Lieferengpässe

Bayern will mit drei weiteren Ländern über Arzneiversorgung beraten

Viele Eltern mussten im vergangenen Winter Apotheken nach passenden Medikamenten für ihre Kinder abklappern. Weil Bayern beim Bund zu wenige Fortschritte sieht, will der Freistaat nun mit anderen Bundesländern über gemeinsame Schritte sprechen.

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Fast leere Arzneimittelschränke in einer Apotheke. Viele Schmerzmittel und Arzneimittel waren im letzten Herbst und Winter nicht lieferbar, das soll nach Wunsch von Bundesgesundheitsminister Lauterbach dieses Jahr nicht passieren.

Fast leere Arzneimittelschränke in einer Apotheke. Viele Schmerzmittel und Arzneimittel waren im letzten Herbst und Winter nicht lieferbar, das soll nach Wunsch von Bundesgesundheitsminister Lauterbach dieses Jahr nicht passieren.

© Anke Thomass / stock.adobe.com

München. Angesichts drohender Engpässe bei der Versorgung mit Arzneimitteln will Bayern mit drei weiteren Ländern über gemeinsame Schritte beraten. Geplant sei eine „Südschienenkonferenz“ am 11. September in München, teilte Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) am Samstag mit. Eingeladen seien die Gesundheits- und Wirtschaftsminister von Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Hessen.

„Die Bundesregierung droht ein wichtiges Zeitfenster für die Arzneimittelversorgung diesen Winter zu verschlafen“, sagte Holetschek. „Gleiches gilt für die erforderliche Sicherstellung der Versorgung mit Medizinprodukten.“ Solange es bundesweit an Antibiotika und Krebsmitteln mangele, dürfe Deutschland „nicht untätig sein“. Deshalb wolle er mit den Ministern aus den drei Ländern „über notwendige Maßnahmen beraten“.

Lauterbach setzt auf „Dringlichkeitsliste“

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hatte zuvor wegen möglicher neuer Engpässe bei Kindermedikamenten in der nahenden Erkältungssaison auf verstärkte Vorsorge gedrungen. Im kommenden Herbst und Winter könnte für wichtige Antibiotika und weitere relevante Mittel „eine angespannte Versorgungssituation“ entstehen, schrieb er Ende August in einem Brief an den Verband des Pharmagroßhandels. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte veröffentlichte am Donnerstag eine „Dringlichkeitsliste“ mit gut 30 Kinderpräparaten, die höchste Priorität haben. Lauterbach bat, deren Beschaffung zu intensivieren.

Auf der Liste stehen unter anderem mehrere Antibiotika, Nasentropfen, fiebersenkende und schmerzlindernde Säfte und Zäpfchen. Lauterbach bat die Pharmabranche um Einschätzungen zu verfügbaren Mengen und den Bereitstellungskosten „für die dringliche Beschaffung und Bevorratung bis zum Beginn der Infektionssaison“. Sofern dem Großhandel für die Umsetzung dieser „außerordentlich dringlichen Maßnahme“ Zusatzkosten entstehen, werde das Ministerium eine Gegenfinanzierung prüfen.

BVKJ-Präsident Fischbach: Praxen blicken mit Sorge auf Herbst und Winter

Ärzte und Pharmahandel hatten Anfang August vor neuen Arzneimittel-Engpässen im Herbst und Winter gewarnt. „Es ist zu befürchten, dass bei hohen Infektionswellen wie im vergangenen Jahr Eltern wieder durch die halbe Stadt laufen müssen, um Fiebersäfte oder Antibiotika zu bekommen“, sagte der Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), Thomas Fischbach, der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Auch die Verbände der Apotheker und des Pharmagroßhandels hielten weitere Engpässe für möglich.

Nach einer Infektwelle im vergangenen Herbst waren Engpässe bei Kindermedikamenten wie Fieber- und Hustensäften eskaliert. Probleme hatte es auch bei Krebsmitteln und Antibiotika gegeben. Die Bundesregierung reagierte mit neuen Regelungen.

Das im Juli verabschiedete Gesetz macht Vorräte von mehreren Monatsmengen für vielgenutzte Arzneimittel zur Pflicht. Preisregeln sollen gelockert werden, damit sich Lieferungen nach Deutschland für Hersteller mehr lohnen. BVKJ-Präsident Fischbach sagte jedoch, die Reform werde „definitiv nicht durch diesen Winter helfen und springt womöglich auch auf Dauer zu kurz“. Arzneimittel-Engpässe legten auch die Praxen teilweise lahm, weil Mitarbeiter am Telefon etliche Apotheken abklappern müssten, um die benötigten Medikamente aufzutreiben. „Wir blicken daher mit Sorge auf Herbst und Winter.“ (dpa)

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