Krebsversorgung aus einer Hand

Belegarzt – KBV und Onkologen präsentieren neuen Teamplayer

Mit einer Neudefinition des Belegarztes wollen KBV und Onkologen die sektorübergreifende Krebsversorgung realisieren.

Von Helmut LaschetHelmut Laschet Veröffentlicht:
Ein Zahnrädchen greift ins nächste: KBV und Onkologen wollen Krebspatienten sektorenübergreifend behandeln.

Ein Zahnrädchen greift ins nächste: KBV und Onkologen wollen Krebspatienten sektorenübergreifend behandeln.

© blobbotronic / stock.adobe.com

BERLIN. Krebspatienten sollen künftig durchgängig von einem Ärzteteam sektorenübergreifend behandelt und betreut werden. Unter Federführung der KBV haben der Bundesverband der Niedergelassenen Hämatologen und Onkologen (BNHO) und der Bundesverband der Belegärzte dafür ein Modell entwickelt, das am Mittwoch in Berlin vorgestellt wurde.

Im Zentrum der Versorgungsvereinbarung steht der Belegarzt mit seinen sektorenübergreifenden Versorgungsmöglichkeiten. Die Umsetzung steht und fällt allerdings mit der Bereitschaft der Krankenkassen, jenseits der morbiditätsbedingten Gesamtvergütung eine Honorarvereinbarung für diesen neuen Typus von Belegarzt abzuschließen.

Das sind die Merkmale

Professor Wolfgang Knauf vom BNHO-Vorstand zählte die Merkmale des neuen belegärztlichen Kompetenznetzwerks auf:

  • Mindestens drei Onkologen/Hämatologen arbeiten im Team und vertreten sich gegenseitig als Belegärzte, die ihre Patienten durchgängig in ambulanten und stationären Behandlungsphasen betreuen.
  • Ihnen zur Seite stehen onkologisch qualifizierte MFAs mit mindestens zwei Jahren Berufserfahrung sowie ein Case-Manager mit einem Arbeitsvolumen ab 20 Wochenstunden.
  • Optional werden auch psychoonkologische Leistungen eingebunden.
  • Zum Leistungsspektrum zählen auch die Betreuung von Familienangehörigen, die Organisation der pflegerischen Versorgung sowie die Überleitung in die Palliativmedizin.

Vorteile für den Patienten

Aus der Sicht der Patienten würde diese Versorgungsform eine Reihe von Vorteilen bieten, so Knauf: durchgängige Versorgung aus einer Hand, Sicherstellung einer effektiven Schmerztherapie, Stabilisierung bei Komplikationen durch die Erkrankung oder durch die Therapie selbst, fließender Übergang in die palliativmedizinische Versorgung.

Angesichts immer höherer Leistungsanteile der ambulanten Medizin auch in der Onkologie ist ein reformiertes Belegarztwesen die geeignete Antwort, so Dr. Andreas Schneider vom Bundesverband der Belegärzte.

Die künstliche Trennung ambulant/stationär werde aufgehoben, der Facharztstandard sei durchgängig sichergestellt, die Belegarztversorgung sei um rund 30 Prozent kostengünstiger als die konventionelle Klinikbehandlung in Hauptabteilungen, und es gebe keine Konfliktpotenziale mit dem Korruptionsparagrafen für Ärzte im Strafgesetzbuch.

Rein theoretisch wäre es möglich, das belegärztliche Teammodell schrittweise nahezu flächendeckend zu etablieren. Dafür stünden einerseits die rund 600 im BNHO organisierten niedergelassenen Onkologen und Hämatologen zur Verfügung.

Durchschnittlich 2,5 Ärzte arbeiten gegenwärtig in einer Praxis mit einer Tendenz zu größeren Einheiten. Damit ließen sich die Teamforderungen erfüllen. Ergänzt man dies um das Potenzial der in die Kliniken arbeitenden Fachärzte, so stünden insgesamt 2300 Onkologen und Hämatologen zur Verfügung.

Gut fur (junge) Ärzte?

Durch Arbeitsteilung im Team könne auch eine Entlastung der Ärzte erreicht werden, die Verbindung von ambulanten und stationären Leistungsstrukturen sei wiederum ideal für eine umfassende Weiterbildung junger Ärzte. Schließlich komme das Belegarztwesen ohne die kliniktypischen Hierarchieebenen aus.

Nach Einschätzung der KBV-Chefs Dr. Andreas Gassen und Dr. Stephan Hofmeister gibt es ausreichend viele Krankenhäuser, die an der Realisierung Interesse hätten – auch, weil dies eine Chance wäre, sich neu zu strukturieren.

Für eine Realisierung des Modells wäre es aber notwendig, eine Finanzierung jenseits der morbiditätsbedingten Gesamtvergütung zu vereinbaren. Dies sei unter den gegebenen gesetzlichen Bedingungen der sektorenbezogenen Vergütungsstruktur ohne gesetzliche Änderungen schwer möglich.

Verhandlungen mit dem GKV-Spitzenverband seien daher problematisch, alternativ müssten auch regionale Lösungen oder Verträge mit Einzelkassen als Alternative erwogen werden.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Neugedachte Behandlung - ein Dienst am Krebspatienten

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