Direkt zum Inhaltsbereich

Diagnose "Krebs"

Hilfe für die Seele gefordert

Eine Krebsdiagnose ist ein Schock. Die Psychoonkologie soll helfen. Aber die Unterstützung ist wenig bekannt und unterfinanziert.

Anno FrickeVon Anno Fricke Veröffentlicht:
Diagnose Krebs: Ärzte fordern die Integration der Psychoonkologie in die klinischen Abläufe: zum Beispiel die Einbindung in Tumor-Boards.

Diagnose Krebs: Ärzte fordern die Integration der Psychoonkologie in die klinischen Abläufe: zum Beispiel die Einbindung in Tumor-Boards.

© Olga Lyubkina / Fotolia

BERLIN. Die Psychoonkologie ist nach wie vor ein Stiefkind der onkologischen Versorgung. Befragungen haben ergeben, dass die Angebote nach wie vor nicht flächendeckend bekannt sind. Nur rund die Hälfte der Patienten nutzten die Unterstützungsangebote, berichtete Professor Peter Herschbach, Direktor des Comprehensive Cancer Centers in München, beim Weltkongress für Psychoonkologie in Berlin.

Im Gesundheitsministerium hat man den Bedarf erkannt. Die Finanzierung der 18 Krebsberatungsstellen in Deutschland solle in der kommenden Legislaturperiode auf gesetzliche Grundlage gestellt werden, hat Ministerialdirigent Dr. Antonius Helou am Mittwoch angekündigt.

Ärzten reichen diese Perspektiven nicht aus. Sie fordern die Integration der Psychoonkologie in die klinischen Abläufe: zum Beispiel die Einbindung in die Tumor-Boards, aber auch die Aufnahme psychoonkologischer Befunde in den einheitlichen onkologischen Basisdatensatz der Tumorzentren (ADT) und der epidemiologischen Krebsregister (GEKID) und in Entlassbriefe.

Trotz aller Absichtserklärungen der Politik: Die Finanzierung der Psychoonkologie bereitet Kummer. Bei einem Kongress-Symposium wurde deutlich, dass sich ambulant tätige Psychoonkologen eine reguläre Abrechnungsziffer für die Behandlung des vom Krebs ausgelösten erhöhten Distress wünschen. Bislang sind lediglich Behandlungen aufgrund vom Krebs ausgelöster tatsächlicher seelischer und psychosomatischer Begleiterkrankungen regelhaft abrechenbar. Klinikverwaltungen beklagen zudem, dass das in der Psychoonkologie eingesetzte Personal nicht DRG-relevant sei.

Knapp 500.000 Menschen im Jahr erkranken in Deutschland neu an Krebs. Die Diagnosen lösen oft Ängste und Unsicherheit aus. Belastend seien nicht allein die Konfrontation mit Sterben und Tod, sondern auch die Beeinträchtigungen von Körperfunktionen, Beschränkungen im Alltag und spirituelle Herausforderungen, sagte Professor Hermann Faller von der Universität Würzburg. Seit einigen Jahren nimmt die Zahl der Menschen zu, deren Krebserkrankung chronifiziert oder die sogar geheilt werden. Auch diese Entwicklungen stellen Herausforderungen für die Psychoonkologie dar.

Der Nationale Krebsplan hat das Ziel formuliert, dass alle Betroffenen bei Bedarf eine angemessene psychoonkologische Versorgung erhalten. Eine Befragung von 4020 Patienten unter Federführung der Uniklinik Freiburg mit 30 Kliniken und niedergelassenen Onkologen hat ergeben, dass etwa die Hälfte der Patienten von der Krebsdiagnose stark belastet wird.

Krebsdiagnosen und Psychoonkologie

- 500.000 Menschen im Jahr erkranken in Deutschland an Krebs.

» Die Hälfte fühlt sich von einer Krebsdiagnose stark belastet.

» Ein Drittel wünscht psychosoziale Unterstützung.

» Ein Viertel nutzt psychoonkologische Unterstützung.

Quellen: Universitäten Freiburg, Heidelberg, Hamburg, Würzburg, Leipzig und München.

Lesen Sie dazu auch: Psychoonkologie: Psyche ist Stiefkind der Krebstherapie

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Baustelle Psychoonkologie

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Tenosynoviale Riesenzelltumoren

Diagnose und Therapie erfordern orthopädische und onkologische Expertise

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Deciphera Pharmaceuticals (Germany) GmbH, München

Preisträger gekürt

Das sind die Gewinner des Galenus-von-Pergamon-Preises 2026

Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Tab. 1: Ansprechen untersucht in unabhängigen radiologischen Reviews nach RECIST-v1.1-Kriterien

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [13]

Tenosynoviale Riesenzelltumoren

Diagnose und Therapie erfordern orthopädische und onkologische Expertise

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Deciphera Pharmaceuticals (Germany) GmbH, München
Abb. 1: ASTRUM-005-Studie: Finale Analyse des Gesamtüberlebens (OS)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [5]

Serplulimab beim ES-SCLC

Aus Evidenz wird eine starke Leitlinienempfehlung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Accord Healthcare GmbH, München
Abb. 1: Strukturierter Ablauf der CAR-T-Zelltherapie, in sektorübergreifender Zusammenarbeit zwischen Zentrum und zuweisender Praxis

© Janssen-Cilag

CAR-T-Zelltherapie mit Cilta-cel

Frühzeitige Zuweisung und strukturierte Patientensteuerung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Janssen-Cilag GmbH, a Johnson & Johnson company, Neuss
Vorteile des Logins

Mit unserem kostenloses Login erhalten Ärztinnen und Ärzte, Medizinstudierende sowie Fachkräfte im Gesundheitswesen vollen Zugriff auf unsere medizinischen und praxisrelevanten Inhalte.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Kongress in Chicago

Herzkongress AHA 2026: Diese Studien könnten die Praxis verändern

Vergleich der Kreise

Wo MRSA-Infektionen besonders häufig sind

Klassifikation von Herztönen nach Auskultation

Zusammenarbeit Mensch und KI: Das Vertrauen kann täuschen

Lesetipps
Richterhammer und Klemmbrett

© Andrii / Stock.adobe.com

Interview

EU AI Act: Was die neuen Transparenzpflichten für Praxen bedeuten

Eine Frau leidet unter Schwindel, hält sich mit der einen Hand an der Tür fest und ihre andere Hand liegt auf der Stirn.

© Tunatura/stock.adobe.com

Neurologin gibt Tipps

So gehen Sie bei Schwindel richtig vor