Apotheken fürchten Liebesentzug durch den Großhandel

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DÜSSELDORF (iss). Wird das Arzneimittelmarkt-Neuordnungsgesetz ohne Änderungen umgesetzt, ist die flächendeckende Arzneimittelversorgung herkömmlicher Prägung in Gefahr, warnen der Apothekerverband und die Apothekerkammer Nordrhein. "Bedroht sind insbesondere die Versorgerapotheken auf dem Land und am Rande der Städte, die 70 bis 80 Prozent ihres Umsatzes mit Rezepten machen", sagt Kammerpräsident Lutz Engelen.

Der Plan des pharmazeutischen Großhandels, die für ihn vorgesehenen Einsparungen von 500 Millionen Euro komplett an die Apotheken weiterzugeben, gefährde ein Viertel der Apotheken, sagt der Verbandsvorsitzende Thomas Preis. Viele könnten die erwartete durchschnittliche Rohertragsminderung von 23 000 Euro nicht verkraften. Das koste einen Arbeitsplatz.

Die Politik müsse jetzt sagen, an welcher Stelle die Apotheker den Rotstift ansetzen sollen, fordert Preis. Leistungen wie der Nacht- und Notdienst, die Herstellung individueller Rezepturen, Botendienste ans Krankenbett oder die Qualitätskontrolle von Arzneimitteln ließen sich mit einer dünneren Personaldecke nicht mehr gewährleisten, sagt er.

Das gemeinsame Konzept der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände und der KBV zur Weiterentwicklung einer patientengerechten Arzneimittelversorgung zeige, dass Einsparungen auch ohne eine Gefährdung der Patientenversorgung möglich seien, sagt Engelen. Das Konzept sieht vor, dass der Arzt den Wirkstoff sowie Menge, Dosierung und Therapiedauer festlegt, während der Apotheker das konkrete Arzneimittel auswählt. Über den Medikationskatalog, der dafür zurzeit erarbeitet wird, ließen sich pro Jahr gut zwei Milliarden Euro einsparen.

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