Betreuungsteams für Schizophrenie-Patienten

Ein integrierter Versorgungsvertrag, an dem unter anderem die AOK Niedersachsen und die Managementgesellschaft I3G beteiligt sind, soll helfen, Menschen, die an Schizophrenie leiden, besser zu betreuen als bisher.

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Bei Patienten mit Schizophrenie ist die Rückfallquote häufig sehr hoch.

Bei Patienten mit Schizophrenie ist die Rückfallquote häufig sehr hoch.

© Endig / ddp

NEU-ISENBURG (chb). Ein neuer Vertrag zur integrierten Versorgung soll die Behandlung von Schizophrenie-Patienten verbessern. Oberstes Ziel: Die Patienten sollen so lange wie möglich individuell in ihrem gewohnten Umfeld versorgt werden können.

Vertragspartner sind die AOK Niedersachsen und die Managementgesellschaft I3G GmbH, ein Tochterunternehmen des Arzneimittelherstellers Janssen-Cilag. Die I3G beauftragt wiederum die Care4S GmbH (Care for Schizophrenia) mit der konkreten Umsetzung vor Ort.

Der Vertrag soll am 1. Oktober in zunächst drei niedersächsischen Regionen starten. Zwölf Monate später soll er dann aber bereits landesweit umgesetzt werden. Nach Angaben der AOK könnten dann bis zu 13 000 Versicherte an der integrierten Versorgung teilnehmen. Ob das neue Versorgungsangebot erfolgreich ist, soll nach Angaben der Vertragspartner anhand objektiver Qualitätsindikatoren gemessen werden.

Dazu zähle zum Beispiel die Krankheitsschwere oder die Häufigkeit von Rückfällen. Die Indikatoren sind nach Angaben der AOK von unabhängigen Experten im Auftrag der Kasse entwickelt worden. Die Qualitätsindikatoren liegen auch den EDV-Systemen zugrunde, mit denen die Leistungserbringer die Therapie dokumentieren. Das gesamte Projekt soll von einem unabhängigen wissenschaftlichen Institut evaluiert werden.

Konkret sollen mit dem neuen Versorgungsvertrag:

  • Rückfälle vermieden,
  • Krisen möglichst ambulant bewältigt,
  • stationäre Aufenthalte vermieden oder verkürzt,
  • die Patienten und ihr Umfeld zur besseren Krankheitsbewältigung befähigt,
  • berufliche Rehabilitation und soziale Integration gefördert und
  • die Teilhabe am täglichen Leben ermöglicht werden.

Damit diese Ziele erreicht werden können, wollen die Vertragspartner ein Netz bilden, "das die medizinische und psychosoziale Betreuung von Patienten mit Schizophrenie berufsgruppen- und institutionsübergreifend verknüpft". Bei Bedarf sollen die Leistungserbringer rund um die Uhr erreichbar sein.

Aufgebaut werden soll ein flächendeckendes Netz von Fachärzten und Fachpflegern, das jeweils den Kern eines Behandlungsteams bildet und mit der Care4S GmbH in einem direkten Vertragsverhältnis steht. Die Teams können bei Bedarf Hausärzte, Physiotherapeuten, kommunale Einrichtungen oder auch Krankenhäuser in die Therapie einbeziehen.

Die Care4S soll darüber hinaus die Behandlungsteams unterstützen, ohne in deren Therapiefreiheit einzugreifen. Unter anderem sollen Schulungen zur Versorgungskoordination angeboten werden. Außerdem stünden den Behandlungsteams vor Ort Netzbetreuer beratend zur Seite. Qualitätszirkel und regelmäßige Fallkonferenzen sollen das berufsgruppen- und sektorübergreifende Arbeiten innerhalb des Versorgungsvertrages erleichtern.

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