Innovationsfonds

Auf die Details kommt es an

Der Gesundheitsweise Professor Gerlach sieht im geplanten Innovationsfonds "überfällige Neuerungen". Dieser Schub für die Integrationsversorgung sei aber kein Selbstläufer, warnt er.

Veröffentlicht:

FRANKFURT/MAIN. Der im Koalitionsvertrag verankerte Innovationsfonds ist nach Ansicht von Professor Ferdinand Gerlach grundsätzlich ein "deutlicher Schritte nach vorne."

Solange aber die Detailregelungen nicht bekannt sind, bleibe offen, ob und wann der Fonds einen Schub für innovative sektorübergreifende Versorgungsformen auslösen kann.

Wie der Vorsitzendes des Sachverständigenrats zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung" sagte, komme es nun darauf an, wie der pro Jahr mit 300 Millionen Euro bestückte Innovationsfonds mit Leben gefüllt werde.

Gerlach: "Mit 1,2 Milliarden Euro in vier Jahren wäre der Topf üppig ausgestattet." Positiv sei auch, dass pro Jahr 75 Millionen Euro der Versorgungsforschung zugute kommen sollen und nach vier Jahren die Projekte obligatorisch evaluiert sein müssen. Diese Neuerungen waren nach Ansicht Gerlachs überfällig.

Wichtig sei nun, wie die Mittel in der Praxis eingesetzt werden. Dabei müssten zum Beispiel in der Versorgungsforschung Mittel in Projekte fließen, die für Ärzte und Patienten in ihrer "konkreten Alltagssituation etwas verändern". Zudem sollten die angestrebten innovativen sektorübergreifenden Versorgungsformen und Vorhaben zur Versorgungsforschung zügig umgesetzt werden.

Dies sei nicht selbstverständlich, da der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA) erst detaillierte Kriterien festlegen muss, dem sich dann ein jährliches Ausschreibungsverfahren anschließt.

Kontaktunabhängige Pauschalen gefordert

Hier sieht Gerlach die Gefahr, dass sich der neue Schub für die Integrierte Versorgung verzögert, weil im GBA möglicherweise Beharrungskräfte wirken, die die IV nicht befördern. Am Beispiel der Ambulanten Spezialfachärztlichen Versorgung zeige sich, wie langsam Neudefinitionen innovativer Versorgungskonzepte innerhalb des GBA vorankämen.

Die im Koalitionsvertrag verankerte Stärkung und Weiterentwicklung der hausarztzentrierten Versorgung sieht der Ratsvorsitzende Gerlach als Schritt in die richtige Richtung. Dabei müssten im Wettbewerb zwischen Kollektiv-und Selektivvertrag künftig verstärkt Qualitätsparameter eine Rolle spielen, die zum Teil auch Bestandteil der Vergütung sein könnten.

Zudem sollten in allen neuen Verträgen auch kontaktunabhängige Pauschalen enthalten sein, da dies der beste Weg sei, unnötige Arzt-Patienten-Kontakte zu vermeiden und dem Arzt mehr Zeit pro Patientenkontakt einzuräumen.

Und schließlich müssten künftig Kollektiv- und Selektivvertrag grundsätzlich - etwa durch eine erleichterte Bereinigung der Gesamtvergütung - im fairen Wettbewerb einander stehen. (ras)

Mehr zum Thema

Neue Ausbildungszahlen

Pflege bleibt überwiegend weiblich

Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Nachmittags: das schnelle Telegramm. Am Morgen: Ihr individuell zusammengestellter Themenmix.

Newsletter bestellen »

Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte, Medizinstudenten, MFA und weitere Personengruppen viele Vorteile.

Die Anmeldung ist mit wenigen Klicks erledigt.

Jetzt anmelden / registrieren »

Top-Meldungen
Gesundheitswissenschaftler wie Professor Reinhard Busse von der TU Berlin mahnen exaktere Daten zur Hospitalisierung von COVID-19-Patienten an.

© Stephanie Pilick / springer medizin

Wissenschaft und Politik

Deutschland sucht die neuen Pandemie-Marker

Schützt Sport wirklich das Herz? Das ist in Studien offenbar nicht so einfach nachzuweisen.

© CLIPAREA.com / stock.adobe.com

Kritischer Review

Sport schützt das Herz? Nicht in kontrollierten Studien

Kinder und Jugendliche sowie junge Erwachsene bis 24 Jahren weisen in kreisfreien Großstädten die niedrigsten Heuschnupfen-Häufigkeiten auf.

© Kzenon / stock.adobe.com

Immer mehr Allergiker

Wo Heuschnupfen besonders häufig ist