Innovationsfonds

Am Start – RESIST-Programm gegen Resistenzen

Antibiotika bewusst verschreiben und einnehmen – darum geht es in dem Versorgungsprogramm RESIST. Seit Anfang Juli können nun die ersten Ersatzkassen-Versicherten teilnehmen.

Veröffentlicht: 04.07.2017, 12:16 Uhr
Am Start – RESIST-Programm gegen Resistenzen

Wirkt das Antbiotikum noch? Um der Zunahme von Resistenzen entgegen zu wirken, setzt RESIST auf die Arzt-Patienten-Kommunikation.

© SrdjanPav / Getty Images / iStock

BERLIN. Das Versorgungsprogramm RESIST wurde vom Verband der Ersatzkassen e. V. (vdek) gemeinsam mit der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) im Rahmen des Innovationsfonds entwickelt. Seit dem 1.7.2017 können sich nun Ersatzkassen-Versicherte der BARMER, TK, DAK-Gesundheit, KKH, hkk und HEK in verschiedenen KV-Bezirken zum Thema Antibiotika-Versorgung beraten lassen. Eingebunden sind die KV-Bezirke Baden-Württemberg, Bayern, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein, Saarland und Westfalen-Lippe, heißt es in einer gemeinsamen Pressemitteilung von vdek und KBV.

Konkret sieht RESIST vor, dass Patienten mit Verdacht auf einen Atemwegsinfekt sich von einem Haus-, Kinder-, HNO-Arzt oder einem Facharzt für Innere Medizin speziell beraten lassen. Bislang haben der Mitteilung zufolge 600 Ärzte ein spezielles Online-Schulungsprogramm abgeschlossen, um das Konzept in den Praxisalltag zu integrieren. Zum Start der Atemwegssaison im Herbst sollen es etwa 3000 sein.

Das Projekt läuft bis zum 30.Juni 2019. Bis dahin erhoffen sich die Organisatoren, dass etwa eine Million Ersatzkassenversicherte davon profitieren. Im Anschluss werde dann entschieden, ob das Projekt in die Regelversorgung übernommen werde.

"Unser Ziel ist es, Ärzte und Patienten zu einem sensibleren Umgang mit Antibiotika zu bewegen und dadurch die Qualität der Versorgung zu verbessern", äußert sich Ulrike Elsner, vdek-Vorstandsvorsitzende in der Pressemitteilung. "Auch wenn Deutschland bei den Antibiotika-Verordnungen im europäischen Vergleich im unteren Drittel liegt, mit circa 38 bis 40 Millionen Verordnungen pro Jahr, ist das immer noch zu viel." So seien laut Antibiotika-Report der DAK-Gesundheit aus dem Jahr 2014 schätzungsweise 30 Prozent aller Antibiotika-Verordnungen unnötig." Dies gelte vor allem für Atemwegserkrankungen, da diese überwiegend durch Viren ausgelöst würden.

Als möglichen Grund für das Verordnungsverhalten nennt Prof. Attila Altiner, Direktor der Universitätsmedizin Rostock die empfundene Erwartungshaltung der Patienten. Diese wird nach seiner Ansicht aber häufig überschätzt. Auch würden aus der falschen Annahme heraus damit auf der "sicheren Seite" zu stehen, noch zu oft Breitspektrum-Antibiotika verordnet.

Das Projekt RESIST setzt nun auf Aufklärung und auf die Arzt-Patienten-Kommunikation. Dr. Stephan Hofmeister, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KBV, begrüßt dies. Einerseits würden dabei "wir Ärzte unser Verordnungsverhalten überdenken" und parallel die Patienten sensibilisiert.

RESIST

Das Modellvorhaben von vdek, Ersatzkassen, KBV und KVen wird mit rund 14 Millionen Euro aus Mitteln des Innovationsfonds gefördert. RESIST wird wissenschaftlich begleitet und evaluiert, und zwar durch das Institut für Allgemeinmedizin der Universitätsmedizin Rostock (UMR) in Zusammenarbeit mit dem Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi). Erste Ergebnisse sollen Ende 2019 vorliegen.(run)

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