Arzneien: 2010 liegt das Plus bei 4,8 Prozent

KBV und GKV-Spitzenverband erwarten im nächsten Jahr nur ein mäßiges Ausgabenwachstum für Arzneimittel. Die Prognose für 2009 wurde bereits gesenkt.

Helmut LaschetVon Helmut Laschet Veröffentlicht:

BERLIN. Jedes Jahr müssen die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und der GKV-Spitzenverband bis zum 30. September eine Prognose über die voraussichtlichen Ausgabensteigerungen für Arzneimittel vereinbaren. Sie dienen KVen und Landesverbänden der Kassen als Grundlage für die regionalen Zielvereinbarungen für die Arzneiausgaben.

In diesem und dem nächsten Jahr zeigt sich: Die Wachstumsdynamik am Arzneimittelmarkt der GKV lässt - trotz weiterer Innovationen - sukzessive nach. Für 2010 haben die Vertragspartner auf Bundesebene ein Wachstum von nur noch 4,8 Prozent prognostiziert.

Unter den Wachstumskomponenten bleiben Innovationen die stärkste Einflussgröße: Sie werden etwa 3,5 Prozentpunkte beisteuern. Die Preisentwicklung wird mit 0,6 Prozent veranschlagt, Verlagerungen von Leistungen aus dem stationären in den ambulanten Sektor werden mit einem Prozent berücksichtigt. Ausgabensteigerungen aufgrund von Veränderungen der gesetzlichen Leistungspflicht werden nicht erwartet. Von neuen Richtlinien des Bundesausschusses erwarten KBV und GKV-Spitzenverband einen Sparbeitrag von 0,3 Prozent.

Drei Komponenten müssen die Vertragspartner regional abschätzen: Veränderungen bei Zahl und Alter der Versicherten, den Einfluss indikationsbezogener Zielvereinbarungen und die noch mögliche Ausschöpfung von Wirtschaftlichkeitsreserven.

Bereits im laufenden Jahr zeigt sich, dass das tatsächliche Ausgabenwachstum unter der im Herbst vergangenen Jahres errechneten Prognose liegt: 5,6 statt 6,6 Prozent plus. Die Zahlen liegen im übrigen sehr nahe bei den Daten, die auch der Arzneimittel-Atlas angibt. Die Autoren aus dem Berliner Institut für Gesundheits- und Sozialforschung erwarten für die Zukunft eine eher moderate Ausgabenentwicklung - unter anderem auch deshalb, weil in den großen Indikationsgebieten die Sättigungsgrenzen vor allem mit Generika erreicht werden.

Zur Vereinbarung von KBV und GKV-Spitzenverband gehören auch die Definition von Leitsubstanzen und angestrebte Verordnungsquoten für Generika. Im Detail stößt dies auf Kritik von Arzneimittelherstellern. So wurde für Clopidogrel-haltige Arzneimittel eine Mindest-Generikaquote von 75 Prozent vorgegeben. Der Hersteller des Clopidogrel-Originals Plavix® Sanofi-Aventis hält dies für "grotesk". Denn für Plavix® seien mit etlichen Krankenkassen Rabattverträge abgeschlossen worden. Die Verordnung des Originals sei deshalb wirtschaftlich.

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