Arzneihersteller suchen Partner in Schwellenländern

BERLIN (ble). Die forschenden Pharmahersteller in Deutschland fordern von Schwellenländern wie Indien und Brasilien einen größeren eigenen Beitrag bei der Erforschung neuer medikamentöser Therapien für notleidende Menschen in der Dritten Welt.

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Ein Kind hinter einem Moskitonetz: Die Entwicklung eines Impfstoffs gegen Malaria wird mit Hilfe von Stiftungen vorangetrieben.

Ein Kind hinter einem Moskitonetz: Die Entwicklung eines Impfstoffs gegen Malaria wird mit Hilfe von Stiftungen vorangetrieben.

© Foto: dpa

"Man könnte sich mit einigem Recht wünschen, dass sich auch betroffene Länder selbst mehr an der Entwicklung neuer Medikamente beteiligen", sagte die Hauptgeschäftsführerin des Verbandes Forschender Arzneimittelhersteller (VFA), Cornelia Yzer, bei der Vorstellung eines mit der Gemeinsamen Konferenz Kirche und Entwicklung (GKKE) erarbeiteten Positionspapiers zur "Gesundheit in Entwicklungsländern". Yzer: "Wir brauchen als Industrie Partner, die sich mit uns wirtschaftliche Risiken teilen, denn Arzneimittelforschung ist teuer und braucht lange Zeit."

Anders als noch vor einigen Jahren bekennt sich die Industrie laut Yzer inzwischen zu einer umfassenden Rolle als einer auch dem globalen Gemeinwohl verpflichteten Branche: "Unsere Verantwortung reicht weiter, als Erforschung und Entwicklung von Medikamenten zu betreiben", sagte sie. Das Recht auf einen Zugang zu neuen Medikamenten gelte nicht nur für Bürger in den Industrieländern, sondern auch für die Menschen in den Entwicklungsländern. "Auch sie müssen am therapeutischen Fortschritt teilhaben können."

In den Jahren 2000 bis 2007 haben forschende Pharmaunternehmen nach Angaben des VFA für Entwicklungsländer Hilfsleistungen - beispielsweise die Abgabe von Arzneien zum Selbstkostenpreis oder Medikamentenspenden - in Höhe von 9,2 Milliarden US-Dollar erbracht. In diversen Kooperationen arbeiten die Hersteller derzeit an über 20 neuen Medikamenten gegen Malaria und Tuberkulose und an 25 Medikamenten gegen tropische Armutskrankheiten. Ein im Rahmen der Malaria Vaccine Initiative entwickelter und von der Bill and Melinda Gates Foundation unterstützter Malariaimpfstoff könnte bei weiter guten Studienergebnissen 2012 zugelassen werden.

Der Vorsitzende der GKKE, Prälat Dr. Bernhard Felmberg, forderte die Bundesregierung zur Umsetzung der gesundheitspolitischen Milleniumsziele aus dem Jahr 2000 auf. Dazu zählen die Senkung der Kinder- und Müttersterblichkeit und die Bekämpfung von Infektions- und tropischen Armutskrankheiten. Trotz einzelner Fortschritte geschehe zu wenig, so Felmberg. Weltweit hätten schätzungsweise 1,7 Milliarden Menschen keinen Zugang zu lebensnotwendigen Medikamenten.

Als einen wesentlichen Grund für unzureichende Gesundheitsversorgung in den Entwicklungsländern nannte der Kirchenvertreter den Mangel an qualifizierten Ärzten, Pflegern und Schwestern. Hierzu trügen auch die Industriestaaten bei: "Dass einzelne europäische Regierungen eine gezielte Abwerbung des Gesundheitspersonals in afrikanischen Ländern betreiben, ist nicht hilfreich und verstößt gegen die Grundsätze einer ethischen Rekrutierung solcher Arbeitskräfte", sagte Felmberg etwa mit Blick auf Großbritannien.

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