KV Brandenburg

„Beschlagnahme von Schutzmasken könnte helfen“

Wegen fehlender Schutzausrüstung in den Praxen und Abstrichstellen schlägt die KV Brandenburg Alarm. Eine Beschlagnahme freiverkäuflicher Masken hält sie nicht für die schlechteste Maßnahme.

Von Julia Frisch Veröffentlicht: 01.04.2020, 13:09 Uhr
„Beschlagnahme von Schutzmasken könnte helfen“

Die KV Brandenburg sucht dringend Schutzmasken für Arztpraxen. Viele Angebote sind unseriös.

© Guntar Feldmann / stock.adobe.com

Potsdam. 20 FFP-2-Schutzmasken für 99,99 Euro oder 50 OP-Masken für knapp 60 Euro werden am Dienstag mittag auf dem Online-Marktplatz eines großen Einzelhändlers angeboten. Was er davon halte angesichts der Hilferufe von Krankenhäusern, Praxen und Pflegeheimen nach Schutzausrüstung, wird der Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg auf einer Pressekonferenz gefragt. „Das, was medizinisch einsetzbar ist, gehört in die Medizin. Das kann nicht sein, dass die Bevölkerung die Masken hat“, sagt KV-Vorstandsvorsitzender Dr. Peter Noack.

Sein Stellvertreter Holger Rostek lässt durchblicken, dass er eine Beschlagnahme vorhandener Lagerbestände im Einzelhandel nicht verdammen würde. Man brauche nicht zu glauben, dass in nächster Zeit genügend an Schutzausrüstung komme. Deshalb, so Rostek, sei es Zeit, „deutlich schneller und radikaler auf Ideen zu kommen und diese umzusetzen“.

Schwierige Suche nach seriösen Angeboten

Wie schwierig es ist, Schutzmaterial für die Brandenburger Praxen, die derzeit 50 Corona-Abklärungsstellen und den Bereitschaftsdienst zu beschaffen, berichtet Rostek. Angebote bekomme die KV jeden Tag. Die seriösen Offerten herauszufiltern sei nicht einfach. Zudem verlangten viele Lieferanten Vorkasse in Höhe von 80 bis 100 Prozent, womöglich noch auf ein „Konto in China oder Schanghai“. Eine FFP-2-Maske, die vor Beginn der Corona-Pandemie gut 50 Cent kostet, werde nun für Beträge von ein bis acht Euro gehandelt. „Das ist momentan Wildwest“, sagt Rostek.

Dazu kommt: Erreiche eine Lieferung dann doch mal Brandenburg, befinden sich darin – wie vor über einer Woche – nicht die 50.000 bestellten FFP-2-, sondern nur einfache OP-Masken. Der Markt sei derzeit nicht einfach. „Wir gehen auf schwierige Angebote ein, auf die wir normalerweise nicht eingehen würden“, sagt Rostek.

Spahns Versprechen „vorschnell“

In der KV bemühe sich ein Krisenstab aus 40 Mitarbeitern, die nötige Schutzausrüstung zu beschaffen. Ein Logistikzentrum sei dafür innerhalb kurzer Zeit aus dem Boden gestampft worden. Beim Bundesbeschaffungsamt seien außerdem 1,6 Millionen Masken angemeldet worden, „nur wenige tausend haben wir bekommen“, so Rostek. Von den Versprechungen von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, für Schutzausrüstungen zu sorgen, hält die Brandenburger KV nicht viel. „Das war vorschnell“, kommentiert KV-Chef Noack.

Die Situation in den Arztpraxen sei höchst angespannt. Es fehle an Masken, Kitteln, Brillen und auch Desinfektionsmitteln. Wenn es nicht gelinge, schnell für Nachschub zu sorgen, werden Praxen schließen. „Dann können wir die ambulante Versorgung der Brandenburgerinnen und Brandenburger nicht mehr garantieren“, so Noack.

Ambulanter Bereich vergessen

Die KV kritisiert auf der Pressekonferenz, dass bei den Corona-Maßnahmen der ambulante Bereich in der Regel „vergessen wird“. Dabei sei er der erste „Wellenbrecher“ vor den Krankenhäusern bei der Versorgung von Corona-Patienten. „Von den 993 bestätigten Fällen in Brandenburg werden 66 stationär behandelt. Die Bedeutung der ambulanten Versorgung ist hoch und wird in den nächsten Tagen und Wochen steigen“, sagte Dipl.-Med. Andreas Schwark, stellvertretender KV-Vorstandsvorsitzender. Zudem müssten die Niedergelassenen auch noch die Regelversorgung aufrechterhalten.

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