Berufspolitik

Beschneidung kann vor Prostatakrebs schützen

Eine Beschneidung bei Männern beugt Infektionen vor und senkt das Risiko, sich mit HIV anzustecken. Jetzt zeigt eine neue Studie: Der Schnitt im Schritt bewahrt Männer womöglich auch vor Prostatakrebs.

Veröffentlicht: 13.03.2012, 15:32 Uhr
Schutzhelm für den "Mann"? Eine Beschneidung kann vor Prostatakrebs schützen.

Schutzhelm für den "Mann"? Eine Beschneidung kann vor Prostatakrebs schützen.

© ArTo / fotolia.com

SEATTLE (ple). Beschneidung bei Männern senkt offenbar nicht nur das Risiko einer HIV-Infektion, sondern möglicherweise auch das eines Prostatakarzinoms.

Wie Zervixkarzinome und Kopf-Hals-Tumoren sind auch Prostatakarzinome mit einer Infektion assoziiert. Bevölkerungsbezogenen Studien zufolge liegt zum Beispiel das Risiko eines Prostatakarzinoms für Männer mit einer Prostatitis bei ungefähr 80 Prozent.

Vor wenigen Jahren stellten Wissenschaftler außerdem die Hypothese auf, dass die proliferative inflammatorische Atrophie - etwa als Folge einer Infektion - eine Vorstufe zum Prostatakarzinom ist. Als Erreger kommen Mycoplasmen, Chlamydien, Trichomonaden, HPV und HIV infrage.

Bisher war bekannt, dass eine Zirkumzision das Risiko für eine HIV- Infektion reduziert. Um nachzuprüfen, ob das auch für Keime gilt, die ein Prostatakarzinom begünstigen, haben US-Urologen aus Seattle zwei bevölkerungsbezogene Fall-Kontrollstudien ausgewertet. Eine davon wurde bereits publiziert.

Beschneidung meist im Säuglingsalter

Dabei analysierten sie die Daten von 1754 Männern mit einem Prostatakarzinom in der Anamnese sowie von 1645 Männern ohne einen solchen Tumor (Cancer 2012, online 12. März). Die Altersspanne lag zwischen 35 und 74 Jahren.

Bei 91 Prozent der beschnittenen Studienteilnehmer erfolgte der Eingriff kurz nach der Geburt, wie die Befragung in den beiden Studien ergeben hatte.

Das zentrale Ergebnis der Auswertung: Die Wahrscheinlichkeit, dass vor dem ersten Geschlechtsverkehr beschnittene Männer an einem Prostatakarzinom erkrankten, war im Vergleich zu Männern ohne Beschneidung um 15 Prozent niedriger.

Dies galt sowohl für wenig aggressive als auch aggressivere Tumoren, deren Malignität unter anderem mit dem Gleason-Scores, dem PSA-Wert und dem Tumorstadium eingestuft wurde.

Eingriff führt zur Verhornung der Haut

Den Schutzeffekt der Beschneidung erklären sich die Urologen mit bisherigen Forschungsergebnissen. Demnach kommt es durch die Entfernung der Vorhaut zu einer Verhornung der Haut an der Stelle des Eingriffs.

Das wiederum erschwert deutlich das Eindringen von Keimen, die für die Karzinogenese relevant sind. Außerdem wird das feuchte Mikromilieu beseitigt, dass normalerweise Pathogene länger überleben lässt.

