Studie des Zi
Antibiotika-Verordnungen nach Pandemie wieder auf Vor-Corona-Niveau – starke Anstiege bei Kindern
Nach der Corona-Delle ist die Zahl der Antibiotika-Verordnungen in den Jahren 2023 und 2024 erwartbar wieder angestiegen. Am deutlichsten in der Altergruppe der 6- bis 14-Jährigen. Bei den Säuglingen dagegen blieb die Verordnungsrate niedrig.
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Die Infektions-Nachholeffekte haben dazu geführt, dass besonders bei Kindern und Jugendlichen die Verordnungen von Antibiotika stark gestiegen sind.
© Monika Skolimowska/dpa
Berlin. Wenig überraschend ist die Verordnungsrate bei Antibiotika nach dem Ende der Corona-Pandemie wieder angestiegen. 2023 und 2024 war sie im Schnitt auf das präpandemische Niveau zurückgekehrt. Zwei Altersgruppen stechen laut einer Studie des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi) besonders heraus.
Vor der Pandemie, 2019, lag die altersgruppenübergreifende Verordnungsrate bei 414 Verordnungen pro 1.000 gesetzlich Versicherten. In den beiden Corona-Jahren 2020 und 2021 brachen die Verordnungszahlen dann überdurchschnittlich stark ein: 2020 auf 305 Verordnungen pro 1.000 Versicherten (minus 26 Prozent im Vergleich zu 2019) und 2021 auf 277 Verordnungen/1.000 (minus 33 Prozent im Vergleich zu 2019).
Besonders in den Keller rauschten die Verordnungsraten während der beiden Pandemie-Jahre in den Altersgruppen der 2- bis 5-Jährigen (2020: 343/1.000, minus 48 Prozent; 2021: 322/1.000, minus 51 Prozent) sowie der 6- bis 9-Jährigen (2020: minus 43 Prozent und 2021 sogar minus 64 Prozent).
Niveau von 2019 ist wieder erreicht
Nach der Pandemie stiegen die Verordnungsraten laut Zi auf ein „,mit 2019 vergleichbares Niveau“. Konkret: 2023 lag die Rate bei 418 Verordnungen pro 1.000 GKV-Versicherten, 2024 bei 426 Verordnungen (plus 3 Prozent gegenüber 2019).
Besonders „deutliche Zunahmen“ registrierte das Zi in der Altersgruppe zwischen 6 und 14 Jahren. Bei den 6- bis 9-Jährigen stieg die Verordnungsrate 2023 im Vergleich zu 2019 um 33 Prozent und 2024 um 30 Prozent. Bei den 10- bis 14-Jährigen ergab sich 2023 ein Zuwachs um 9 Prozent und 2024 sogar um 44 Prozent.
Anders dagegen die Altersgruppe der 0- bis 1-Jährigen: Hier blieb die Verordnungsrate im Vergleich zu 2019 um rund 20 Prozent reduziert.
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Das Zi geht bei den 6- bis 14-Jährigen von einem vorübergehenden Anstieg des Antibiotikaeinsatzes aus. Er dürfte auf ein temporär verändertes altersspezifisches Erkrankungsgeschehen zurückzuführen sein.
Starkes Infektgeschehen in den Post-Pandemie-Wintern
Sowohl der Winter 2022/2023 als auch 2023/2024 seien von einer „unüblich starken Zunahme des Infektionsgeschehens“ geprägt gewesen. „Das umfasst unter anderem die ausgeprägte Infektionszunahme durch Gruppe-A-Streptokokken mit teils schweren Verläufen bei Kindern in den Winterzeiten 2022/2023 und 2023/2024, eine in diesem Ausmaß erstmalig beobachtete Häufung von Mykoplasmen-Infektionen bei Schulkindern und Jugendlichen in den Jahren 2023 und 2024 sowie ein starker Anstieg von Keuchhustenfällen im Jahr 2024 bei 0- bis 19-Jährigen“, schreibt das Zi in einer Mitteilung.
Der Zi-Vorstandsvorsitzende Dr. Dominik von Stillfried verwies darauf, dass Deutschland mit dem starken Rückgang des Antibiotikaeinsatzes in den Jahren 2020 und 2021, aber auch mit dem Wiederanstieg in den Folgejahren nach der COVID-19-Pandemie dem europäischen Trend folge. Dabei zeige der internationale Vergleich auch im Wiederanstieg einen eher geringen Antibiotikaeinsatz in Deutschland.
Im europäischen Vergleich gute Raten
So wurden nach Angaben des „European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC)“ etwa im Jahr 2023 in 23 europäischen Ländern höhere und lediglich in vier Ländern geringere Verordnungsmengen von Antibiotika in der ambulanten Versorgung beobachtet.
Der Großteil der Vertragsärztinnen und -ärzte setze Antibiotika überaus zurückhaltend und nach entsprechender sorgfältiger Risikoabwägung ein, so von Stillfried. Positiv hervorzuheben sei vor allem die stark rückläufige Verordnungsrate von Fluorchinolonen.
Die Studie des Zi („Altersspezifische Trends der Verordnung systemischer Antibiotika in den Jahren 2010 bis 2024“) wurde am Freitag im Deutschen Ärzteblatt veröffentlicht. (juk)





