Morbi-RSA

Betriebskassen monieren Kodierung

Die Betriebskrankenkassen in Bayern beklagen die Anfälligkeit des Morbi-RSA: Knackpunkt ist das regional unterschiedliche Codierverhalten der Ärzte. Das hat finanzielle Folgen.

Von Jürgen Stoschek Veröffentlicht:
80 Milliarden Euro werden aufgrund codierter Diagnosen über den Gesundheitsfonds verteilt - ein fehleranfälliges Verfahren, so der BKK-Verband.

80 Milliarden Euro werden aufgrund codierter Diagnosen über den Gesundheitsfonds verteilt - ein fehleranfälliges Verfahren, so der BKK-Verband.

© imago/imagebroker

MÜNCHEN. Bundesweit unterschiedliches Codierverhalten in den Praxen führt nach Angaben der Betriebskrankenkassen in Bayern zu extremen Verzerrungen bei den Zuweisungen aus dem Gesundheitsfonds an die Krankenkassen.

Nach einer aktuellen Untersuchung des BKK Landesverbandes Bayern seien im Freistaat 434 Millionen Euro Ausgaben für die Versorgung von rund 400.000 Versicherten nicht durch Zahlungen gedeckt, die über den morbiditätsorientierten Risikostrukturausgleich (Morbi-RSA) verteilt werden.

Denn Kassen erhielten nur vergleichbare Zuweisungen aus dem Gesundheitsfonds, wenn die Diagnosen nach Morbi-RSA-Kriterien einheitlich, genau und gesichert seien, so der Verband.

Tatsächlich liege der Anteil der Morbi-RSA-relevanten gesicherten Diagnosen in Sachsen-Anhalt nach BKK-Zahlen mit 94 Prozent bundesweit an der Spitze, während Bayern mit 87 Prozent am untersten Ende rangiere.

Die korrekte Codierung sei nicht nur für Patienten, sondern auch für die Kassen relevant. Immerhin würden jedes Jahr knapp 80 Milliarden Euro auf der Grundlage codierter Diagnosen und Krankheiten über den Gesundheitsfonds verteilt.

Ärzte sind nicht genormt

So erhalte eine Kasse für einen Patienten mit der Diagnose Adipositas nur einen Zuschlag von 643 Euro im Jahr, wenn auch der BMI exakt dokumentiert sei. Ohne eine solche Aufzeichnung gebe es kein Geld.

Das bedeute, dass von einem Arzt verlangt werde, "dass er einen offensichtlich übergewichtigen Patienten erst vermisst und wiegt, damit die Kasse des Patienten einen Ausgleich für die Behandlungskosten aus dem Gesundheitsfonds erhält", erläuterte Sigrid König, Vorständin des BKK Landesverbandes Bayern.

Der Morbi-RSA ignoriere, "dass weder Ärzte noch unsere Versorgungsstrukturen in Deutschland einheitlich genormt sind", kritisierte König. So profitierten infolge des morbiditätsorientierten Finanzausgleichs viele Regionen von Überdeckungen in den Zuweisungen, andere müssten mit Unterdeckungen aus dem Fonds leben.

Beispielsweise seien in vielen Großstadtregionen bundesweit und in weiten Teilen Süddeutschlands die Mittel aus dem Gesundheitsfonds nicht kostendeckend.

"Überregional tätige Kassen können diese Über- und Unterdeckungen ausgleichen, regional aktive Kassen haben aber in diesem System das Nachsehen", sagte König.

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