Datenschutz

Big Data als Chance: Ethikrat will Datenschutz modernisieren

Große Datenmengen verändern das Gesundheitswesen. Der Ethikrat widmet sich dieser Herausforderung für Ärzte und Patienten.

Von Anno FrickeAnno Fricke Veröffentlicht:
Datensouveränitat über die eigenen Gesundheitsdaten steht im Fokus der Stellungnahme des Etikrates.

Datensouveränitat über die eigenen Gesundheitsdaten steht im Fokus der Stellungnahme des Etikrates.

© Jürgen Fälchle / stock.adobe.com

BERLIN. Maschinen werden in naher Zukunft ärztliche Kompetenz teilweise ersetzen können. Davon zeigt sich der Deutsche Ethikrat überzeugt. In seiner am Donnerstag veröffentlichten Stellungnahme "Big Data – Datensouveränität als informationelle Freiheitsgestaltung" zeigen die 26 Mitglieder des Rats auf, wie Big Data auf die Gesellschaft einwirken wird und welches ethische Rüstzeug die Gesellschaft braucht, damit umzugehen.

Wenn eine Datenbank eine MRT zuverlässiger auswerten oder eine Laboranalyse treffsicherer interpretieren kann, so die These, betrifft dies die Ärzte unmittelbar. Der technische Fortschritt dürfe aber keine Entfremdung in die Arzt-Arzt- und die Arzt-Patienten-Beziehung tragen, sagte der Vorsitzende des Ethikrats Professor Peter Dabrock. Ärzte müssten sich auf stärkere Interdisziplinarität ihrer Tätigkeit einstellen. Freiwerdende Kapazitäten sollten nicht eingespart, sondern in die "Zuwendungsseite der Medizin" investiert werden.

Der Ethikrat geht von der Prämisse aus, dass alle Daten als gesundheitsrelevant eingeschätzt werden können, also auch die beim Einkaufen oder in der Freizeit gesammelten. Erhoben und genutzt werden die Daten von den verschiedensten Akteuren. Der Rat nennt ausdrücklich die biomedizinische Forschung, die Gesundheitsversorgung, die Datennutzung durch Versicherer und Arbeitgeber, die kommerzielle Verwertung gesundheitsrelevanter Daten durch Internetfirmen und das Erheben eigener Daten per Smart Watch oder Smartphone.

Die aktuell noch unklare Lage bei der Regierungsbildung sei eine Chance, die Ratsempfehlungen in einem Koalitionsvertrag unterzubringen. Nach Auffassung des Rats sollte die "informationelle Selbstbestimmung" zur "informationellen Freiheitsgestaltung" weiterentwickelt werden. Dazu solle auch der Aspekt gehören, dass die eigenen Daten der Allgemeinheit nutzen können. Es sei gegenüber vielen Menschen unverantwortlich, auf die Chancen von Big Data wegen alter Datenschutzprinzipien zu verzichten, sagte Dabrock.

Forschungsministerin Johanna Wanka (CDU) plädierte am Donnerstag dafür, sich im Umgang mit den Daten viele Optionen offenzuhalten und Entwicklungen nicht durch Verbote zu behindern.

Angesichts der Fortschritte in der Medizin sei es wichtig, aus der Perspektive der Forschung und der Gesundheitsversorgung, dass die Diskussion über das Machbare immer auch eine über das Menschengemäße an die Seite gestellt bekomme, kommentierte Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) die Stellungnahme.

Lesen Sie dazu auch: Ethikrat: Datenschutz-Konzept für Big Data

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Big Data - Der Weg in die Entgrenzung

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