Mehr zum Thema

„Beitragstöpfe geplündert“

Kritik an Spahns Versorgungsgesetz hält an

Kommentare
Veröffentlichte Meinungsäußerungen entsprechen nicht zwangsläufig der Meinung und Haltung der Ärzte Zeitung.
Dr. Horst Grünwoldt

Beschneidung

In E-Ländern, und dort wo in arabisch-jüdischen Regionen (schiitischen)Mannbarkeits-Riten durchgeführt werden, gehört der nach m.E. archaische Brauch der Penis-Vorhaut-Beschneidung (sog. Circumcision) zum vermeintlichen Entwicklungsschritt vom Kinde zum Manne.
Könnte nicht schlicht "augenscheinlicher" Grund für diese Prozedur auch sein, das "besondere" männliche Organ endlich zum "Vorschein" zu bringen und auch größer erscheinen zu lassen?
Dabei dürfte der Begriff "Vorhaut" (Präputium) schon diskussionwürdiger Art sein und definitiv mindestens bis zum Ansatz hinter der Eichel (Glans penis) reichen. Wenn dort die Beschneidung stattfinden würde, läge die Penisspitze permanent mit ihrer sensiblen Schleimhaut frei.
Es sei dem Tierarzt erlaubt festzustellen:
So etwas ist im Säugetierreich von der Natur überhaupt nicht vorgesehen, sondern es liegt bei jeder höher entwickelten Art der Penis in seiner unterschiedlichen Ausprägung in einem schützenden Vorhaut-"Schlauch", den das mehr oder weniger prächtige Begattungsorgan erst im Zustand der sexuellen Erregung verläßt.
Aus eigener leidvoller Erfahrung würde ich stets dafür stimmen, die Knaben beizeiten auf die manuelle Reponierbarkeit der Penis-Vorhaut vertrauensvoll zu untersuchen und darauf zu achten, daß die doppelten Präputial-Blätter nicht verklebt oder sogar verwachsen sind. Das kommt in seltenen Fällen sogar bei Haustieren vor.
Letztlich sollte nach m.E. bei uns Zweibeinern alleine das Vorliegen der Phimose (Vorhaut-Verengung) oder die unlösbare Verwachsung der Vorhautbläter Indikation für die operative Circumcision sein.
Und dies natürlich immer unter Berücksichtigung der individuellen Vorhautlänge.
Und was die Genitalhygiene anbelangt, sollte der Doktor oder Papa dem Knaben beizeiten beibringen, die Vorhaut beim Urinieren und natürlich auch beim Duschen "zurückzuziehen" und damit die Harnröhren-Öffnung resp. Eichel aus Gründen der Reinlichkeit freizulegen.
Dr. med. vet. Horst Grünwoldt, Rostock

Dr. Christoph Luyken

Keine halben Sachen!

Die Studie, durch welche die praktische Erfahrung, daß beschnitte Männer fast nie unter Entzündungen am Penis leiden müssen, eindrucksvollbestätigt wird, ist ein klares, endlich wissenschaftlich begründetes Plädoyer für die Circumcision.
Es muß allerdings darauf hingewiesen werden, daß die hierzulande aus falsch verstandener Rücksichtnahme häufig geübte Praxis, nur den vorderen, verengten Teil des Präputiums zu resezieren, keine langfristig positiven Folgen für den Betroffenen hat - außer keine Phimose. Also: Keine halben Sachen machen! Wenn Circumcision, dann total! Mann wird es danken.


Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Newsletter bestellen »

Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte, Medizinstudenten, MFA und weitere Personengruppen viele Vorteile.

Die Anmeldung ist mit wenigen Klicks erledigt.

Jetzt anmelden / registrieren »

Top-Meldungen
Keine Lust aufs Essen? Übelkeit und Geschmacksverlust deuten bei Kindern eher auf COVID-19 als Atemwegssymptome.

Corona-Splitter

Die COVID-19-Symptome bei Kindern

Die Apothekenreform ist in trockenen Tüchern, die ABDA lobt sie als Beitrag zu einer „zukunftsfähigen Arzneimittelversorgung“.

Gesetzgebung

Bundesrat winkt Apothekenreform durch

Gesundheitsminister Spahn während der Debatte zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung und Pflege im Bundestag. Die Reaktionen sind zwiespältig.

„Beitragstöpfe geplündert“

Kritik an Spahns Versorgungsgesetz hält an