Berufspolitik

Abwarten und Tee trinken? Nicht an der Küste!

Dithmarscher Ärzte sehen sich für die Zukunft gewappnet. Verhandlungen mit Kassen, Klinik und Politik führen ein neuer Verbund und das örtliche Praxisnetz gemeinsam.

Von Dirk SchnackDirk Schnack Veröffentlicht:
Das berufliche Schicksal selbst gestalten, dafür engagieren sich Ärzte in Dithmarschen. ©Losevsky/fotolia.de

Das berufliche Schicksal selbst gestalten, dafür engagieren sich Ärzte in Dithmarschen. ©Losevsky/fotolia.de

© Losevsky/fotolia.de

HEIDE. Jahresende 2008 in Meldorf: Die Unsicherheit über die anstehende Honorarreform hat niedergelassene Ärzte aus dem gesamten Kreisgebiet in den Westküstenort getrieben, um mit einer Demonstration auf die unsichere Zukunft der wohnortnahen Versorgung aufmerksam zu machen. Die Veranstaltung verlief wie so oft: friedliches Marschieren, viele Reden, Unzufriedene machen ihrem Unmut Luft. Statt aber wie sonst anschließend nach Hause zu fahren und die weitere Entwicklung abzuwarten, nahmen sich die Ärzte vor, selbst aktiv zu werden. In der nächsten KV-Kreisstellenversammlung kamen über 100 Ärzte, um das Vorgehen zu diskutieren. Dabei wurde klar, welche Probleme sie belasten:

  • Das politisch diskutierte Regionalbudget schwebte im Raum, ohne dass mit den niedergelassenen Ärzten gesprochen wurde.
  • Das Westküstenklinikum erschien manchen als Bedrohung, weil es sich in die ambulante Versorgung über MVZ und Paragraf 116 b einschaltete.
  • Die vor der Bundes- und Landtagswahl drohende weitere Schwächung der KV als Vertretung der Ärzte.

"Viele von uns hatten das Gefühl, keinen Einfluss nehmen zu können. Es sah so aus, als würden Entscheidungen über uns an uns vorbei getroffen werden", beschreibt Dr. Bernd Grunwald aus Heide die damalige Stimmung. Weil das Medizinische Qualitätsnetz Westküste (MQW) als eingetragener Verein nicht die für Verhandlungen erforderliche Rechtsform hatte, gründeten die kritischen Ärzte kurzerhand den neuen, beitragsfreien Praxisverbund schleswig-holsteinischer Haus- und Fachärzte. Über 100 Ärzte sind in ihm mittlerweile vertreten.

Der Verbund hat erste Erfolge zu vermelden. Um mit Kassen und anderen Akteuren verhandeln zu können, steht eine eigene GmbH bereit. Mit dem WKK wurden Gespräche geführt, die in eine bessere Verständigung beider Seiten mündete. Und der Praxisverbund ist für Kooperationen mit vergleichbaren Verbünden in anderen Landesteilen aufgestellt, falls landesweite Vereinbarungen dies erfordern. Die Stimmung heute umschreibt Grunwald so: "Wir sind vorbereitet, falls in unserer Region gegen die wohnortnahe Versorgung der Patienten oder gegen die niedergelassenen Ärzte agiert wird."

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