Notdienst und Rettungsleitstellen

Dank Vernetzung Patienten besser steuern

In Köln sind die Nummern der Rettungsleitstelle und der Arztrufzentrale zusammengeschaltet. Beteiligt sind 40 Partnerpraxen in der Domstadt. Diese Kooperation hilft offenbar, die Patienten schnell an die richtigen Stellen zu leiten.

Von Ilse Schlingensipen Veröffentlicht: 07.10.2019, 15:46 Uhr
Die Arztrufzentrale für NRW in Duisburg. Die Mitarbeiter haben einen direkten Draht zur Rettungsleitstelle in Köln.

Die Arztrufzentrale für NRW in Duisburg. Die Mitarbeiter haben einen direkten Draht zur Rettungsleitstelle in Köln.

© Ilse Schlingensiepen

Köln . Die Vernetzung der Rettungsleitstellen mit dem ärztlichen Notdienst ist ein geeignetes Mittel, um Patienten im Notdienst gezielt in die richtige Versorgungsebene zu steuern.

Das zeigen die Erfahrungen der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein (KVNo), die in Köln bei einem Pilotprojekt mit dem Rettungsdienst der Stadt kooperiert.

„Das funktioniert ganz hervorragend und reibungslos“, berichtete der KVNo-Vorsitzende Dr. Frank Bergmann kürzlich vor Journalisten in Düsseldorf. „Die Patienten werden dort versorgt, wo sie eigentlich hingehören.“

Seit Anfang des Jahres sind in der Domstadt die Telefonnummer 112 der integrierten Leitstelle der Feuerwehr mit der 116 117 der Arztrufzentrale Nordrhein-Westfalen in Duisburg zusammengeschaltet. Die beiden Stellen können sich Anrufer gegenseitig durchstellen.

Von Anfang Januar bis Ende Juni gingen bei der Leitstelle 180 000 Anrufe ein, die 76 035 Einsätze auslösten. 1266 Fälle oder 1,7 Prozent gab die Leitstelle an die Arztrufzentrale weiter.

17.015 Personen riefen bei der Arztrufzentrale an, was zu 4058 Hausbesuchen führte. Lediglich 99 oder 0,6 Prozent von ihnen wurden an die Rettungsleitstelle weitergeleitet.

Keine hohen zusätzlichen Kosten

Für Anrufe aus Köln ist die Arztrufzentrale rund um die Uhr erreichbar. „Außerhalb der Notdienstzeiten gehen relativ wenige Anrufe ein“, berichtete der Geschäftsführer der Arztrufzentrale Dr. Michael Klein. In der Duisburger Zentrale landeten bis August 19 412 Anrufe innerhalb der vertragsärztlichen Notdienstzeit.

Zu Zeiten, in denen die Praxen geöffnet hatten, meldeten sich 2727 Menschen. Von ihnen konnten die Mitarbeiter 786 an eine der 40 Kölner Partnerpraxen vermitteln. Diese Praxen übernehmen Akutfälle von der Arztrufzentrale. Rund die Hälfte der Patienten benötigte einen Allgemeinmediziner. Die danach mit deutlichem Abstand am häufigsten nachgefragte Gruppe waren nach Angaben von Klein Augenärzte.

Sowohl die Arztrufzentrale als auch die Rettungsleitstelle arbeiteten jeweils sehr effizient, sagte KVNo-Chef Bergmann. Durch die Kooperation werde die Effizienz aus Sicht der Patienten aber noch deutlich gesteigert. Er sieht es als Vorteil, dass mit dem Modell keine hohen zusätzlichen Kosten verbunden sind.

Kooperation soll ausgebaut werden

Die KVNo werde die Kooperation mit den Rettungsleitstellen sukzessive ausbauen, kündigte Bergmann an. „Düsseldorf scharrt schon mit den Hufen.“ Wichtig sei die Flankierung des Modells durch die Kooperation mit den Partnerpraxen.

„Diese Art der Zusammenarbeit macht bundesweit Sinn“, ist Bergmann überzeugt. Eine räumliche Zusammenlegung der beiden Stellen sei dafür nicht notwendig.

Künftig sollen die Mitarbeiter der Integrierten Leitstelle in Köln mit dem SmED-System arbeiten. Die „Strukturierte medizinische Ersteinschätzung Deutschland“ ist in der Arztrufzentrale bereits im Frühjahr eingeführt worden.

130 medizinische Fachkräfte wurden in der Anwendung des Systems geschult. Sie sollen auf Basis gezielter Fragen die Dringlichkeit der medizinischen Versorgung ermitteln, erläuterte Klein.

2,7 Prozent waren laut SmED ein Notfall

Seit April haben die Mitarbeiter 22 000 Ersteinschätzungen von Anrufern aus ganz Nordrhein vorgenommen. „Damit sind wir bundesweit führend“, betonte er. Das System komme bei den Patienten gut an. „Manche bedanken sich, dass sie so detailliert befragt wurden.“

Bei 2,7 Prozent der Anrufer erkannten die Mitarbeiter einen Notfall, der an die Feuerwehr übergeben wurde. In 40,4 Prozent der Fälle war eine schnellstmögliche ärztliche Versorgung innerhalb von vier Stunden notwendig, in 46,7 Prozent innerhalb von 24 Stunden beziehungsweise im Laufe des Tages.

Bei 10,2 Prozent der Anrufer konnte nach Einschätzung der Zentrale die ärztliche Versorgung noch etwas warten. „Wir sehen, dass die Patienten oft zu Recht den Notdienst anrufen“, sagte Klein.

In Nordrhein sollen bis zum Jahr 2022 flächendeckend Portalpraxen eingerichtet werden. Viele der 75 Notdienstpraxen kommen dem Modell auch heute schon nahe. Das Ziel ist, dass SmED dort an den gemeinsamen Tresen von Krankenhaus und ambulanten Notdienst ebenfalls eingesetzt wird. Vier der Praxen, die sich am Innovationsfonds-Projekt DEMAND beteiligen, arbeiten bereits mit SmED.

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