Bedarf an Bremer Hospizbetten wird ermittelt

Nimmt man Faustformeln zu Hilfe, ist Bremen ausreichend mit Hospizbetten versorgt. Dennoch sterben immer wieder Menschen auf der Warteliste für einen Hospizplatz. Jetzt soll der tatsächliche Bedarf ermittelt werden.

Christian BenekerVon Christian Beneker Veröffentlicht:
Politiker fragen nach: Ist die Versorgung mit Hospizbetten in Bremen ausreichend?

Politiker fragen nach: Ist die Versorgung mit Hospizbetten in Bremen ausreichend?

© Gustavo Alabiso/imago

BREMEN. Bremens Bürgerschaft fordert mehr Hospizplätze im Land. Dabei gibt es bereits genug Plätze - bald sogar mehr als genug.

Eine parteiübergreifende Gruppe von Abgeordneten aus Grünen, SPD und CDU hat in einer Dringlichkeitsanfrage gefordert, die bedarfsgerechte Versorgung mit Palliativ- und Hospizplätzen im Land zu sichern.

Nach Angaben des Bremer Hospiz- und Palliativverbandes starben von den 222 Todkranken, die die Voraussetzungen für einen Hospizplatz erfüllten, 99 Menschen während sie auf der Warteliste für ein stationäres Hospiz standen.

Bremen mit Hospizbetten sehr gut ausgestattet

Die acht Betten des Hospizes "Brücke" in Bremen-Walle decken "nicht den zurzeit bestehenden Bedarf im Lande Bremen", heißt es in dem Antrag.

Auch die Palliativstationen könnten diesen Mangel nicht ausgleichen. Auf drei Palliativstationen stehen in Bremer Krankenhäusern insgesamt 23 Palliativbetten zur Verfügung.

Deshalb möge die Bürgerschaft, also das Bremer Parlament, beschließen, vom Senat ein Weiterentwicklungskonzept für die Palliativ- und Hospizversorgung zu fordern, so die Abgeordnetengruppe.

Dabei sollen auch die Zugangsmöglichkeiten für Migranten berücksichtigt werden, die Kooperation der Berufsgruppen, die Ausbildung der Pflegenden und besonders die Zusammenarbeit mit den Allgemeinmedizinern der Stadt.

Allerdings ist Bremen mit Hospizbetten sehr gut ausgestattet. Nach der inoffiziellen Faustformel - ein Hospizbett pro 100.000 Einwohner - dürfte Bremen nur fünf Betten haben, tatsächlich sind es acht.

Und Ende kommenden Jahres soll ein zweites Hospiz der Johanniter mit rund acht Plätzen dazu kommen. Der Ausbau dieses Hauses ist an eine Großspende gebunden.

Kassen signalisieren Bereitschaft

Johannes Foppe, Geschäftsführer des Hospizes Brücke sagte der "Ärzte Zeitung": "Tatsächlich brauchen wir die Warteliste, damit wir zwischenzeitlich kein Bett leer stehen haben. Vier weitere Betten würden zwar die Warteliste abbauen, aber das Kostenproblem bliebe bestehen."

Für die Sterbenden, die keinen Platz im Hospiz erhalten, sei durch die Palliativbetten und die SAPV-Angebote in Bremen gesorgt. "Gedient wäre uns natürlich, wenn ein Bedarfsplan aufgestellt würde und der eventuell zusätzliche Bedarf dann auch bezahlt würde."

Nun werden die Kassen mit an dem Tisch sitzen, an dem der Plan aufgestellt wird. Man werde sich gegen zusätzliche Betten nicht sträuben, "wenn alles sich in einem vernünftigen Rahmen hält", fasst ein Kasseninsider die Position zusammen.

Barmer GEK-Landeschefin Heike Sander sagt: "Sollte sich bei der Überprüfung herausstellen, dass es im Land Bremen einen begründeten Mehrbedarf an stationären Hospizplätzen gibt, werden wir uns als größte bundesweite Krankenkasse an einer Lösung konstruktiv beteiligen."

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