.

Der Anteil der von Post- oder Long-COVID-Symptomen Betroffenen hat sich allerdings im Verlauf der Pandemie deutlich verändert. In der Phase, in der die Delta-Variante dominierte (Oktober bis Dezember 2021), wurden 6,3 Prozent der insgesamt mit einer Infektion Erkrankten wegen Long- oder Post-COVID krankgeschrieben.

An dieser Stelle finden Sie Inhalte aus Datawrapper Um mit Inhalten aus Datawrapper zu interagieren oder diese darzustellen, brauchen wir Ihre Zustimmung. Ich bin damit einverstanden, dass mir Inhalte aus Sozialen Netzwerken und von anderen Anbietern angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät notwendig. Weitere Information dazu finden Sie hier.

AU-Dauer ist mit der Omikron-Welle gesunken

In der Omikron-Welle traf dies noch auf 2,1 Prozent der insgesamt 782.000 akut am Coronavirus Erkrankten zu. Die Zahl der durchschnittlichen Ausfalltage addierte sich in der Delta-Phase der Pandemie auf 44,6 – in der Omikron-Phase waren es mit 39,6 AU-Tagen etwas weniger.

Die WIdO-Auswertung lässt erkennen, wie stark ein längerer Arbeitsausfall vom Alter abhängt. Bei den über 60-Jährigen waren nach einer akuten COVID-Erkrankung 1,4 Prozent der AOK-versicherten Erwerbstätigen längerfristig arbeitsunfähig. In der Gruppe der unter 29-Jährigen galt dies nur für 0,3 Prozent der Erkrankten.

Auch bei der Länge der AU-Phase zeigen sich große Unterschiede. Betroffene im Alter bis zu 29 Jahren fielen mit Long- und Post-COVID-Symptomatik im Schnitt 31,8 Tage im Beruf aus. Bei den über 60-Jährigen waren es dagegen durchschnittlich 55,7 Tage (siehe nachfolgende Grafik).

An dieser Stelle finden Sie Inhalte aus Datawrapper Um mit Inhalten aus Datawrapper zu interagieren oder diese darzustellen, brauchen wir Ihre Zustimmung. Ich bin damit einverstanden, dass mir Inhalte aus Sozialen Netzwerken und von anderen Anbietern angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät notwendig. Weitere Information dazu finden Sie hier.

Pflege bei Long-COVID-Quote an der Spitze

Bei den Berufsgruppen, deren Angehörige nach einer Infektion besonders häufig von langfristigen Erkrankungssymptomen betroffen waren, nehmen Berufe der Gesundheits- und Krankenpflege mit 6,6 Prozent einen Spitzenplatz ein. Untersuchungszeitraum war hier März 2020 bis Juli 2022. Fast gleich hoch ist mit 6,4 Prozent der Wert in der Altenpflege.

Bei Berufen in der Kinderbetreuung und -erziehung wurden bei fünf Prozent der nach einer Infektion Erkrankten Post- und COVID-Symptome registriert. Deutlich niedriger fallen dagegen die Erkrankungsraten bei Post- und Long-COVID beispielsweise bei Büro- und Sekretariatskräften (3,1 Prozent) oder im Maschinenbau (3,4 Prozent) aus.

Long-/Post-COVID ohne vorherige AU wegen Infektion

Ausschlaggebend sei dafür zum einen der Anteil akuter COVID-Infektionen in der jeweiligen Berufsgruppe. „Zum anderen spielen die Alters- und Geschlechtsstruktur sowie die Verteilung der Risiken für Vor- und Folgeerkrankungen in einzelnen Berufsgruppen eine zentrale Rolle“, sagt Helmut Schröder, stellvertretender Geschäftsführer des WIdO.

Eingegangen in die Analyse sind nach Mitteilung des Instituts nur Versicherte, bei denen vor einer dokumentierten Long- oder Post-COVID-Symptomatik eine AU-Meldung im Zusammenhang mit einer COVID-Infektion erfolgt ist. Bei 29 Prozent der betroffenen Beschäftigten mit langfristigen Erkrankungssymptomen (rund 28.000 Personen) war eine vorhergehende Krankmeldung wegen einer Infektion dagegen nicht gegeben.

Hierfür könne es viele Erklärungsansätze geben, so das WIdO: etwa falsch-negative Testergebnisse, symptomfreie Akuterkrankungen, Akuterkrankungen mit weniger als drei AU-Tagen, heterogene Dokumentation bei Ärzten oder das „eher unscharf definierte Erkrankungsbild“. (fst)

Lesen sie auch
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Die Chancen der Vitamin-C-Hochdosis-Therapie nutzen

© Pascoe Naturmedizin

Vitamin-C-Therapie

Die Chancen der Vitamin-C-Hochdosis-Therapie nutzen

Anzeige | Pascoe Naturmedizin
Dr. Markus Pfisterer ist Allgemeinmediziner in Heilbronn.

© Portraitfoto: privat; Hintergrundmotiv: [M] Kateryna_Kon / stock.adobe.com

„ÄrzteTag extra“-Podcast

Nutzen von Vitamin-C-Infusionen bei stummen Entzündungen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Pascoe Naturmedizin
Dr. Ruth Poglitsch ist niedergelassene Allgemeinmedizinerin in Graz, Österreich.

© [M] Fotowerkstatt; Hintergrund: © [M] VioletaStoimenova / Getty Images / iStock

„ÄrzteTag extra“-Podcast

Hochdosiertes Vitamin C (i.v.) bei Long COVID

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Pascoe Naturmedizin
Kommentare
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

» kostenlos und direkt in Ihr Postfach

Am Morgen: Ihr individueller Themenmix

Zum Feierabend: das tagesaktuelle Telegramm

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Erfolgsrezept

Ruhpoldinger MVZ als Wohlfühl-Arbeitsplatz

Einige Anbieter planen Preissteigerung

Vielen Arztpraxen drohen höhere Wartungskosten für Praxis-EDV

Kasuistik

Eagle-Syndrom: Knochen, wo eigentlich kein Knochen hingehört