Kommentar – Schlaflos in Deutschland

Ärzte müssen hinsehen

Von Anno Fricke Veröffentlicht: 15.03.2017, 16:10 Uhr

Die Leistungsgesellschaft fordert ein weiteres Opfer: den Schlaf. Vier von fünf Erwerbstätigen im Land sind am Arbeitsplatz müde, jeder Dritte ist erschöpft und kämpft im Job gegen den Schlaf. Das meldet der aktuelle DAK-Gesundheitsreport.

Es läuft etwas gewaltig schief. Smartphones und Tablets lassen sich über Nacht an die Steckdose hängen. Die Batterien ihrer Nutzer werden zu Schlafenszeiten nicht mehr ausreichend aufgeladen. Schichtarbeit, ständiges Malochen an der Leistungsgrenze, nicht einzuhaltende Pausen und Überstunden gelten als Schlafkiller.

Zudem gilt die Faustformel: Je prekärer das Arbeitsverhältnis, desto größer die Existenzsorgen, desto höher die Wahrscheinlichkeit einer schlimmen Störung des Schlaf-Wachrhythmus.

Zwischen Hausärzten und ihren müden Patienten herrscht bei diesem Thema eine gewisse Sprachlosigkeit, haben Schlafwissenschaftler festgestellt. 70 Prozent der Betroffenen gehen erst gar nicht in die Sprechstunde, jedenfalls nicht deswegen. Ärzte sprechen das Thema in Abklärungsgesprächen nicht regelhaft an. So lässt sich erklären, dass nur 4,8 Prozent der Betroffenen in ärztlicher Behandlung sind.

Das ist fatal. Schlafstörungen können chronifizieren, warnen Experten. Oft werden sie erst in psychischen und psychiatrischen Erkrankungen sichtbar. Zudem fehlt die breitgestreute Expertise. Der wachsenden Zahl leidender Menschen stehen gerade einmal 700 niedergelassene Somnologen gegenüber.

Das sind zu wenige.

Lesen Sie dazu auch: DAK-Gesundheitsreport: Mehr Schlafstörungen - Versorgung hält nicht Schritt

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