Berufspolitik

Bayerns Facharztpraxen blieben gestern zu

MÜNCHEN (sto). Mit vielen regionalen Aktionen haben gestern Fachärzte in ganz Bayern für eine angemessene Honorierung ihrer Leistungen demonstriert.

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Schätzungsweise 80 Prozent der Facharztpraxen blieben nach Angaben der Gemeinschaft Fachärztlicher Berufsverbände Bayern (GFB Bayern) gestern geschlossen. Bei Informationsveranstaltungen, Podiumsdiskussionen, Pressekonferenzen und mehreren Kundgebungen, die größte davon in München, protestierten die Fachärzte gegen eine Missachtung ihrer Leistungen.

Diese Missachtung komme auch in der Honorarreform zum Ausdruck, erklärte der niedergelassene HNO-Arzt Dr. Wolf Neher aus Geretsried und Mitglied im Vorstand der GFB Bayern. Angesichts der katastrophal niedrigen Regelleistungsvolumina, die den Fachärzten zur Verfügung stehen, fühlten sich viele Kollegen als "Under-Docs", sagte Neher. "Wir wollen, dass unsere guten Leistungen auch angemessen vergütet werden".

Mit einer "Agenda 1702" - in Anlehnung an das Datum des gestrigen Fortbildungs- und Informationstages der niedergelassenen Fachärzte in Bayern - will die GFB von der Politik ein klares Bekenntnis zur ambulanten Facharztmedizin einfordern, erklärte GFB-Vorsitzender Dr. Thomas Scharmann. Das müsse auch durch einen eigenen Paragrafen 73e - "Facharztbasierte ambulante Versorgung" im SGB V deutlich werden, erklärte Scharmann.

Zugleich warnte Scharmann vor einer Rationierung ambulanter fachärztlicher Leistungen, die zunehmend zu einer realen Bedrohung werde. Der freie Zugang der Patienten zur fachärztlichen Versorgung müsse auch in Zukunft erhalten bleiben.

Ohne die niedergelassenen Fachärzte wäre eine flächendeckende, wohnortnahe ambulante medizinische Versorgung ohne Wartelisten "klinisch tot", sagte Scharmann. Die Patienten müssten dann auf den Fluren der Krankenhäuser lange auf eine Behandlung warten und würden immer wieder von einem anderen Arzt behandelt. Deshalb müsse den Politikern jetzt deutlich gesagt werden: "Ohne uns ambulante Fachärzte wird es so richtig teuer und für den Patienten so richtig unbequem", erklärte Scharmann.

Honorarpolitisch fordert die GFB Bayern ein Ende "jeglicher Budgetierung" durch Regelleistungsvolumen und Fallzahlbegrenzungen sowie eine fachärztliche Basisvergütung mit einer Gebührenordnung in Euro und Cent. Die Struktur- und Sonderverträge in Bayern sollten wiederbelebt werden, so die Gemeinschaft Fachärztlicher Berufsverbände.

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