Kommentar – Polypharmazie

Auf den Anreiz kommt es an

Von Hauke GerlofHauke Gerlof Veröffentlicht:

Jeder fünfte Bundesbürger hat 2016 gleichzeitig fünf oder mehr Arzneimittel eingenommen. Das Bild, das die Barmer im Arzneimittelreport 2018 zeichnet, macht deutlich, wie drängend das Thema Arzneitherapiesicherheit ist.

Wenn mehrere Fachärzte für unterschiedliche Erkrankungen Medikamente verordnen, verliert nicht nur der Patient schnell den Überblick. Der Medikationsplan auf Papier hat in diesem Sinne keinen fühlbaren Fortschritt gebracht, weil er von vielen Ärzten nur halbherzig verfolgt und offenbar auch häufig nicht vorgelegt wird. Höchste Zeit also, dass der Medikationsplan auf die elektronische Gesundheitskarte überführt wird.

Aber auch das wäre erst die halbe Miete. Entscheidend ist, das Medikationsmanagement so zu gestalten, das Informationen über mögliche Wechselwirkungen dem Arzt "mundgerecht" im Moment der Verschreibung serviert werden.

Moderne Arzneimitteldatenbanken können das leisten. Und interdisziplinär gedachte Medikationsmanagement-Systeme wie AdAM in Westfalen-Lippe oder ARMIN in Sachsen und Thüringen helfen, die Situation zu verbessern. Gerade diese Projekte zeigen aber auch: Ein pauschales Honorar von einem Euro je Chroniker-Fall setzt sicher nicht den richtigen Anreiz für mehr Sicherheit.

Lesen Sie dazu auch: Arzneimittelmanagement AdAM: Sicherheit für Polypharmazie-Patienten Barmer-Report: Polypharmazie ist ein Massenproblem

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